Städtische Auszeichnung mit politischem Signal
Ein deutliches politisches Signal setzt die Landeshauptstadt Wiesbaden mit dem Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage. Die Auszeichnung ging 2025 an die russische Historikerin und Publizistin Dr. Irina Scherbakowa sowie die russische Menschenrechtsaktivistin Julia Nawalnaja. Den Preis für Bürgermut erhielten Johann Zernickel und Andrej Belosludov.
Zuletzt aktualisiert am: 20. März 2026

Mit Irina Scherbakowa ehrt die Stadt das Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial. Ausgezeichnet wird die Historikerin für ihre langjährige Aufarbeitung und Aufklärung der Verbrechen der sowjetischen Gewaltherrschaft. Sie gilt als Sprachrohr der Freiheitsbewegung in Russland und setzt sich für ein demokratisches Russland und eine Aussöhnung ein. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat Scherbakowa ihr Heimatland verlassen. Seit Juli 2022 lebt sie im deutschen Exil.
Zudem erhält die russische Menschenrechtsaktivistin Julia Nawalnaja den Ludwig-Beck-Preis der Stadt Wiesbaden. Nawalnaja wurde für die jahrelange Unterstützung ihres Mannes, des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, bis zu dessen Tod geehrt. Sie tritt für die elementaren Werte der UN-Menschenrechtscharta – unter Gefährdung ihrer Freiheit und ihres Lebens – ein. Auf diese Weise führt sie den politischen Kampf ihres Mannes fort und engagiert sich für Freiheit, Demokratie und Frieden.
Wiesbaden versteht sich als Stadt der Verantwortung, der Erinnerung und der Haltung. Die diesjährigen Preisträgerinnen verkörpern dieses Vermächtnis in besonderer Weise. Beide stehen für den Mut, sich öffentlicher Repression nicht zu beugen. Mit dem Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage ehrt die Stadt mit ihrem Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende Menschen, Institutionen oder Vereinigungen aus aller Welt, die sich mit besonderer Zivilcourage für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben, die soziale Gerechtigkeit und die Grundprinzipien der Demokratie und des Rechtsstaats eingesetzt haben. Die Auszeichnung ist mit 10.000 Euro dotiert.
Der mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut ging 2025 an Johann Zernickel und Andrej Belosludov. Mit diesem Preis werden seit 2011 Personen, Vereinigungen und Institutionen aus Wiesbaden geehrt, die sich in besonderer Weise für andere Menschen eingesetzt haben. Johann Zernickel und Andrej Belosludov wurden vom damaligen Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek, vorgeschlagen. Im April 2024 retteten Zernickel und Belosludov eine Nachbarin vor einem Messerangriff. Zernickel zog den Angreifer von der Nachbarin weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte währenddessen das Messer, das der Angreifer fallengelassen hatte, und leistete Erste Hilfe. Die schwerverletzte Nachbarin wurde nach dem Eintreffen von Polizei und Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht und dort erfolgreich operiert.