News | Informieren und Recht 03.06.2016

Unbestimmte Forderungen der Musterbauordnung (MBO)

Die Musterbauordnung (MBO) liefert normalerweise eindeutige Vorgaben für die Gebäudeplanung. Insbesondere grundlegende Standards zur Statik, oder zum Wärme- und Schallschutz sind über die Musterbauordnung klar geregelt. Doch es gibt beispielsweise beim Brandschutz auch unbestimmte Forderungen, die nicht immer eindeutig formuliert sind. Umso wichtiger ist es, gerade diese Bereiche der MBO im Auge zu behalten.

Die Musterbauordnung regelt die Anforderungen, die bei Bauvorhaben zu beachten sind. Bei der Planung von Gebäuden ist der Brandschutz – neben der Sicherstellung der Tragfähigkeit und dem Nachweis des Wärme- und Schallschutzes – ein wesentlicher Bestandteil.

Bei statischen Nachweisen und bei Wärme- und Schallschutznachweisen stehen in der Regel exakte Vorgaben und Grenzwerte in DIN-Normen und Verordnungen zur Verfügung, die einzuhalten sind. Beispielsweise ist die Tragfähigkeit eines Bauteils nachgewiesen, wenn die vorhandenen Spannungen kleiner sind als die zulässigen Spannungen. Der Mindestwärmeschutz von Gebäuden ist erfüllt, wenn die Mindestwerte für Wärmedurchlasswiderstände der Bauteile eingehalten sind.

Die Musterbauordnung lässt auch Interpretationen zu

Nur selten sind beim Brandschutz die unbestimmten Forderungen des § 14 der Musterbauordnung in weiteren Regelwerken eindeutig formuliert.

„Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.“

Ein Beispiel stellt dabei die Formulierung zum zweiten Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr in § 33 Abs. 3 MBO dar:

„Bei Sonderbauten ist der zweite Rettungsweg über Rettungsgeräte der Feuerwehr nur zulässig, wenn keine Bedenken wegen der Personenrettung bestehen.“

Die Auslegung, wann Bedenken bestehen, erfolgt sehr unterschiedlich und wird von den jeweiligen Brandschutzdienststellen subjektiv bewertet.

Neben den Grundvoraussetzungen – dem Vorhandensein geeigneter Leitern bei der zuständigen Feuerwehr und den entsprechenden Zufahrten, Zugängen und Aufstellflächen –– spielt die Fähigkeit der zu rettenden Personen, sich an der Rettungsaktion zu beteiligen eine wichtige Rolle. So unterscheidet sich der Zeitbedarf für die Rettung einer „Normalperson“ deutlich von dem für die Rettung einer 80-jährigen Dame.

Besonders risikobehaftet ist die Rettung  von Personen mit Mobilitätseinschränkungen, geistiger Behinderung oder Sehbehinderung sowie von hörgeschädigten Menschen, Kindern und alten Menschen.

Aus diesen Gründen existiert keine konkrete Benennung der Bedenken, sondern es wird davon ausgegangen, dass immer eine Einzelfallprüfung durchgeführt wird, ob Bedenken der Sicherstellung des zweiten Rettungswegs über Leitern der Feuerwehr bei Sonderbauten vorliegen.

Autor: Reimund Roß