21.12.2015

Auf ein Neues!

Wenn das Jahr sich seinem Ende entgegenneigt, ist das traditionell die Zeit für eine Rückschau – aber auch für den Blick nach vorn: Was bringt 2016? Welche Gedanken wollen Sie den Menschen mit auf den Weg geben, an die Sie in diesen Tagen das Wort richten? So setzen Sie als Bürgermeister persönliche Botschaften zum Jahreswechsel.

2016

Und wie halten Sie es in diesem Jahr mit Ihren Neujahrsgrüßen? Wünschen Sie wie immer „Glück und Gesundheit“, ein „erfolgreiches neues Jahr“ oder etwa den berühmt-berüchtigten „guten Rutsch“? Gähn. Keine Floskel scheint zu abgedroschen, um nicht alljährlich wieder aus der Mottenkiste geholt zu werden. Gerade in offiziellen Zusammenhängen herrscht oft sprachliche Einfalt. Sicher, Sie können nicht viel falsch machen mit diesen Formulierungen. Die Empfänger Ihrer Grüße werden Sie damit aber gewiss nicht nachhaltig beeindrucken. Geht es also vielleicht diesmal doch ein wenig origineller?

Empathie für Ihr Gegenüber

Sie sollen keine Wortakrobatik betreiben oder sich in poetischen Verrenkungen ergehen, um Ihren guten Wünschen eine individuelle Note zu geben. Ein wenig Kreativität und Einfühlungsvermögen müssen Sie allerdings schon investieren, damit Ihnen Sätze gelingen, die Ihr Gegenüber berühren und die nicht gleich wieder im Nirwana der Beliebigkeiten verschwinden. Wie das geht? Ganz einfach: Versetzen Sie sich für einen Moment in die Person hinein, an die Sie Ihre Gedanken richten: Was ist ihr wichtig? Was wird sie im kommenden Jahr besonders bewegen? Welche Erlebnisse und Pläne verbinden Sie beide?

Individuell statt populär

Sie werden schnell merken: Je genauer Sie Ihre Grüße auf den einzelnen Menschen ausrichten, desto persönlichere Worte fließen automatisch aus Ihrer Feder. Indem Sie über konkrete Vorhaben, Ziele oder auch Sorgen schreiben, bekommt Ihr Text gleich viel mehr Charakter. Der Empfänger spürt sofort, Sie haben sich mit ihm als Individuum beschäftigt – das allein wertet schon Ihren Neujahrsgruß auf. Vermeiden Sie möglichst allzu formelhafte und populäre Worthülsen. Suchen Sie stattdessen nach anderen, etwas ungewöhnlicheren Umschreibungen. Unser wunderbar reichhaltiger Wortschatz hält für diesen Zweck jede Menge Synonyme bereit. Der gerade in Grußadressen zum neuen Jahr so oft zitierte „Erfolg“ zum Beispiel lässt sich auch mit „Erfüllung im Beruf“ oder einer „persönlichen Weiterentwicklung“ umschreiben. Und das allseits übliche „glückliche“ neue Jahr kann vielleicht zur Abwechslung auch einmal zu einem „heiteren“, „freudvollen“ oder „sorgenfreien“ 2016 werden. Vertrauen Sie auf die Kraft und Vielfalt unserer Sprache. So gewinnen Ihre Neujahrsbotschaften an Format – und Sie die Sympathien der Menschen, für die Sie sich in Ihrem Amt engagieren.

Autor: Nicola Karnick (Nicola Karnick ist Redenschreiberin und Autorin von "Praktische Redenbausteine für Bürgermeister".)