03.08.2020

Urlaubsrückkehrer und die Infektionsgefahr im Betrieb: Was tun?

Es besteht die Gefahr, dass sich einige Urlaubsrückkehrer mit dem Coronavirus infiziert haben, ohne zunächst Symptome zu zeigen. Dieser Beitrag zeigt, was Sie als Arbeitsschützer in dieser Situation tun können: wie Sie wirksam auf Kooperation setzen, das Infektionsrisiko minimieren und welche Informationen Beschäftigte sensibilisieren können.

Urlaubsrückkehrer steht mit Maske vor Flughafen-Anzeige

In vielen Bundesländern steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder stärker an. „Corona kommt schleichend zurück, leider aber mit aller Macht“, formulierte es der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Ein besonderes Augenmerk liegt jetzt auf den Beschäftigten, die nach dem Urlaub in die Betriebe zurückkehren.

Da anzunehmen ist, dass ein Teil von ihnen in der Urlaubszeit die AHA-Regeln (Abstand wahren – auf Hygiene achten – ggf. Alltagsmaske tragen) nicht ausreichend beachtet hat, besteht die Gefahr, dass einige mit dem Coronavirus infiziert sind und andere im Betrieb anstecken. Wie sollten Betriebe und Arbeitsschützer im Speziellen mit dieser Situation umgehen?

Auf Kooperation setzen und Stigma vermeiden

Natürlich geht es nicht darum, Beschäftigte, die aus dem Urlaub zurückkehren, unter Generalverdacht zu stellen. Vielmehr sollte der Betrieb davon ausgehen, dass jeder Beschäftigte ein Interesse daran hat, sich und alle anderen vor einer COVID-19-Infektion zu schützen. Und nur die Beschäftigten selbst können wissen, ob sie sich im Urlaub ausreichend geschützt haben oder ob ein erhöhtes Risiko für eine Infektion besteht.

Aus diesem Grund sollten alle Beschäftigten und damit insbesondere auch die, die gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt sind, Angebote für einen vorübergehend verstärkten Infektionsschutz erhalten:

  • Geben Sie an alle Beschäftigten die Kontaktdaten des Betriebsarztes weiter, über die eine kurzfristige ggf. telefonische Beratung möglich ist. Betonen Sie dabei vor allem die Verschwiegenheitsverpflichtung des Betriebsarztes. Hier können sich alle Beschäftigten Rat holen, wenn sie glauben, dass sie einem erhöhten Infektionsrisiko – z.B. durch unsicheres Verhalten im Urlaub – ausgesetzt waren.
  • Bieten Sie allen, die glauben, dass sie (im Urlaub und anderswo) einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren, an, im Homeoffice zu arbeiten oder, wenn dies nicht möglich ist, in die persönliche Quarantäne zu gehen. Loben Sie alle, die sich dazu bereit erklären und damit ihren Teil dazu beitragen, dass im Betrieb niemand infiziert wird und dieser nicht geschlossen werden muss.
  • Informieren Sie im Rundschreiben über die vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Risikogebiete. Auf diese Weise erfahren Beschäftigte im Nachhinein, dass sie vielleicht einem hohen Risiko ausgesetzt waren. Für Rückreisende aus Risikogebieten besteht schon jetzt eine zweiwöchige Quarantänefrist – es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorweisen.

Sensibilisieren und Corona-Infektionsschutzmaßnahmen verstärken

Nachdem für einige Zeit die Zahl der Neuinfektionen gering war, hat sich vielleicht in einigen Betrieben – nach anfänglich streng durchgesetztem Corona-Infektionsschutz – etwas mehr Gelassenheit breitgemacht. Sensibilisieren Sie also wieder die Beschäftigten für die Gefahren, die von einer COVID-19-Infektion ausgehen:

  • Erläutern Sie in Rundschreiben, Aushängen und Gesprächen, welche Konsequenzen Infektionen im Betrieb haben können. So können Betriebsteile oder der gesamte Betrieb geschlossen und damit die Arbeitsplätze oder sogar die Existenz des gesamten Betriebes gefährdet werden.
  • Gehen Sie den gesamten Betrieb durch und kontrollieren Sie, ob nach wie vor alle Infektionsschutzmaßnahmen in der notwendigen Intensität durchgeführt werden. Diese Kontrollen sollten dann stattfinden, wenn die meisten Beschäftigten anwesend sind.
  • Nehmen Sie festgestellte Infektionsschutzmängel zum Anlass für außerplanmäßige Unterweisungen. Die Kernaussage: Infektionsschutz ist kein Luxus, sondern sichert die Existenz des Betriebs!
  • Nehmen Sie in Abteilungsleiterversammlungen und in direkter Ansprache die Führungskräfte in die Pflicht: Ein gutes Vorbild in Sachen Masken tragen sein, Abstand halten, Arbeitsplätze desinfizieren etc. wirkt oft mehr als Hinweise und Ermahnungen.
  • Ermutigen Sie die Beschäftigten, sich gegenseitig zu ermahnen, wenn Vorschriften missachtet werden.

Zur Sensibilisierung der Beschäftigten gehört auch, dass bei Missachtung der Vorschriften Konsequenzen drohen. Sprechen Sie mit dem Betriebsrat, in welchen Fällen eine Abmahnung ausgesprochen werden kann. Arbeitgeber und Betriebsrat sollten in einem gemeinsamen Statement kommunizieren, dass beide Betriebsparteien hinter den Infektionsschutzmaßnahmen stehen.

Wiederholen Sie in Unterweisungen die grundlegenden Informationen und Regeln

Im „Flurfunk“ ist immer wieder die Aussage zu hören, dass alle Maßnahmen wahlweise völlig übertrieben oder wirkungslos seien. Wirken Sie dem mit sachlicher Information entgegen und wiederholen Sie wie zu Beginn der Corona-Krise die grundlegenden Informationen:

  • Abstand halten und Masken tragen reduziert die Gefahr einer Tröpfcheninfektion.
  • Auch häufiges, mindestens stündliches Lüften der Räume dient diesem Zweck.
  • Das Vermeiden von Händeschütteln und die Desinfektion von Oberflächen minimiert die Übertragungsrisiken.
  • Die Minimierung von menschlichen Kontakten reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass Personen, die infiziert sind, das Virus an andere weitergeben.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen und Arbeitshilfen finden Sie in:

Notfallwissen Infektionsschutz – jetzt testen!

Hier finden Sie Informationen zu Risikogebieten:

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete_neu.html

Hier finden Sie die Ferienzeiten der einzelnen Bundesländer:

https://www.schulferien.org/Schulferien_nach_Ferien/Sommerferien/sommerferien.html

Autor: Martin Buttenmüller (Martin Buttenmüller ist Autor und Chefredakteur des Fachmagazins Arbeitsschutz-Profi AKTUELL)