Fachbeitrag | Information
10.04.2015

Die fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik

Elektrischen Strom können wir nicht hören, sehen oder riechen. Deshalb warnt uns auch nichts vor seinen Gefahren. Damit Elektrofachkräfte sicher an elektrischen Anlagen arbeiten können, gibt es die fünf Sicherheitsregeln. Sie stellen den spannungsfreien Zustand einer elektrischen Anlage her und schützen Elektrofachkräfte bei der Arbeit.

Elektrofachkraft vor einem Hochspannungsbereich© Huntstock/​Thinkstock

1. Sicherheitsregel: Freischalten

An erster Stelle steht immer das Freischalten der elektrischen Anlage, und zwar allseitig und allpolig. Dies ist nötig, da Spannung von mehreren Seiten an die Arbeitsstelle gelangen kann, zum Beispiel über Messleitungen oder Wechselschaltungen. Übernehmen Sie das Freischalten immer selbst, damit Sie die größtmögliche Sicherheit haben. Sollte das nicht möglich sein, so lassen Sie sich schriftlich oder mündlich bestätigen, dass die Anlage freigeschaltet wurde.

2. Sicherheitsregel: Gegen Wiedereinschalten sichern

Sichern Sie die Anlage unmittelbar nach dem Freischalten gegen das Wiedereinschalten. Den besten Schutz bietet hier ein Vorhängeschloss am Leitungsschutzschalter, das nur Sie wieder entsperren können. Weitere Methoden sind Klebefolien oder ein Verbotsschild. Bei einem Verbotsschild sollten Sie besonders darauf achten, dass es eindeutig dem Stromkreis zugeordnet ist und nicht herunterfallen kann. Setzen Sie zusätzlich immer noch auf eine weitere Schutzmaßnahme. Herausnehmbare Sicherungen nehmen Sie am besten mit und setzen stattdessen ein Sperrelement ein.

3. Sicherheitsregel: Spannungsfreiheit feststellen

Auch nach dem Freischalten und Sichern gegen Wiedereinschalten kann noch Spannung anstehen, zum Beispiel wenn eine Ersatzstromversorgung anspringt oder weil Sie eine Leitung verwechselt haben. Deshalb sollten Sie unbedingt die Spannungsfreiheit der Anlage feststellen. Dies darf nur von eine Elektrofachkraft oder einer elektrotechnisch unterwiesenen Person mit geeigneten Geräten durchgeführt werden. Verwenden Sie dazu immer zweipolige Spannungsprüfer, kontrollieren Sie die Spannungsprüfer vor der Verwendung und stellen Sie die Spannungsfreiheit allpolig, also an jedem Leiter, fest. Dass eine Leitung spannungsfrei ist, zeigt Ihnen der Spannungsprüfer über ein optisches oder akustisches Signal an. Beachten Sie auch Anwendungsbeschränkungen oder andere Hinweise in der Bedienungsanleitung oder auf dem Typenschild des Spannungsprüfers. Wenn ein Gerät nicht für die Verwendung im Freien zugelassen ist, ist es dort auch nicht sicher – und kann Sie in große Gefahr bringen

4. Sicherheitsregel: Erden und kurzschließen

Die vierte Sicherheitsregel „Erden und kurzschließen“ sollte immer in dieser Reihenfolge ausgeführt werden. Verbinden Sie die Anlage also zuerst mit der Erdungsanlage oder dem Erder, danach kommt dann das Kurzschließen. Bei Hochspannungsanlagen erfolgt das Erden und Kurzschließen an der Arbeitsstelle und an der Ausschaltstelle. Bei Niederspannungsanlagen mit einer Nennspannung bis 1.000 Volt ist das Erden und Kurzschließen nicht nötig, wenn Sie die Sicherheitsregeln 1 bis 3 eingehalten haben. Ausnahmen bilden Freileitungen: Hier muss das Erden und Kurzschließen erfolgen, und zwar an der Arbeitsstelle.

5. Sicherheitsregel: Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken

Auch wenn Sie die Sicherheitsregeln 1 bis 4 ausgeführt haben, besteht immer noch die Gefahr, dass Sie beim Arbeiten unter Spannung stehende Teile in der Nähe ihrer Arbeitsstelle berühren – entweder direkt oder mit einer Leiter, Werkzeugen o.Ä. Um sich davor zu schützen, müssen Sie diese Teile abdecken oder abschranken. Entscheiden Sie sich für eine Abdeckung, so müssen Sie sicherstellen, dass diese nicht verrutschen kann. Beim Schutz durch Abstand muss der Arbeitsbereich deutlich gekennzeichnet sein, zum Beispiel durch eine Absperrkette mit Warnhinweis. Schützen Sie zusätzlich auch Ihren Körper, zum Beispiel mit einem Helm mit Gesichtsschutz oder hochisolierten Handschuhen.

Bereits die Missachtung einer Sicherheitsregel kann zum Unfall führen!

Die fünf Sicherheitsregeln sollten Elektrofachkräften in Fleisch und Blut übergehen, denn sie können Leben retten. Bereits die Missachtung einer einzigen Sicherheitsregel kann zu einem Stromunfall führen, der tödlich ausgehen kann. Insgesamt sind Verstöße gegen die fünf Sicherheitsregeln für 45 % der Stromunfälle verantwortlich, wie die Berufsgenossenschaft BG ETEM herausfand. An erster Stelle steht dabei die fehlende Freischaltung (27,3 %). Danach folgen Verstöße gegen die Sicherheitsregeln „Spannungsfreiheit feststellen“ (8,1 %), „Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken“ (7,6 %), „gegen Wiedereinschalten sichern“ (2,1 %) und „Erden und kurzschließen“ (0,2 %).

 

Bild: © Huntstock/Thinkstock

Autor: Birgit Adam 

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