Fachbeitrag | Information 09.03.2015

Stromunfall: So leisten Sie erste Hilfe

Einen Augenblick nicht aufgepasst, und schon ist es passiert: ein Stromunfall. 2.577 solcher Unfälle wurden der BG ETEM im Jahr gemeldet, die meisten davon im Niederspannungsbereich. Worauf Sie achten müssen, wenn Sie bei einem Stromunfall erste Hilfe leisten, verrät Ihnen unser Fachbeitrag.

Was passiert bei einem Stromunfall?

Bei einem Stromunfall wird der Mensch in den Stromkreis einbezogen: Er wird durchströmt. Ab einer gewissen Stromstärke reagiert der Körper auf diese Durchströmung mit Muskelverkrampfungen. Dadurch kann sich der Verunfallte oft nicht mehr von der Stromleitung befreien, sondern „klammert“ sich daran fest. Auch Atmung und Herzrhythmus können durch diese Verkrampfungen gestört werden, sodass es zu Herzkammerflimmern kommen kann. Wie groß diese Gefahr bei einem Stromunfall ist, hängt unter anderem von der Berührungsspannung, dem Stromweg sowie von der Frequenz und der Dauer des Stromflusses ab. Auch die Feuchtigkeit der Haut, die Kleidung und anderen Faktoren spielen hier eine Rolle. Eine weitere häufige Folge von einem Stromunfall sind Verbrennungen. Zudem sind auch die Gefahren von Sekundärunfällen (zum Beispiel Absturz von einer Leiter nach einem Stromschlag) nicht zu unterschätzen

Bei Stromunfall: Auf die eigene Sicherheit achten!

Mehr noch als bei anderen Unfällen gilt bei einem Stromunfall: Achten Sie auf Ihre eigene Sicherheit! Sie dürfen keinesfalls selbst in den Stromkreis geraten. Fassen Sie den Verunfallten also nicht an, solange er noch mit der Stromquelle verbunden ist. Bei Hochspannungsunfällen müssen Sie außerdem einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern einhalten.

So schnell wie möglich den Strom unterbrechen!

Bei einem Stromunfall gilt es, den Verunfallten so schnell wie möglich von der Stromquelle zu trennen. Bei Niederspannung bis 1000 Volt, wie sie meist in Büro- und Gewerberäumen und Haushalten zu finden ist, können Sie den Strom selbst unterbrechen: indem Sie den Stecker ziehen, das Gerät oder die Anlage ausschalten oder die Sicherung betätigen.

Stromunfall in Hochspannungsanlagen

Bei einem Stromunfall in einer Hochspannungsanlage darf nur das Fachpersonal die Stromversorgung unterbrechen und den Verunfallten bergen. Deshalb sollten Sie zuerst einen Notruf absetzen und dann sofort das Fachpersonal herbeirufen. Halten Sie einen Sicherheitsabstand von mindestens fünf Metern zum Verunfallten und beginnen Sie erst mit der ersten Hilfe, wenn das Fachpersonal den Strom abgeschaltet und den Verunfallten aus der Gefahrenzone geborgen hat. Ebenso handeln Sie, wenn Sie nicht wissen, ob es sich um eine Nieder- oder eine Hochspannungsanlage handelt.

Notruf bei Stromunfall: Das ist wichtig

Für einen Notruf wählen Sie die Nummer 112 und teilen der Einsatzzentrale Folgendes mit:

  • Wo ist der Stromunfall passiert? Anschrift, Gebäudeteil, Etage, Raum …
  • Was ist passiert? Stromunfall durch elektrischen Schlag oder Lichtbogeneinwirkung, eingeklemmte Personen, besondere Gefahren, z.B. Feuer, Explosionsgefahr
  • Wie viele Verletzte gibt es?
  • Welche Art von Verletzungen? Verbrennungen, Atemstillstand, Bewusstlosigkeit, Herz-Kreislaufstillstand …
  • Warten Sie auf Rückfragen: In der Hektik kann es schon einmal passieren, dass Sie wichtige Informationen vergessen. Warten Sie daher ab, ob die Notrufzentrale Fragen an Sie hat, bevor Sie auflegen.

Erste Hilfe bei einem Stromunfall leisten

Die gefährlichsten Folgen eines Stromunfalls sind Atem- oder Herz-Kreislauf-Stillstand. Die schnellstmögliche Anwendung der Herz-Lungen-Wiederbelebung ist dann besonders wichtig. Hier wechseln sich Herzdruckmassage (30 Kompressionen) und Atemspende (zwei Beatmungen) ab. Laien dürfen auf die Beatmung allerdings verzichten und sollten sich ganz auf die Druckmassage konzentrieren. Wichtig sind hier Drucktiefe (mindestens 5 cm senkrecht zur Körperachse) und Frequenz (mindestens 100/Minute). Nach zwei Minuten wechseln die Helfer. Einen Verunfallten, bei dem kein Atem- oder Kreislaufstillstand vorliegt, bringen Sie in die stabile Seitenlage. Sprechen Sie ruhig mit ihm, erklären Sie ihm, was gerade passiert, und halten Sie Schaulustige von ihm fern.

Nach einem Stromunfall: Unbedingt ins Krankenhaus?

Auch bei Niederspannungsunfällen werden Verunfallte meist 24 Stunden zur Beobachtung ins Krankenhaus aufgenommen. Dies ist vor allem nötig, wenn der Verunfallte nach dem Stromschlag bewusstlos war. Auch wenn das EKG Auffälligkeiten zeigt oder der Verunfallte Symptome wie Atemnot, Herzbeschwerden oder Benommenheit zeigt, sollte er dringend überwacht werden. Gleiches gilt bei bestehenden Vorerkrankungen des Herzens oder einer Schwangerschaft. Natürlich gehören auch Verletzungen durch Sekundärunfälle oder Verbrennungen in ärztliche Behandlung.

Stromunfälle vermeiden durch Unterweisungen

Damit es gar nicht erst zu einem Stromunfall kommt, sollten Sie die jährlichen Sicherheitsunterweisungen sorgfältig durchführen. Achten Sie zudem auf die Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln. Deren Missachtung ist neben Verhaltensfehlern und Schäden an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln die häufigste Ursache für einen Stromunfall. Viele Stromunfälle sind also vermeidbar – passen Sie gut auf sich und Ihre Kollegen auf!

Bild: © Ankudi/iStock/Thinkstock (Herz)

Autor: Birgit Adam