Fachbeitrag | Praxis
20.07.2015

Die Gefährdungsbeurteilung führt oft zur Bestellung eines Brandschutzbeauftragten

Zur Bestellung eines Brandschutzbeauftragten ist nicht jedes Unternehmen verpflichtet. Daher sollten im Betrieb die branchen- und betriebsspezifischen Brandgefährdungen anhand einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt und die damit verbunden Risiken bewertet werden. Nicht selten stellt sich dann heraus, dass es für die Position eines Brandschutzbeauftragten durchaus Bedarf gibt.

Eine Gefährdungsbeurteilung hilft die betriebsspezifischen Brandgefährdungen zu ermitteln. So können Brände verhindert werden.© Joerg Mikus /​ Hemera /​ Thinkstock

Lohnt sich die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten? Brände verursachen in Betrieben jährlich einen Sachschaden mit einem Volumen von ca. 2,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen Folgeschäden in zehnfacher Höhe, so die IHK Koblenz. Dieselbe Quelle berichtet von jährlich rund 200 Großbränden in deutschen Unternehmen. Reine Brandschäden lägen jeweils bei über 500.000 Euro. Alarmierend auch die Folgen: Bei 43 % der Unternehmen, in denen es gebrannt hat, führt das Ereignis zur direkten Insolvenz, bei weiteren 28 % innerhalb von drei Jahren nach dem Brand.

Bestellung eines Brandschutzbeauftragten? Die Gefährdungsbeurteilung liefert Fakten

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen sollte beim vorbeugenden Brandschutz nichts dem Zufall überlassen werden. Im ersten Schritt werden anhand einer Gefährdungsbeurteilung die branchen- und betriebsspezifischen Brandgefährdungen ermittelt und die damit verbundenen Risiken bewertet. Das Ergebnis liefert eine gute Entscheidungsgrundlage, was möglicherweise für die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten spricht.

So lassen sich betriebsspezifische Brandgefährdungen schnell ermitteln

Nach § 5 Abs. 3 ArbSchG können sich Gefährdungen insbesondere durch folgende Faktoren ergeben:

  1. die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes,
  2. physikalische, chemische und biologische Einwirkungen,
  3. die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit,
  4. die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken,
  5. unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten sowie
  6. psychische Belastungen bei der Arbeit.

Führe eine Gefährdungsbeurteilung zu dem Ergebnis, dass im Betrieb eine Brandgefährdung besteht, die über eine normale Brandgefährdung hinausgeht und/oder sind aufgrund erhöhter Risiken, zum Beispiel durch bauliche Gegebenheiten, besondere Maßnahmen zur Erreichung der Schutzziele erforderlich, empfiehlt sich unbedingt die Bestellung eines Brandschutzbeauftragten. Eine „normale“ Brandgefährdung liegt vor, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Brandentstehung, die Geschwindigkeit der Brandausbreitung, die dabei frei werdenden Stoffe und die damit verbundene Gefährdung für Personen, Umwelt und Sachwerte vergleichbar sind mit einer Büronutzung.

Wichtige Faktoren zur Ermittlung und Bewertung betriebsspezifischer Brandgefährdungen:

  • Zündquellen
  • baulicher brandschutz
  • technischer Brandschutz
  • organisatorischer Brandschutz
  • abwehrender Brandschutz
  • sicherheitstechnische Kennzahlen, Verarbeitungsparameter
  • mögliche Auswirkungen im Schadensfall
  • Nutzung (z. B. Produktion, Forschung und Entwicklung, Verwaltung, Lager, Versammlung, Pflege)
  • Anzahl und räumliche Verteilung der Beschäftigten und Dritten (Kunden, Fremdfirmenmitarbeiter) im Betrieb
  • Ortskenntnis, Mobilität und Ausbildungsgrad
  • Löschwasserversorgung, Löschwasserrückhaltung

Bestellung von Brandschutzbeauftragten: Was sollte ein Kandidat mitbringen?

Für das Amt und damit zur Bestellung eines Brandschutzbeauftragten ist nicht jeder Mitarbeiter geeignet. Vor allem Beschäftigten die sich in der Freizeit zum Beispiel bei einer Freiwilligen Feuerwehr engagieren, übernehmen als Brandschutzbeauftragte Verantwortung im betrieblichen Brandschutz. Jeder hat jedoch die Möglichkeit, sich ausbilden zu lassen. Dafür ist keine besondere Vorbildung oder Qualifikation notwendig. Teilnehmer an der Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten sollten aber eine abgeschlossene Berufsausbildung besitzen.

Für Betriebe mit erhöhter Brandgefährdung wird für den Brandschutzbeauftragten eine besondere Qualifikation empfohlen, wie zum Beispiel:

  • Personen mit feuerwehrtechnischer Ausbildung,
  • Absolventen der Ausbildung Werkfeuerwehrmann,
  • Fachkräfte für Arbeitssicherheit sowie
  • Hochschul-/FH-Absolventen mit Studienschwerpunkt Brandschutz.

Grundsätzlich die Befähigung zum Brandschutzbeauftragten besitzen aufgrund ihrer Ausbildung

  • Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung zum gehobenen oder höheren feuerwehrtechnischen Dienst oder vergleichbaren Ausbildungen nach den entsprechenden Laufbahnregelungen der einzelnen Bundesländer sowie
  • Personen mit abgeschlossenem Hochschul- oder FH-Abschluss Brandschutz, die die in der DGUV Information 205-003 „Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung und Bestellung von Brandschutzbeauftragten“ geforderten Kenntnisse nachweisen können.

Aktive Feuerwehrangehörige mit erfolgreich abgeschlossener Ausbildung zum Zugführer gemäß Feuerwehr-Dienstvorschrift 2 oder nach jeweiligem Landesrecht gleichwertigen Lehrgängen und Personen mit einer abgeschlossenen Ausbildung mit mindestens 140 Lehreinheiten zum Brandschutztechniker sind für eine verkürzte Ausbildung zum Brandschutzbeauftragten qualifiziert

Ganz wichtig: Für den Fall, dass die Ausbildung eines Beschäftigten zum Brandschutzbeauftragten bereits länger als fünf Jahre zurück liegt oder dieser daran gehindert ist, eine Fortbildung als Brandschutzbeauftragter zu belegen, so ist er verpflichtet, an einer Ausbildung im Sinne der DGUV Information teilzunehmen.

An Weisungen sind Brandschutzbeauftragte nicht gebunden

Ein vom Arbeitgeber bestellter Brandschutzbeauftragter sollte zu allen den betrieblichen Brandschutz betreffenden Fragestellungen rechtzeitig eingebunden werden und zwar möglichst bereits im Planungsstadium. Nur so ist gewährleistet, dass er seine Fachkunde umfassend mit einbringen kann, um den vorbeugenden Brandschutz im Betrieb effizient zu gestalten. Beachten Sie, dass Brandschutzbeauftragte bei der Anwendung ihrer brandschutztechnischen Fachkunde weisungsfrei sind. Sie dürfen wegen der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben nicht benachteiligt werden. Vergleichbar mit der betrieblichen Stellung einer Fachkraft für Arbeitssicherheit sollten Brandschutzbeauftragte unmittelbar dem Arbeitgeber unterstellt sein.

Autor: Markus Horn

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