Fachbeitrag | Friedhofsverwaltung
02.11.2015

Sargzwang: Ist er mittlerweile überholt?

In einigen Bundesländern gibt es den umfassenden Sargzwang noch. Die meisten Bundesländer haben die Sargpflicht in ihren Bestattungsgesetzen gelockert, um die Beerdigung von Muslimen nach islamischem Ritus zu ermöglichen: Statt im Sarg wird der Verstorbene in ein weißes Tuch gehüllt beerdigt. Ganz abgeschafft ist der Sargzwang aber nicht. Was spricht eigentlich dafür, was dagegen?

Rest In Peace© David Reimche /​ iStock /​ Thinkstock

Särge erzählen Geschichten

Särge sind teuer, sie können mehrere tausend Euro kosten. Sie sind Statussymbole und sollen Botschaften vermitteln. Mit der Wahl eines gediegenen Eichen- oder Mahagonisarges sagen die meist gut situierten Verstorbenen und ihre Angehörigen etwas anderes aus, als diejenigen, die sich für farbig lackierte, amerikanische oder italienische Modelle oder stylische Designersärge entschieden haben.

Besonders eindrucksvoll zeigen Verstorbene in Ghana, was sie zu Lebzeiten besonders beschäftigte: Da ließ sich ein Busfahrer einen hölzernen Sarg in der Form eines blauen Busses zimmern. Ein Tischler wollte sich in einem überdimensionalen Hobel, ein Fischer in einer Languste, ein Bauer in einem schwarz-weiß gefleckten Stier und ein Pilot in dem Nachbau des Flugzeugs, das er bei seiner Airline geflogen ist, beerdigen lassen. Diese Särge sind echte Kunstwerke mit Message.

Welche Funktionen haben Särge?

Wenn Leichname nicht komplett von fest gepresster Erde umgeben sind, sollen sie theoretisch schneller vergehen. Die Luft, die sich im Sarg befände, umhülle den Verstorbenen und beschleunige die Verwesung. Bei den deutschen Ruhezeiten von 20 bis 30 Jahren sollte nach dieser Zeit vom Verstorbenen nichts als Erde und Staub übrig bleiben. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Sarg aus leicht verrottbarem Holz oder anderen leicht vergänglichen Materialien bestand. Je nach Holzart und Lackierung kann die Verwesung nämlich sehr erschwert werden. Zudem hängt die Verwesung auch von der Bodenbeschaffenheit des Grabs ab. Ob eine Leiche generell schneller im Leichentuch oder im Sarg dem natürlichen Kreislauf zugeführt wird, lässt sich gar nicht genau sagen.

Soll die Bestattung mehr als 24 Stunden nach dem Eintritt des Todes stattfinden, sollte für den Transport der Leiche ein Behälter verwendet werden, da nach dieser Zeit Körperflüssigkeiten austreten können. Die grauen Zinksärge oder Überführungswannen aus Kunststoff, in denen das Opfer im Fernsehkrimi vom Tatort wegtransportiert wird, dienen zur Beförderung von Leichen. Da sie wiederverwendet werden, müssen sie leicht zu reinigen sein. Werden wie bei vielen Moslems üblich die Verstorbenen ins Ausland überführt, befindet sich im Sarg meist noch ein luftdicht verschlossener metallener Innensarg, in dem der Tote während der Reise liegt.

Der Sarg ist in unserem Kulturkreis noch immer ein Garant für eine würdige Bestattung. Solange sich der Verstorbene zu Lebzeiten aber selbst frei dazu entschlossen hat, ohne Sarg bestattet zu werden, wird seine Menschenwürde nicht angetastet. Anders sähe es sicher aus, wenn der Staat arme Menschen aus Kostengründen ohne Sarg im Massengrab verscharren würde.

Unbedingt nötig ist der Sarg nicht. Er gehört in unserem Kulturkreis aber noch zum Begräbnis.

Autor: Astrid Hedrich 

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