Fachbeitrag | Information
31.05.2016

Ab in die Röhre, Bürgermeister!

Unter den sozialen Medien gilt YouTube als besonders populär. Die Plattform ist nicht nur bei jungen Leuten und Politikern beliebt, auch immer mehr Journalisten nutzen sie als Recherchequelle. Einige experimentierfreudige Gemeindechefs haben den Trend erkannt und bespielen den Videokanal bereits routiniert.

Cloud mit Social Media© rafal_olechowski /​ iStock /​ Thinkstock

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tut es, Nordrhein-Westfalens Regierungschefin Hannelore Kraft (SPD) auch, genauso wie der Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold. Etliche Spitzenpolitiker haben YouTube als Kommunikationsmedium für sich entdeckt und verbreiten sich dort regelmäßig. Spätestens seit die Bundesregierung vor fünf Jahren mit einem eigenen Informationskanal an den Start ging, hat die Videobotschaft als Mittel im politischen Diskurs ihren Siegeszug angetreten.

Beliebter als Facebook

Kein Wunder, denn die Plattform zählt zu den populärsten Internetangeboten überhaupt. Weltweit nutzen eine Milliarde Menschen das Videoportal, darunter knapp 35 Millionen Bundesbürger. In Deutschland steht YouTube laut einer aktuellen Studie der Kommunikationsberatung Faktenkontor inzwischen auf Platz eins der privat am häufigsten besuchten sozialen Medien – und hat damit sogar Facebook vom Thron gestoßen. 88 Prozent der Social-Media-User schauen bei YouTube regelmäßig in die virtuelle „Röhre“.

Verbreitetes Recherchetool

Aber nicht nur Privatleute machen sich bei YouTube schlau oder lassen sich unterhalten. Auch immer mehr Journalisten greifen auf die hochgeladenen Clips als Informationsquelle zurück. Wie die Erhebung „Recherche 2016“ der dpa-Tochter news aktuell zeigt, rangiert die Videoplattform neben Facebook und Twitter ganz oben auf der Hitliste der Recherche-Tools. „Die Beweiskraft der Videos scheint als sehr hoch wahrgenommen zu werden“, kommentieren die Autoren der Studie.

Bürgersprechstunde per Podcast

Wenn alle Welt sich bei YouTube tummelt – sollten dann nicht auch Bürgermeister diesen attraktiven Kanal nutzen? So mancher Amtsträger hat diese Frage für sich persönlich bereits mit Ja beantwortet, so etwa Andreas Weiher. Der Bürgermeister aus dem hessischen Wächtersbach verbreitet über den YouTube-Sender der Kleinstadt regelmäßig lokalpolitische Botschaften, Wirtschaftsnotizen und Freizeittipps unter seinen Gemeindemitgliedern. Auch Lutz Brockmann, Gemeindechef aus dem niedersächsischen Verden, steht seinen Bürgern neuerdings im Videointerview mit einem Regionalmagazin Rede und Antwort. In Zukunft soll diese Form der Bürgersprechstunde quartalsmäßig auf Sendung gehen.

Zeitgemäßes Dialoginstrument

Zu den echten Pionieren unter den aktiven YouTubern zählt Memmingens Bürgermeister Ivo Holzinger. Immerhin schon seit 2010 informiert er Monat für Monat per Videopodcast über die Arbeit des Stadtrats und der Verwaltung; das Allgäuer Gemeindeoberhaupt hat damit mehr YouTube-Routine als die Bundeskanzlerin. Die Motivation der drei Bürgermeister dürfte ähnlich sein. Sie alle haben die Chancen erkannt, vor allem jüngere Zielgruppen über soziale Medien zu erreichen. Sicherlich ist ein YouTube-Auftritt noch kein Garant für politischen Erfolg – aber doch ein probater Weg, sich neue Kanäle in der Kommunikation mit seinen Wählern zu erschließen.

www.nicola-karnick.de

Autor: Nicola Karnick 

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