02.03.2017

Automobilzulieferer Gestamp senkt Energieverbrauch drastisch

Blechbieger – so hießen Autobauer früher. Dabei biegt man manche Teile nicht, man stanzt sie. Nachteil: Das Stanzen verschlingt Unmengen an Energie. Gestamp in Bilbao, Zulieferer aller großen Autobauer, hat Mittel gefunden, diesen Energieverbrauch erheblich zu senken. Siemens hat geholfen.

Hohen Energieverbrauch bei Gestamp senken

Energieverbrauch bei Gestamp: Siemens-Lösung ermöglicht Senkung um 15 Prozent

„Gestamp“ ist Baskisch und heißt so viel wie „Stanzen“. Der multinationale Autoteilehersteller Gestamp im nordspanischen Bilbao ist eines der größten Stanzunternehmen. Ähnlich dem Ruhrgebiet war die Gegend dort früher eine Bergbau- und Stahlkochergegend, jetzt aber eine Metropolregion der digitalen Transformation. Die 14 Werke von Gestamp beliefern so gut wie alle großen Autobauer weltweit mit vorgestanzten Autoteilen.

Gestamp ist in 20 Ländern vertreten. Es verfügt über 97 bestehende und neun im Bau befindliche industrielle Anlagen sowie zwölf F&E-Zentren. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 34.000 Mitarbeiter. 2015 erreichte es einen Umsatz von 7,035 Mrd. Euro.

Großer Einsatz von Hitze und Energie

Das Stanzen erfolgt unter großem Einsatz von Hitze und Energie. Um den hohen Energieverbrauch zu senken, hat Siemens eine cloud-basierte Plattform für effizientes Energiemanagement entwickelt. Damit konnte Gestamp den Energieverbrauch in 14 seiner Werke deutlich verringern.

Die Plattform nutzt Big Data zur Optimierung des Energieverbrauchs. Den Angaben zufolge erzielt Gestamp damit eine Verringerung des Energieverbrauchs um etwa 15 Prozent.

Siemens-Plattform für Energiemanagement

Das spanische Unternehmen ist spezialisiert auf Konstruktion, Entwicklung und Herstellung von Metall-Automobilteilen. Der Energieverbrauch der gesamten Branche nimmt ständig zu.

Die Siemens-Plattform für effizientes Energiemanagement wurde in den Gestamp-Fertigungsanlagen in Spanien, Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Polen eingeführt.

Es ist geplant, das Projekt bis Ende 2017 auf 30 Anlagen zu erweitern, darunter auch Werke in China und den USA. Und so funktioniert es.

Überwachung des Energiebedarfs

Dank der Siemens-Plattform überwacht Gestamp den Energiebedarf in seinen Werken. Die Infrastruktur ist an eine Cloud-Lösung angebunden. Damit lässt sich der Elektrizitäts- und Gasverbrauch in Echtzeit beurteilen. Anhand der Verbrauchsmuster legt die Anwendung Algorithmen fest. Diese erkennen die für den Energieverbrauch relevanten Fehlfunktionen der Ausrüstung und erzeugen Warnungen.

Die Energieverbrauchsdaten können mit Datenanalyseverfahren verarbeitet werden. So kann man die vorausschauende Wartung planen, die Produktionsprozesse verwalten oder den Energieverbrauch auf der Grundlage zukünftiger Produktionsanforderungen prognostizieren.

Senkung der CO2-Emissionen um 15 Prozent

Das Verhalten der Ausrüstung kann man so modellieren, dass sie so effizient und koordiniert wie möglich arbeitet. Die Ausrüstung ermöglicht durch den verminderten Energieverbrauch eine Senkung der CO2-Emissionen um 15 Prozent.

Die Energieeffizienz-Plattform von Siemens wird vom Smart Grids Control Center des Unternehmens in der spanischen Stadt Sevilla aus verwaltet.

Rationalisierung des Energieverbrauchs der Anlage

Infolge der Datenanalyse und der von der Plattform angebotenen Lösungen wird der Energieverbrauch der Anlage rationalisiert. Daher konnte Gestamp in den vergangenen zwölf Monaten fast 45 GWh Energie einsparen.

Die Investitionen sollen sich so in weniger als drei Jahren amortisieren.

Das differenzielle System kann Informationen mit hoher Auflösung erfassen und verarbeiten. Es ist in der Lage, Energieverbrauchsdaten mit anderen Variablen, zum Beispiel der Produktion, in Beziehung zu setzen.

Verständnis vom Betrieb der Ausrüstung

Diese Informationen extrapoliert man im Anschluss. Daraus lässt sich ein detailliertes Verständnis vom Betrieb der Ausrüstung gewinnen, was wiederum wichtige Voraussetzung für bestandskräftige Entscheidungen bildet.

Neben der Datenerfassung und -verarbeitung hilft das System mit Algorithmen, Verhaltensmuster zu identifizieren, ineffiziente Faktoren beim Energieeinsatz zu erkennen und automatisch zu beheben.

Siemens und Gestamp arbeiten gemeinsam auf das Ziel „Smart Facilities“ hin. Damit sollen die Anlagen für Industrie 4.0 fit gemacht werden. Das Projekt „Energy Efficiency“ ist eine der Säulen, auf die sich die Partnerschaft zwischen Siemens und Gestamp stützt.

Autor: Franz Höllriegel