07.04.2016

Alle Jahre wieder: Auf neue Konstellationen und Personen einstellen

In Hessen ist sie gerade erst wenige Tage her: die Kommunalwahl. Die Kreistage, Gemeindeparlamente und Ortsbeiräte haben sich neu zusammengesetzt. Die Kommunalwahl bedeutet in Ihrer Arbeit als Bürgermeister immer eine einschneidende Zensur: Wie sieht die Mehrheit in meinem Gemeindevorstand nun aus? Wie die Mehrheit in der Gemeindevertretung? Welche Personen sind die Mehrheits- und Meinungsführer? Fragen, die – je nach Ausgang der Wahl – eine besondere Rolle für Sie als Bürgermeister spielen. Insbesondere dann, wenn jahrelange Kommunikations- und Entscheidungsprozesse nicht mehr so laufen können, weil sich Personen und Mehrheiten verändert haben. Gerade für junge Bürgermeister, deren erste Kommunalwahl bevorsteht, ist es daher besser, vorbereitet zu sein.

Organisierendes Team

Be Prepared – mit klaren Analysen Köpfe und Inhalte strukturieren

Da einem Bürgermeister Personen und Mehrheiten das Leben oftmals schwer machen können, ist es daher von Vorteil, alle handelnden politischen Akteure bereits vor der Wahl, spätestens ab der Listenaufstellung der jeweiligen Parteien genau zu analysieren. Nutzen Sie die aus der Psychologie und dem Management bekannten Instrumente wie Persönlichkeitstest (u.a. Big Five) oder Stärken-Schwächen-Analysen (u.a. SWOT-Analyse). Anhand dieser Tools können Sie leichter ein strukturiertes Bild aller lokalpolitischen Akteure in der für Sie relevanten Umgebung ableiten. Darauf können Sie dann aufbauen. Sie wissen schon einmal, mit wem Sie es zu tun haben (könnten).

Aber nicht nur Personen, auch Inhalte der Parteien sollten strukturiert analysiert werden. Denn häufig sind es die Forderungen aus den Wahlprogrammen, die sich als Anträge oder Positionen in der Gemeindevertretung und dem Gemeindevorstand wiederfinden. Auch hier empfiehlt es sich: Seien Sie vorbereitet. Je intensiver Sie sich damit auseinandergesetzt haben, umso einfacher fällt der Umgang damit. Und Sie können schnell aus Sicht des Bürgermeisters eine fundierte Antwort hinsichtlich der Realisierung von Inhalten liefern. Dies können Sie oft mit den gleichen Tools oder auch schon anhand einfacher Kriterienlisten durchführen.

Wissen ist Macht – nutzen Sie es!

Zwar sind die Mehrheitsfindung und der Aufbau möglicher Koalitionen natürlich den lokalen Parteien vorbehalten, aber eine frühzeitige Kommunikation mit allen gewählten Kandidatinnen und Kandidaten hilft beim Aufbau einer konstruktiven Atmosphäre. Diese erleichtert es nach der Konstituierung von Fraktionen, schnell wieder in die tagespolitische Arbeit zurückzukommen. Gleiches gilt für die Inhalte der neuen Mehrheitsfraktionen: Durch vorherige Auseinandersetzung mit Zielen und Wünschen ist es ein Leichtes, zuverlässige Antworten und Lösungen präsentieren zu können. Das verschafft Ihnen einen Zeitvorteil, andererseits signalisiert es aber auch konstruktives Zusammenarbeiten mit den neuen Mehrheiten. Und das wiederum kann Ihnen Vertrauen und Kompetenz für eine verlässliche Zusammenarbeit der handelnden Akteure bereits direkt nach den Kommunalwahlen vermitteln. Das spart Ihnen Zeit, damit Ihre und die Arbeit Ihrer Verwaltung nicht allzu sehr unter neuen politischen Konstellationen zu leiden haben.

Und vergessen Sie eines nicht: Auch Ihre kommunalen Gremien mussten sich irgendwann mal an Sie als neue Bürgermeisterin oder neuen Bürgermeister gewöhnen. Und manchmal bringt eine Kommunalwahl auch keine allzu große Veränderung mit sich. Sollte es doch dazu kommen, nutzen Sie die Chance der Zusammenarbeit in Ihrem Sinne.

Autor*in: Johannes Hanisch (Johannes Hanisch ist kommunalpolitisch in Weilburg und Limburg-Weilburg aktiv.)