04.08.2020

Alarmierungsanlagen

Alarmierungseinrichtungen und Hilfen für die Alarmierung sind, abgesehen von Gesten und Zurufen durch Personen, eine der wesentlichen Säulen des betrieblichen Brandschutzes und der Gefahrenabwehr.

Alarmknopf an Wand

Eine Alarmierungsanlage dient zur Warnung vor Gefahren.  Die Alarmierung im Gefahrfall ist neben der Brandentdeckung eines der wesentlichen Elemente des betrieblichen Brandschutzes. So legt auch die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A2.2 Maßnahmen gegen Brände fest:

5 Ausstattung von Arbeitsstätten
5.1 Branderkennung und Alarmierung
(1) Der Arbeitgeber hat durch geeignete Maßnahmen sicherzustellen, dass die Beschäftigten im Brandfall unverzüglich gewarnt und zum Verlassen von Gebäuden oder gefährdeten Bereichen aufgefordert werden können.
(2) Brände können durch Personen oder Brandmelder erkannt und gemeldet werden.
Brandmelder dienen der frühzeitigen Erkennung von Bränden und tragen maßgeblich zum Löscherfolg und zur rechtzeitigen Einleitung von Räumungs- und Rettungsmaßnahmen bei.

Auch das Baurecht sowie andere Gesetze und Verordnungen haben neben anderen Brandschutzmaßnahmen diesen wesentlichen Bestandteil des Brandschutzes erkannt und entsprechend aufgenommen.

Somit ergibt sich für den Arbeitgeber/Betreiber die Verpflichtung, alle im Betrieb/Gebäude befindlichen Personen über einen möglichen Gefahrfall zu informieren (Alarmieren). Dabei ist der Anwesenheit fremder, ortsunkundiger Personen Rechnung zu tragen. Auch die Anwesenheit von Menschen mit eingeschränkter Sinneswahrnehmung (Auge, Ohr) oder ohne ausreichendes Sprachverständnis ist zu berücksichtigen.

Aufgaben und Anforderungen der Alarmierungseinrichtungen

Ein umfassendes Brandschutzkonzept kann neben baulichen auch anlagentechnische oder organisatorische Maßnahmen erforderlich machen, damit im Brandfall oder bei einer sonstigen akuten Gefahr die folgenden sicherheitstechnischen Handlungen möglich sind:

  • Gefährdete Personen werden gewarnt und/oder zu Handlungen angewiesen.
  • Die Feuerwehr und andere Rettungskräfte werden alarmiert.
  • Notwendige interne Hilfe für Betroffene oder das Betriebspersonal wird herbeigeführt.
  • Brandschutz, Evakuierungs- und Ersthelfer werden alarmiert und können ihre Aufgaben zeitnah und somit mit Aussicht auf Erfolg erfüllen.
  • Technisches Hilfspersonal, z.B. zum Abschiebern von Produktleitungen, wird alarmiert.
  • Geschäftsleitung, Inhaber, Pressewart und weiteres Personal der Gefahrenabwehr werden informiert.
  • Technische Alarmierungseinrichtungen können automatisch Aufgaben der Brandfallsteuerung übernehmen.

Brände, aber auch andere gefahrbringende Zustände durch Personen oder technische Einrichtungen können gemeldet werden. Andere gefahrbringende Zustände sind z.B.:

  • Amokalarm
  • Gasalarm
  • Produktaustritt
  • Erdbeben
  • Überschwemmung, Starkregen
  • Gefahren aus Nachbarbetrieben
  • Notfälle/Unfälle

Die Notwendigkeit ist durch die Gefährdungsbeurteilung vor Ort festzustellen und entsprechende Einrichtungen sind zu planen bzw. nachzurüsten. Dabei sollten Brandmelde- und andere Gefahrenmeldeanlagen kombiniert und gemeinsam ausgewertet werden.

Planungsgrundlagen

Alarmierungsanlagen müssen durch Fachkräfte geplant werden, die ausreichende Kenntnisse in Aufbau, Funktion und Betrieb von Alarmierungsanlagen nachweisen können. Zwecks Abstimmung der Erfordernisse zur Brandschutzordnung sind vor der Installation von Alarmierungsanlagen entsprechende Unterlagen der Brandschutzdienststelle vorzulegen und ggf. durch einen bauaufsichtlich anerkannten Sachverständigen prüfen zu lassen.
Für die Alarmierungseinrichtungen sind im Wesentlichen festzulegen:

  • erforderliche Sicherheitsstufe der Alarmierungseinrichtungen
  • Art der Alarmierungseinrichtungen
  • Alarmierungsbereiche
  • Standort , Anordnung, Zugänglichkeit, Sicherheit usw. der Alarmzentrale
  • Alarmorganisation des Betreibers bei akustischen Systemen
  • Notwendigkeit von Brandfallmikrofonen oder Auslösevorrichtungen (Anzahl, Standorte)
  • Anordnung, Zugänglichkeit, Beschallungsumfang usw.

Diese Mindestanforderungen können auch die Notwendigkeit einer Abnahme (z.B. durch die Brandschutzdienststelle) oder Anerkennung (z.B. durch den Versicherer) und/oder baurechtliche Prüfungen durch behördlich anerkannte Prüfsachverständige einschließen.

Alarmierungseinrichtungen

Alarmierungshilfen für die Alarmierung durch Personen

Sofern sichergestellt ist, dass über die gesamte Zeit einer möglichen Gefahrentstehung Personen in den Bereichen anwesend sind, kann die Alarmierung auch durch Personen erfolgen. Dies kann ohne Hilfsmittel geschehen, z.B. durch Zuruf oder Gesten. Allerdings müssen in diesem Fall die Umgebungsbedingungen in den Bereichen geprüft werden. Voraussetzungen für die Alarmierung ohne mögliche Hilfsmittel:

  • Festlegung und Organisation in der Brandschutzordnung
  • Umgebung übersichtlich und durch Zuruf zu erreichen
  • keine akustischen oder optischen Beeinträchtigungen
  • Schulung der betroffenen Mitarbeiter
  • Sprachverständnis der betroffenen Personen

Die Alarmierung mit Hilfsmitteln kann erfolgen durch:

  • Trillerpfeife
  • Handsirene
  • Hupe
  • Pressluftfanfare
  • Megafon
  • Flagge
  • Gong/Glocke

Der Einsatz dieser Hilfsmittel sollte wie die Alarmierung unter Betriebsbedingungen geprobt werden; die Mitarbeiter sollten unterwiesen werden und regelmäßig üben. Die Hilfsmittel sind grundsätzlich zu kennzeichnen und in regelmäßigen Zeitabständen zu überprüfen.

Diese Hilfsmittel kommen vor allem in einfachen, gut überschaubaren Bereichen zum Einsatz. Eine Differenzierung von unterschiedlichen Signalen ist so gut wie nicht möglich; es sind auch kaum Handlungsanweisungen weiterzugeben. Daher beschränkt sich dieser Einsatz auf den Alarm. Das notwendige Verhalten müsste deshalb regelmäßig trainiert werden.

Technische Alarmierungseinrichtungen

Fest installierte Alarmierungseinrichtungen sind sowohl durch Personen zu betätigende Druckknopfmelder als auch automatische Systeme, die von Lösch-, Brandmelde-, Rauchabzugs- und Gefahrenmeldeanlagen sowie von modernen Funkrauchmeldesystemen angesteuert werden. Diese Systeme alarmieren durch:

  • Sirene, Hupe
  • Lichtzeichen wie Blink- und Blitzleuchten
  • Sprachlichtzeichen/Displays (z.B. mit dem Wort „Feueralarm“)

Druckknopfmelder

Druckknopf- oder auch Handfeuermelder werden entweder direkt auf die Rettungsleitstelle geschaltet oder für interne Alarmierungen genutzt. Im ersten Fall sind die Melder gemäß DIN EN 54-11 rot gefärbt. Bei interner Weiterschaltung sind diese wie nicht automatische Brandmelder gemäß DIN EN 54-11 anzuordnen und mit der Bezeichnung „Hausalarm“ zu kennzeichnen. Die Gehäuse sind dann in der Farbe Blau auszuführen.

Druckkopfmelder geben nur einen Alarmzustand, nicht aber differenzierte Meldungen weiter. Sie dienen daher der möglichst schnellen Alarmierung, können jedoch keine weiteren Aussagen über Art und Umfang der Gefahr wiedergeben.

Alarmtelefone

Im Gegensatz zum Druckknopfmelder sind diese zusätzlich mit einem Telefonhörer oder einer anderen Spracheinrichtungen versehen und ermöglichen detaillierte Aussagen über z.B. Art und Größe des Alarms, betroffene Personen etc. Sie sind daher bei möglichen komplexeren Gefahrzuständen dem Druckknopfmelder vorzuziehen. Das Personal sollte entsprechend geschult und der Aufbau der Alarmmeldung, mindestens aber die konkrete Durchwahlnummer, in Form eines Aushangs neben dem Gerät befestigt sein.

Weitere Alarmierungssysteme

Für besondere Fälle können Alarme, die von Personen oder technische Einrichtungen angesteuert werden auch über weitere Systemen verbreitet werden:

  • Handy, Smartphone, Pager, Pieper
  • PC, Bildschirm

Bei Anwendung solcher Systeme sind insbesondere die notwendige Wahrnehmung des Nutzers sowie die Einschaltzeiten der Geräte zu beachten. Stumm- oder abgeschaltete Systeme behindern den Empfang von Alarmmeldungen.

Alarmierungseinrichtungen bei besonderen Personengruppen

Bestimmte Personengruppen mit Einschränkungen wie Gehörlose oder Schwerhörige können durch dafür geeignete Alarmierungseinrichtungen gewarnt werden. Dazu dienen u.a. Vibrationsalarmgeräte.

Funkmeldesysteme

Die mittlerweile in fast allen Bundesländern eingeführte Rauchmelderpflicht hat zur Entwicklung von zentral oder dezentral gesteuerten, funkvernetzten Alarmierungssystemen geführt. Diese können neben der reinen akustischen Alarmierung auch viele weitere Geräte ansteuern. Solche Geräte lassen sich temporär auch auf Baustellen oder in fliegenden Bauten wie Messen einsetzen.

Grundsätze bei der Auswahl von Alarmierungseinrichtungen

Alarmierungseinrichtungen müssen in jedem Bereich und jederzeit wahrnehmbar, also z.B. hörbar, sichtbar und allen bekannt sein. Für Fremdfirmen sowie für Besucher muss sichergestellt sein, dass die ausgesendeten Signale der Alarmierungseinrichtung erkannt werden und vorgeplante Reaktionen erfolgen. Dies kann durch Unterweisung am Tor, Begleitkarten, Fremdfirmenvertrag oder auch durch begleitendes Betriebspersonal erfolgen. Hierbei dürfen betroffene Personen nicht mit Informationen überfordert werden. Gegebenenfalls sind ihnen betriebseigene Ansprechpartner als Alarmbegleitung zu nennen oder die Personen nur mit Begleitung einzulassen. Dies gilt insbesondere bei Alarmen mit gegensätzlichen Verhaltensweisen, z.B.:

  • Feueralarm – Reaktion: Gebäude verlassen!
  • Gasaustritt – Reaktion: Im Gebäude bleiben!

Die Brandschutzordnungen Teil A und B sind entsprechend anzupassen; insbesondere ist der Aushang Teil A bei technisch aufwendigen Alarmierungssystemen in hoher Stückzahl auszuhängen und bekannt zu machen. Teil A kann auch Bestandteil der Zutrittsunterlagen eines Betriebs sein.

Kennzeichnung von Alarmierungssystemen

Alarmierungssysteme, die durch Personen bedient werden, müssen entsprechend gekennzeichnet werden. Die Kennzeichnung ist ggf. nachleuchtend oder als Notbeleuchtung auszulegen.

Vollalarm oder Voralarm?

In der Regel erfolgen Alarme unverzüglich und im gesamten Bereich vollständig flächendeckend. In bestimmten Fällen sollten Alarme jedoch zunächst als Voralarm oder Vorwarnalarm erfolgen. Beispiele dafür sind:

  1. Hotels: Hier sollte vor Durchschaltung eine Erkundungszeit vorgesehen werden, um Vollräumungen bei Fehlalarmen vorzubeugen.
  2. Geschäftshäuser: Meist werden Voralarme oder stille Alarme an Funktionsträger gegeben, um Panik oder Diebstahl während der Evakuierung vorzubeugen.
  3. Bereiche mit Löschanlagen: Löschanlagen, insbesondere Gas- oder Schaumlöschanlagen, erfordern eine Vorwarn- und Räumungszeit, um anwesendes Personal zur Räumung und somit vor gefährlichen Löschkonzentrationen zu schützen. Erst nach Ablauf einer voreingestellten Zeit wird der Vollalarm gegeben. Diese Vorwarnzeit sollte aber nur für betroffene Bereiche gelten; alle anderen Bereiche können vollalarmiert werden, um möglichst keine Zeit zu verlieren.

Dauer der Alarmierung/Abschaltung

Die Alarmierungseinrichtungen müssen über die Zeitdauer der Selbsthilfe, also mindestens während der Evakuierungszeit, eingeschaltet bleiben. Akustische Systeme können nach erfolgreicher Wirkung durch beauftragte Personen wie Brandschutzhelfer oder Brandschutzbeauftragte abgeschaltet werden, um eine akustische Erleichterung zu schaffen. Ausgenommen hiervon sind Alarmierungseinrichtungen, die durch Brandmeldeanlagen oder Sprinkleranlagen aktiviert sind. Diese werden i.d.R. durch die eintreffende Feuerwehr deaktiviert.

Optische Systeme können bis zum Einsatzende aufgeschaltet bleiben.

Elektrische Alarmierungseinrichtungen müssen für 72 Stunden Stand-by und für 30 Minuten Vollalarm sicherheitsstromversorgt sein. Für die Beschaffenheit des Leitungsnetzes gilt die „Richtlinie über brandschutztechnische – Anforderungen an Leitungsanlagen – LAR“ in der jeweils gültigen Fassung.

Übung/Unterweisung

Nach Auswahl und Installation sind die Alarmierungseinrichtungen in den einzelnen Bereichen vorzustellen und bereichsweise zu testen. Anschließend sind regelmäßige Übungen (laut ASR A2.2 mindestens einmal im Jahr) sowie Unterweisungen des betroffenen Personals erforderlich. Hierbei sind Wahrnehmbarkeit, Wirksamkeit, Durchdringung und Wirkung der Systeme zu überprüfen. Dies gilt insbesondere für wenig benutze Räume, Keller, aber auch Bereiche mit starker akustischer und optischer Belastung wie Maschinen- oder Produktionshallen.

Fazit

Alarmierungseinrichtungen und Hilfen für die Alarmierung sind, abgesehen von Gesten und Zurufen durch Personen, eine der wesentlichen Säulen des betrieblichen Brandschutzes und der Gefahrenabwehr. Die Entdeckung einer Gefahr muss unverzüglich allen gefährdeten Personen mitgeteilt werden und Rettungskräfte müssen alarmiert werden. Daher sind diese Systeme sorgfältig zu wählen und ihre Wirksamkeit ist zu überprüfen. Technische und automatische Systeme sind hierbei vorzuziehen, da sie den Faktor Mensch ausschließen. Allerdings sollten sie redundant und mit Notfallsicherungen, z.B. gegen Stromausfall oder ggf. gegen Sabotage, gesichert sein.

Autor: Michael Becker