19.06.2017

Ladungssicherung bei LKW: Worauf müssen Sie achten?

Jede Ladung, vom Werkzeugkasten bis hin zu schweren Baumaterialien und Maschinen und natürlich jede Art von Gefahrgut muss beim Transport sicher verstaut sein – und zwar so, dass sie während gewöhnlicher Verkehrssituationen nicht ins Rutschen kommen kann.

Ladungssicherung Lkw

Bei der Ladungssicherung bei Lkw gilt der Grundsatz: In allen Situationen, in denen ein Fahrer sein Fahrzeug (noch) beherrschen kann, darf sich die Ladung nicht bewegen. Sie muss so gesichert sein, dass sie während gewöhnlicher Verkehrssituationen nicht ins Rutschen kommen kann. Eine gewöhnliche Verkehrssituation ist aber nicht nur die unproblematische Geradeausfahrt, sondern auch eine Vollbremsung oder ein plötzliches Ausweichmanöver.

Doch auch solchen Fällen muss man mit bewährten Methoden und Hilfsmitteln vorbeugen. Denn kommt die Ladung ins Rutschen, besteht gleich in mehrfacher Hinsicht Gefahr:

  • Ware wird beschädigt
  • Erhöhte Unfallgefahr bei Weiterfahrt
  • Unmittelbare Gefahr für Leib und Leben

 

Methoden für wirksame Ladungssicherung bei Lkw

Bei einer Kurvenfahrt oder einer Vollbremsung wirken zwangsläufig starke Kräfte auf die Ladung. Diese Kräfte lassen sich nicht verhindern, aber man kann sie neutralisieren. Dazu muss eine entsprechende Gegenkraft aufgebaut werden. Um das zu erreichen, gibt es grundsätzlich zwei verschiedene Möglichkeiten:

  • Reibung erhöhen durch Kraftschluss
    Den Reibungswiderstand kann man erhöhen, indem man z.B. Antirutschmatten einsetzt, oder zwei Gegenstände mithilfe von Zurrgurten aufeinanderpresst. Dann sorgt die erhöhte Reibung für die notwendige Gegenkraft.
  • Ladung festsetzen durch Formschluss
    Hierbei bindet man die Ladung quasi fest, sodass sie sich nicht mehr bewegen kann. Auch das Verkeilen des Ladeguts ist im Prinzip eine Formschluss-Methode.

Welche Methode die jeweils geeignete ist, hängt von vielen Faktoren ab. Generell gilt: Für große und schwere Ladungsgüter ist häufig ein Kraftschluss sinnvoll. Für kleines und leichtes Stückgut, z.B. bei Kurierfahrten, ist meist der Formschluss praktikabler. Häufig ist es auch notwendig, beide Methoden miteinander zu kombinieren.

 

Varianten des Kraftschlusses:

Antirutschmatten
Sie sind nicht nur für den Kraftschluss durch Niederzurren eine ideale Ergänzung, sondern auch für verschiedene Varianten des Formschlusses.

Kraftschluss durch Niederzurren
Dazu spannt man einen Gurt quer über das Ladegut, hakt die jeweiligen Enden an den Zurrpunkten ein und baut mithilfe einer Ratsche eine sog. Vorspannkraft auf. Grundsätzlich ist es sinnvoll, mindestens zwei Gurte zu verwenden. So wird die die Ladung an zwei verschiedenen Stellen auf die Ladefläche gepresst.

Ob die Ladung ausreichend durch Niederzurren gesichert ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Gewicht der Ladung
  • Anzahl der verwendeten Gurte
  • Summe der Vorspannkräfte, die mit den Ratschen aufgebaut wurde
  • Zurrwinkel α (sollte nicht unter 35° liegen)
  • Gleitreibbeiwert μ, also wie groß die Reibung zwischen dem Ladegut und der Pritsche

Varianten des Formschlusses:

Auch beim Formschluss werden Zurrmittel eingesetzt. Im Gegensatz zum Niederzurren benutzt man die Zurrgurte jedoch nicht, um die Reibung zu erhöhen. Vielmehr bindet man mit den Zurrgurten die Ladegüter fest. Dieses Verfahren bei der Ladungssicherung LKW nennt man daher Direktzurren.

Es gibt drei verschiedene Arten des Direktzurrens:

  1. Diagonalzurren
    Diagonalzurren heißt die Methode deswegen, weil die Zurrmittel in vier verschiedenen Richtungen diagonal zur Ladung verlaufen müssen. Man benötigt also vier Zurrmittel.
  2. Schrägzurren
    Ähnlich funktioniert das Schrägzurren. Allerdings werden dabei acht Zurrmittel im rechten Winkel zur Ladung gespannt, je zwei Zurrmittel pro Seite.
  3. Horizontalzurren
    Das Horizontalzurren wiederum ist eine Sonderform des Schrägzurrens: Dabei befestigt man vier Zurrgurte dort an der Ladung, wo sie auf der Pritsche aufliegt. Die Gurte verlaufen somit waagrecht, also horizontal.

Sonderform des Formschlusses: die Kopflasche
Weil in Fahrtrichtung die stärksten Kräfte wirken (80 % der Gewichtskraft der Ladung), ist es häufig notwendig, dort eine zusätzliche Sicherung durchzuführen. Möglich ist das mit einer sog. Kopflasche.

Festsetzen

Das Festsetzen ist ebenfalls eine Variante der formschlüssigen Ladungssicherung. Dabei geht es darum, Hohlräume zwischen der Ladung und den Lkw-Aufbauten zu schließen. Zum Einsatz kommen dabei verschiedenste Hilfsmittel:

  • Besen
    Schmutz wirkt wie ein Kugellager und lässt jedes Gut leichter verrutschen. Ein Besen gehört daher zur Grundausstattung für jede Form der Ladungssicherung.
  • Zurrgurte
    Moderne Zurrgurte bestehen aus widerstandsfähigen Kunstfasern. Mithilfe einer Ratsche ist es möglich, eine Vorspannkraft aufzubauen, die die Ladung auf die Ladefläche drückt. Zurrgurte müssen immer flach auf- bzw. anliegen und dürfen niemals geknotet werden.
  • Gurtwickler
    Damit lassen sich die Zurrgurte schnell und sauber wieder aufwickeln.
  • Zurrketten/Zurrdrahtseile
    Weil diese Zurrmittel weniger gut gleiten können als flache Gurte, ist es besonders wichtig, darauf zu achten, dass sie nicht durch scharfe Kanten der Ladung beschädigt werden..
  • Winkelmesser
    Hierbei handelt es sich um eine Art überdimensioniertes Geodreieck, wie wir es aus der Schule kennen. Notwendig ist ein Winkelmesser, um die Zurrwinkel zu bestimmen. Denn je nach Winkel, in dem die Gurte anliegen, ändern sich die Kräfteverhältnisse.
  • Zurrpunkte
    Diese gehören zu den festen Aufbauten jedes Lkw. In die einzelnen Zurrpunkte wurden die Gurte bzw. Ketten eingehakt. Die Anzahl und Belastbarkeit der Zurrpunkte ist genormt. An jedem Zurrpunkt auf der Ladefläche sollte stehen, mit welcher Kraft er maximal belastet werden darf.
  • Vorspannkraftmessgerät
    Die auf den Gurten vermerkten Normwerte geben an, welche Vorspannkraft sich erzielen lässt, wenn die Ratsche von einem „normalen“ Menschen kräftig angezogen wird. Das Gerät ermittelt die aber tatsächlich vom Gurt ausgeübte Vorspannkraft.
  • Kantenschoner bzw. Kantengleiter
    Diese werden zwischen Ladung und Zurrgurt gelegt. Das schützt zum einen die Ladung; zum anderen wird ermöglicht, dass der Gurt nur mit geringen Reibungsverlusten die Ladung umschließt.
  • Antirutschmatten
    Diese verstärken die Reibung zwischen dem Ladegut und der Ladefläche. Mit einer Antirutschmatte sind größere Kräfte notwendig, um die Ladung zum Rutschen zu bringen als ohne. Auf jeder Antirutschmatte muss der Gleitreibbeiwert μ angegeben sein. Diesen Wert braucht man, um die benötigte Vorspannkraft zu ermitteln. Eine Antirutschmatten sollte mindestens einen Gleitreibbeiwert von μ = 0,6 haben. Hochwertige Antirutschmatten erreichen Werte bis zu μ = 0,9.

Hilfsmittel für den Formschluss:

  • Zurrgurte, -ketten, -seile, -punkte (auch Gurtwickler, Winkelmesser, Besen)
    Diese Hilfsmittel benötigen Sie nicht nur zum Niederzurren, sondern auch für alle Varianten des Direktzurrens. Achten Sie dabei insbesondere darauf, dass für das Direktzurren der Wert LC, also die maximale Belastbarkeit vor dem Reißen, entscheidend ist und nicht die Vorspannkraft S(TF).
    Hinweis: LC ist immer größer als S(TF).
  • Rundschlingen und Stahlecken
    Sie erleichtern es, eine Kopflasche um die Ladung zu legen. Stahlecken lassen sich an den beiden vorderen Oberkanten der Ladung aufsetzen und bieten dem Gurt entsprechend Halt. Eine Rundschlinge umschließt die Kanten und wird links und rechts von je einem Gurt gehalten
  • Klemmbretter
    Sie werden auch Zwischenwandverbindungen genannt und häufig direkt hinter der Ladung angebracht und dann mit einem Hebelmechanismus durch Druck auf die Seitenwände befestigt.
  • Kanthölzer, Paletten, Keile
    Mit diesen Hilfsmitteln lassen sich beliebige Zwischenräume effektiv ausfüllen und somit der Formschluss herstellen.
  • Staupolster und Luftsäcke
    Hierbei müssen Sie auf die maximale Belastbarkeit achten, damit z.B. ein Luftsack nicht plötzlich platzt.

Üben Sie nicht nur gemeinsam mit Ihren Mitarbeitern den Umgang mit den Hilfsmitteln. Lassen Sie Fahrer und Verlader gezielt schulen: Diverse Weiterbildungseinrichtungen bieten Ausbildungen bzw. Schulungen zur Ladungssicherung gemäß VDI-Richtlinie 2700-1 an.

 

Autor: Joachim Boenisch