Fachbeitrag | Information
29.10.2015

Medien- und TV-Auftritte: Warum Kandidaten ein professionelles Training benötigen

Alles ist easy: Till Schweiger, George Clooney und Brad Pitt – drei bekannte Schauspieler, die etwas mit uns gemeinsam haben – doch was genau? Sie alle sind nicht Schauspieler geworden, indem sie niemals geprobt haben. Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und Oliver Kahn – drei bekannte Fußballspieler, die etwas mit uns gemeinsam haben – doch was genau? Ganz einfach: Die drei sind nicht Fußballspieler geworden, indem sie niemals trainiert haben. Weswegen also können Politiker der Ansicht sein, den „Kampf um Aufmerksamkeit“ in den Medien gewinnen zu können – ohne regelmäßig ein professionelles Medien- oder Auftrittscoaching zu absolvieren?

Frau vor Mikrofon© ViktorCap /​ iStock /​ Thinkstock

Nun ja, genau das können wir uns eben nicht erlauben. Denn ein Auftritt im Medium Fernsehen ist ein zweischneidiges Schwert: Wir können unser Image verbessern – und wir können unser Image verschlechtern. Neben der Möglichkeit, unseren Bekanntheits- und Prominenzfaktor zu steigern, können wir unserem Image massiv schaden. Ein schlecht geführtes – sogar peinliches – Interview, das wir vor längerer Zeit gegeben haben, wird – dank der Existenz des Internets und der sozialen Medien – auf ewig weiterleben und über virale Kanäle für immer weitergepostet werden. Ein schlechtes Zitat von vor zehn Jahren kann vom politischen Gegner herausgekramt und jederzeit gegen uns verwendet werden.

Wir leben zugleich in einer sich ständig schneller verändernden Welt. Ebenso ist der Journalismus fundamentalen Veränderungen unterworfen. Medientrainings geben den Kandidaten genügend Sicherheit und effektive Werkzeuge in die Hand, um der Medienwelt auf solider Grundlage zu begegnen. Das Gute daran: Ein Medientraining dauert meist nur einen Tag. Es bietet uns die Möglichkeit, unter der Begleitung professioneller und jahrelang erfahrener Berater zu trainieren. Diesen einen Tag müssen wir uns nehmen, um ein Leben lang zu profitieren – und bewusst die uns gegebenen Techniken, Tipps und Tricks zu praktizieren.

Ein Trainingstag startet im Idealfall mit dem Verständnis, wie Medien funktionieren: Was ist Information, wie wirkt Unterhaltung, was wollen Reporter hören – und was wird sich wie auf unser Image bei den Zuschauern auswirken? Gleichzeitig ist ein gutes Medientraining personalisiert: Das Training geht auf die individuelle Situation des Kandidaten ein – insbesondere darauf, was die Kandidaten sagen wollen und wie sie die Botschaft kommunizieren müssen. Reporter und Journalisten versuchen möglicherweise, uns von unseren Intentionen abzubringen und die Worte in einen anderen Zusammenhang zu stellen. Ein gutes Training zeigt uns Wege und Techniken, die Fragen effektiv aufzugreifen und zu unserer Botschaft zurückzufinden. Es geht darum, herauszufinden, wie wir souverän mit Anschuldigungen und mit Konfrontation durch unerwartete Informationen umgehen können. Was sind die wichtigsten Strategien, und wie funktionieren sie?

Gleichzeitig verfolgen wir mit unserem Auftritt in Fernsehsendungen bestimmte Zwecke – im Idealfall möchten wir eine zentrale Botschaft vermitteln. Dabei es ist wichtig, unser Image durch einen Auftritt zumindest nicht zu verschlechtern – und im Idealfall zu verbessern. Uns muss zu jedem Zeitpunkt bewusst sein, dass ein Auftritt negative wie auch positive Wirkungen haben kann.

Der Auftritt im Fernsehen ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen – zumindest um Wahlen zu gewinnen. Dazu gehört eine professionelle Vorbereitung durch geschulte Wahlkampfprofis. Das Medientraining ist eine der zentralen Handwerkszeuge, die wir benötigen, um für ein Amt zu kandidieren – ganz gleich, auf welcher politischen Ebene: ob als Kandidat für den Bundestag oder Landtag oder als Bürgermeister für eine kleine Kommune, wir alle benötigen eine gute Vorbereitung und ein professionelles Auftreten, um auf der Bühne zu überzeugen.
Sicherlich gibt es spezielle Politikertypen, die über genug Charme und Charisma verfügen, um auf jeder Bühne zu glänzen. Doch jede Kandidatur um ein Amt erfordert die Kenntnis darüber, wie die Kamera tickt – und ein Bewusstsein dafür, wie wir mit unserem Auftritt auf die Rezipienten hinter den Kameras wirken. Und selbstverständlich regelmäßige Vorbereitung – wie bei Fußballspielern und Schauspielern auch.

Denn als Kandidaten haben wir Einfluss auf unsere Wahrnehmung. Wir können bestimmen, wie wir wirken. Beispielsweise erzielen wir bereits unterschiedliche Wahrnehmungseffekte durch den effektiven Einsatz unserer menschlichen Stimme: Denn die Stimme transportiert die Information zur Zielgruppe. Daher gilt es dieses Instrument zu beherrschen. Sprachliche Präzision, klare Artikulation, Betonungssicherheit und die Fähigkeit, einem Text und seinem Inhalt gerecht zu werden, zeichnen einen professionellen Auftritt aus. Das gilt für die Arbeit mit fertigen Redebausteinen genauso wie für die freie Rede.

Diese und weitere Erkenntnisse für einen gelungenen Auftritt sind in meinen empirischen Untersuchungen zur Wirkung von Politikerauftritten und ihrem Einfluss auf das Politikerimage zu finden. Ein wichtiger Fazit davon: Professionelle Schulung und Vorbereitung sind entscheidend. Erfahrung, Routine und Training für das Auftreten in solchen Sendungen sind zu empfehlen. Genau wie Sportler regelmäßiges Training brauchen und Schauspieler vor ihren Aufnahmen proben müssen, sollten wir als Kandidaten solche Sendungen nicht zum Üben nehmen und uns vor unseren Auftritten professionell trainieren lassen.

Autor: Dr. Reza M. Kazemi 

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