11.08.2020

EU verschärft Strafzölle auf Stahlerzeugnisse aus China

Nirosta – der Markenname ist Programm: NIchtROstender STAhl. Das Geheimnis: eine besondere Bearbeitung für das Metall. Chinesische Konkurrenten boten es zu Dumpingpreisen an. Zölle der EU umgingen sie mit beschichtetem Stahl. Doch darauf erhebt die EU nun auch Zölle.

Strafzölle

Umgehen von EU-Handelsschutzmaßnahmen verhindern

Die EU-Kommission geht schärfer gegen Dumpingerzeugnisse aus China vor. Am 5. August 2020 weitet sie laut einer Pressemitteilung Antidumpingzölle auf Einfuhren von chinesischem korrosionsbeständigem Stahl aus. Damit wolle man verhindern, dass bestehende EU-Handelsschutzmaßnahmen von chinesischen Exporteuren umgangen werden.

Sonderbehandlung für Stahl

Ursprünglich erhält man nichtrostenden Stahl mit Hilfe einer besonderen Bearbeitung des Metalls. Anfang des vorigen Jahrhunderts arbeiteten Forscher weltweit an der Entwicklung hochwertiger neuer Stahlsorten für die chemische Industrie. Sie sollten rostfrei und vor allem säurebeständig sein.

Die beiden Erfinder Eduard Maurer und Benno Strauß von der Stahlfirma Thyssen-Krupp in Krefeld meldeten 1912 das „Verfahren zur Herstellung eines nichtrostenden Stahls auf Basis einer Nickel-Chrom-Legierung“ zum Patent an – das spätere Nirosta. Sie entschieden damit, wie es in einer Mitteilung der Firma Fackelmann heißt, heutiger Inhaber der Rechte an der Marke „Nirosta“, „das Rennen für Deutschland“.

Weniger Kohlenstoff, dafür Hinzufügen von Chrom und Nickel

Maurer und Strauß senkten den Kohlenstoffanteil des Edelstahls auf unter ein Prozent. Sie kombinierten erstmals Chrom und Nickel als Legierungsstoffe und entwickelten ein Verfahren zur Wärmebehandlung, um die Festigkeit des Stahls zu verbessern und die Anfälligkeit für Korrosion – die gefürchteten Rostflecken – zu vermindern.

Damit begann der weltweite Siegeszug von nichtrostenden Stählen. Der Begriff Nirosta wurde im Laufe der Zeit zu einem Synonym für viele Edelstahl-Sorten. Rostfreier Edelstahl ist heute aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und vor allem bei Besteck und Schneide-Werkzeugen wie Messern der Hauptbestandteil.

Fazit: Hochwertiger Edelstahl sorgt für hochwertige Messer-Klingen. Hochwertige Küchenmesser sorgen wiederum für Zeitersparnis beim Kochen.

Siegeszug mit Schattenseite

Der weltweite Siegeszug hatte allerdings eine Schattenseite: Mitbewerber aus Übersee sannen auf Wege, die Herstellung so billig zu machen, dass sie die Stahlhersteller aus Deutschland preislich unterbieten konnten – und zwar so, dass der Preis nicht mehr die Herstellungskosten deckte, Dumpingpreise also.

Die EU-Kommission reagierte und erließ Schutzmaßnahmen für nichtrostenden Stahl. 2019 ließ die Kommission die Einhaltung der Schutzmaßnahmen unter die Lupe nehmen. Dabei stellte sich heraus, dass die Einfuhren von chinesischem korrosionsbeständigem Stahl, für den Antidumpingmaßnahmen gelten, fast ganz verschwunden waren. Dagegen stiegen die Einfuhren anderer korrosionsbeständiger Produkte auf bis zu 1 Million Tonnen oder 650 Millionen Euro pro Jahr. Nun wurde man neugierig. Die Kommission ließ dieses Handelsgefüge genauer untersuchen.

Grund für Umgehung von Maßnahmen gegen rostfreien Stahl

Eine eigene Anti-Umgehungsuntersuchung habe nun bestätigt, dass die Maßnahmen gegen rostfreien Stahl zu Dumpingpreisen der einzige Grund für diese Verschiebung waren. Die Anbieter aus Fernost beschichteten den Stahl, überzogen ihn bzw. behandelten die Oberfläche mit:

  • Magnesium,
  • einer Legierung mit Silizium,
  • zusätzlich mit Ölen,
  • versiegelten ihn oder
  • modifizierten geringfügig mit verändertem Gehalt an Kohlenstoff, Aluminium, Niob, Titan und Vanadium.

Um weitere Verkäufe von nur geringfügig modifizierten chinesischen Erzeugnissen zu Dumpingpreisen zu verhindern, weitet die Kommission deswegen ihre Antidumpingzölle auf solche korrosionsbeständige Stahlerzeugnisse aus.

EU-Rechtsrahmen für Handelsschutz

Die Maßnahme gilt für alle chinesischen Exporteure mit Ausnahme mit der EU kooperierender Unternehmen. Die Kommission nutzt den EU-Rechtsrahmen für Handelsschutz in vollem Umfang, um faire Bedingungen für die EU-Stahlproduzenten wiederherzustellen.

Die Schutzinstrumente sollen ein gesundes Wettbewerbsumfeld für die europäische Industrie wiederherstellen, wenn sie durch gedumpte oder subventionierte Einfuhren geschädigt wird. Die EU verfügt gegenwärtig über mehr als 50 Antidumping- und Antisubventionsmaßnahmen zur Verteidigung des Handels mit Eisen- und Stahlerzeugnissen.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)