Fachbeitrag | Information
17.04.2015

Vorne gerührt, brennt hinten nicht an

So lautet bei uns ein gängiges Sprichwort, das in etwa bedeutet: Was man frühzeitig klärt, sorgt später nicht für Probleme. Gerade bei schwelenden Konflikten kann eine rechtzeitige Erkennung eine später nur noch schwer einzufangende Eskalation verhindern. Wie erkenne ich jedoch, dass ein Konflikt im Anmarsch ist?

Konflikt© Fuse /​ Thinkstock

Wegsehen ist der schlimmste Konfliktlösungsversuch

Überall, wo Menschen miteinander arbeiten, leben oder einfach nur Zeit verbringen, entstehen Konflikte. Angst vor Konflikten ist daher der völlig falsche Ratgeber, denn sie kommen so oder so. Und sie sind manchmal sogar durchaus hilfreich. Also sollten wir vor Konflikten keine Angst haben, sondern lieber daran arbeiten, sie so früh wie möglich zu erkennen. Schnell wird aus einer kleinen Unstimmigkeit ein mittelgroßer Ärger, dann ein offener Konflikt und am Ende ein kaum noch zu bändigender Flächenbrand. Um diese zugegebenermaßen etwas überspitzt dargestellte Eskalationskette zu verhindern, ist es am sinnvollsten, dort anzusetzen, wo der Konflikt gerade erst am Entstehen ist. Je früher man ihn löst, desto einfacher ist es.

Woran erkenne ich aufkeimende Konflikte?

Es gibt typische Symptome, anhand derer man einen aufkeimenden Konflikt gut erkennen kann: übertriebene Formalität, Zurückziehen (Flucht), Desinteresse (Gleichgültigkeit), Dienst nach Vorschrift, Sturheit, Verwendung von Totschlagsargumenten, offene Feindseligkeit, … All diese Symptome können Anzeichen eines aufkeimenden Konflikts sein. Es kann sich allerdings auch um ein Signal für private Schwierigkeiten eines Mitarbeiters handeln oder einfach nur schlechte Laune, was ja durchaus auch mal vorkommen kann. Hält das Symptom jedoch über einen längeren Zeitraum an, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um einen Konflikt im Anfangsstadium handelt.

Der Konflikt ist erkannt, was soll ich tun?

Konflikte sind nicht per se eine gefährliche Bedrohung für eine Organisation. Es ist daher nicht Ihre Aufgabe, bei jedem erkannten aufkeimenden Konflikt sofort zu reagieren und zu versuchen, ihn zu befrieden, zu vermitteln, zu moderieren. Vergessen Sie bitte nicht, dass Reibung durchaus Energie freisetzen kann. Harmoniesucht führt zu geistiger Trägheit. Kontroverse Diskussionen, ja mitunter auch Konflikte sorgen für unangenehme Gefühle und Reibungen. Das ist nicht immer schön. Aber nicht selten sind sie der Nährboden für gute Ideen, neue Lösungen und erfolgreiches Wirken! Haben Sie den Mut, Konflikte durchaus zuzulassen! Wichtig ist es jedoch, zu wissen, wo ein Konflikt im Anmarsch ist. Dann können und sollten Sie entscheiden, ob Sie intervenieren wollen oder nicht. Wenn Sie sich für die Verhinderung des Konflikts bzw. einer Eskalation entscheiden, dann sollten Sie das ganz am Anfang machen. Je kleiner der Konflikt ist, desto leichter lässt er sich anpacken und lösen. Warten Sie nur dann mit einem Eingreifen, wenn Sie sich bewusst dafür entscheiden. Wenn Sie sich für ein Eingreifen entscheiden, dann lassen Sie aber keine Ausreden gelten. Es macht sicherlich keinen Spaß, so ein Thema anzupacken, aber glauben Sie mir: Einen eskalierten Konflikt einzufangen, macht noch weniger Spaß!

Autor: Rouven Kötter 

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