Fachbeitrag | Information 27.04.2016

Grundlegende Basiselemente, bevor wir den Wahlkampf einleiten

Grundvoraussetzung für einen hochprofessionellen Wahlkampf ist die Existenz einer Kernbotschaft. Liegt die Botschaft der Kampagne bereits vor, wird – basierend auf dieser Botschaft – die Kampagne aufgebaut (und z.B. ein Kommunikationsplan entwickelt). Um den Start eines Wahlkampfs einzuleiten, sind einige grundlegende Kampagnenelemente – die sogenannten „Basics“ – zu erarbeiten. Diese sind im Folgenden aufgeführt:.

Wahlrecht
  • Professionelle Beratung durch erfahrene Spin-Doktoren: Der Kandidat und das Team führen – im Idealfall ca. 1,5 bis 2 Jahre vor der Wahl – erste Gespräche mit erfahrenen Wahlkampfberatern, um den Grundstein für eine erfolgreiche Kampagne zu legen. Ziel dieser Gespräche ist es, individuell erarbeitete und auf den Kandidaten zugeschnittene Lösungen auszuarbeiten und in die danach anstehende Kampagne einzubinden.
  • Leicht zu merkendes Logo: Die Kampagne muss über ein einfaches Logo verfügen, das auf allen Kampagnenmaterialien abgebildet werden kann. Damit sollten Kandidaten und Teams nicht zu viel Zeit verlieren – das Logo muss zwar professionell gestaltet und visuell ansprechend sein, jedoch sollte es gleichzeitig günstig und schnell zu entwerfen sein, damit es letztendlich einfach einzusetzen und für die Unterstützer (z.B. bei Unterstützung über die sozialen Medien) zu kopieren ist.
  • Frühzeitig festgelegte Farbe für die Kampagne: Die Kampagne sollte sich (relativ frühzeitig) auf eine Farbe für die Kommunikationskampagne festlegen. Diese Farben sollten im Logo, auf der Website und auf allen Kampagnenmaterialien verwendet werden.
  • Einheitliche Designs: Die Kampagne sollte über ein einheitliches Design auf sämtlichen Werbematerialien verfügen, auf dem beispielsweise auch das Logo zu sehen ist. Dieses einheitliche Design sollte beispielsweise für Briefköpfe, Presseveröffentlichungen, Flyer, Plakate und sonstige Kommunikationsmedien verwendet werden können. Das Design sollte zwar günstig zu entwerfen sein – gleichzeitig sollte es aber professionell gestaltet sein.
  • Informationsreiche und innovative Internetpräsenz: Die Kampagne sollte bereits mit den ersten Auftritten des Kandidaten in der Öffentlichkeit über eine Website verfügen. Es ist wichtig, dass diese bereits online ist. Bei guter Pflege kann sie als Quelle für die weitere Arbeit genutzt werden. Das Team der Kampagne sollte die Website regelmäßig überarbeiten und – sofern eine alte Website genutzt und nur überarbeitet wird – diese als Kampagnenplattform neu aufrollen. Die Überarbeitungen sollten folgende Elemente enthalten: Grammatik und Rechtschreibung überprüfen (oftmals fehlerhaft – sogar auf regionaler Ebene), das Kampagnenlogo einarbeiten und das Farbschema anpassen sowie die Navigation einarbeiten. Auch wenn wir uns im deutschsprachigen Raum damit schwertun, möglicherweise erscheint es dennoch sinnvoll, die Möglichkeit des Spendens einzubinden. Vor allem jedoch ist es modern und innovativ, wenn in der Kampagnenwebsite soziale Medien eingebunden werden können. Dies hat den Vorteil, dass alle entsprechenden Posts – wie z.B. auf Facebook und Twitter – live und automatisch auch auf der Website erscheinen.
  • Vielfältige und getestete Fotos: Der Kandidat sollte (insb. auf kommunaler Ebene) einen professionellen Fotografen oder einen guten Freund, der wirklich (!) mit Kameraausrüstung professionell umgehen kann, beauftragen, um Fotos zu machen. Diese Fotos sind entscheidend für die Außenwirkung des Kandidaten. Die geschossenen Bilder sollen später für die Internetseite und für sämtliches Werbematerial verwendbar sein. Hobbyfotografen sind eher keine Hilfe – auch nicht, wenn die Bilder dem Ehegatten oder Partner der Kandidaten gefallen. Selbst Bilder von professionellen Fotografen können den Wählern falsche Eindrücke vermitteln.

Wichtig ist es, die Bilder auf ihre Wirkung bei Zielgruppen zu untersuchen. Bei größeren Kampagnen und bei geplanten Großauflagen von Plakaten oder Flyern lohnt es sich auf jeden Fall, wenn das entsprechende Fotomaterial z.B. in einem Labor zur Untersuchung der Wirkung von politischer Kommunikation (vgl. für weitere Informationen: www.campaigns-and-technology.com) auf die Wahrnehmung bei Wählern getestet wird. Für Kampagnen mit kleinerem Budget können Untersuchungen von Plakaten je nach Ziel und Anforderung (z.B. durch Fokusgruppen in Kombination mit Eye-Tracking-Analysen) ebenso leicht realisierbar sein. Untersuchungen lohnen sich dabei meist vor oder während der Entwurfsphase bei der Erstellung des Werbematerials (da hier noch Spielraum für Veränderungen besteht).

Darüber hinaus sollten die einzusetzenden Fotos den Kandidaten in möglichst unterschiedlichen Situationen abbilden. Als Vorschlag können sich Kandidaten auf der kommunalen Ebene beispielsweise anhand folgender Kategorien orientieren:

  • Bilder (nur) vom Kandidaten
  • der Kandidat am Schreibtisch bzw. am Arbeitsplatz
  • der Kandidat an einem lokal wichtigen Ort
  • der Kandidat bei einem Meeting/im Gespräch mit anderen Personen
  • der Kandidat möglicherweise im Gespräch mit bekannten Bürgern aus der Region – oder aber auch mit bestimmten Zielgruppen (ältere Mitmenschen, jüngere Mitmenschen, …)
  • Vorbereitete Vorstellungsrede: Der Kandidat sollte in der Lage sein – jederzeit und an jedem Ort –, eine kurze, anhand der Botschaft orientierte Vorstellungsrede von maximal 5 bis 10 Minuten Dauer zu präsentieren. Auf Foren, Kongressen, Vereinstreffen und sonstigen gesellschaftlichen Veranstaltungen kann er diese Rede dann je nach Situation flexibel einbringen.
Autor: Dr. Reza M. Kazemi (Dr. Reza M. Kazemi ist int. Wahlkampfberater und Inhaber der Agentur Campaigns&Technology.)