25.09.2017

Lebenskrisen wirken sich stark auf die Berufstätigkeit aus

Der AOK-Bundesverband hat Mitte September seinen Fehlzeiten-Report 2017 veröffentlicht. Danach beeinflussen Lebenskrisen die Berufstätigkeit der betroffenen Menschen erheblich. Jeder zweite Betroffene fühlt sich in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt oder geht krank zur Arbeit. 19,4 Tage lang fehlt im Durchschnitt jeder Beschäftigte im Betrieb. Außer den psychischen Leiden verursachen vor allem Verletzungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Muskelerkrankungen lange Ausfallzeiten. Der Prävention müsse mehr Bedeutung beigemessen werden.

Lebenskrise

Lebenskrisen mit enormen Folgen für Beschäftigte und Arbeitgeber

In ihrem Fehlzeiten-Report 2017 über „Krise und Gesundheit“ gibt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) an, dass etwa die Hälfte der Erwerbstätigen in den letzten fünf Jahren von einem kritischen Lebensereignis betroffen war. Die Folgen seien für Beschäftigte und Arbeitgeber gravierend. Laut einer aktuellen repräsentativen Befragung von 2.000 Beschäftigten durch das WIdO kommen bei Beschäftigten am häufigsten Konflikte im privaten Umfeld – z.B. Trennung – (16 Prozent), eine schwere Erkrankung von Angehörigen (zwölf Prozent) und finanzielle Probleme (elf Prozent) vor. Mit zunehmendem Alter steige der Anteil der Betroffenen an: Etwas mehr als ein Drittel der Beschäftigten unter Dreißig (37,6 Prozent) berichteten über kritische Lebensereignisse, bei den 50- bis 65-Jährigen seien dies schon fast zwei Drittel (64,7 Prozent). Jüngere Erwerbstätige berichten neben privaten Konflikten auch über finanzielle oder soziale Probleme, während bei älteren Erwerbstätigen Krankheit, Alter oder der Tod des Partners eine größere Rolle spiele.

Belastungen führen zu Krankheit und Unzufriedenheit

Diese kritischen Lebensereignisse belasten die Gesundheit der Betroffenen und beeinflussen auch die Berufstätigkeit, heißt es in der Presseerklärung. So berichten 58,7 Prozent von körperlichen und 79 Prozent von psychischen Problemen. In der Folge fühlten sich mehr als die Hälfte der Befragten durch die Krise in der eigenen Leistungsfähigkeit in ihrem Berufsleben eingeschränkt (53,4 Prozent). Ähnlich viele Menschen geben an, trotz einer Erkrankung in diesem Kontext zur Arbeit gegangen zu sein (48,8 Prozent). Mehr als ein Drittel fühlte sich aufgrund des kritischen Lebensereignisses unzufrieden mit der Arbeit (37,3 Prozent) oder hat sich häufiger krank gemeldet (34,1 Prozent).

Gutes Arbeitsverhältnis kann helfen

Für Personalratsmitglieder wird wichtig sein, dass etwa 80 Prozent der Befragten ihre Lebenskrise gegenüber Arbeitskollegen, fast die Hälfte sogar gegenüber dem direkten Vorgesetzten zum Thema gemacht haben. Das war besonders bei Beschäftigten der Fall, die ein gutes Verhältnis zu ihrem „Chef“ haben. Weiter ist zu lesen, dass sich das Arbeitsverhältnis nach der Krise sogar verbesserte, wenn die Vertreter des Arbeitgebers mit Rat und Tat zur Seite standen.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)