Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
12.01.2015

Lagersicherheit – Regale müssen regelmäßig geprüft werden

In einem Lager stellen Regale einen Unfallschwerpunkt dar. Es können Einsturz- und Umsturzgefährdungen für Beschäftigte und Kunden entstehen, die zeitgleich bei Be- und Entladevorgängen an Regalen Ware herausnehmen. Mit einer wöchentlichen Sichtprüfung lassen sich Gefährdungen und Risiken minimieren.

© Fuse/​iStock/​Thinkstock

Regale befinden sich nahezu in jedem Logistikbereich eines Betriebes, u.a. in Lebensmittel-, Baumärkten, Baufirmen, Getränkehandel, Baustoffhandel, Reifenhandel, Kfz-Werkstätten, Papierlägern, Turmlägern (PKW), Möbelhandel.
Sie werden herstellerseitig in unterschiedlichen Arten angeboten, u.a. als  Palettenregal, Einschub-, Einfahrregal, Kragarmregal oder Schmalganglagerregal.

Für jedes Produkt bzw. Lagergut  (z.B. Flaschenregale, Reifenregale etc.) kann man sich ein eigenes einzelnes Regal, Doppelregale oder ganze Regalzeilen aufstellen lassen. Die Einsturz- und Umsturzgefährdungen von Regalen für Beschäftigte und Kunden, die zeitgleich bei Be- und Entladevorgängen an Regalen Ware herausnehmen, sind wieder gestiegen.

Ursachen für diese Gefährdungen sind zunehmende Regalhöhen, Vertikal- und Horizontalkräften durch Ein- und Auslagervorgängen, Wechselwirkungen mit Staplern und Fahrern sowie Arbeitsstoffen. Auch Umgebungsfaktoren und andere betrieblichen und Umwelteinflüssen oder dünner werdendes Regalbaumaterial können Gefahren nach sich ziehen.

Zunehmende Gefährdungen entstehen u.a. durch:

  • fehlender Trennung von Kunden- und Staplerverkehr
  • verblassten oder fehlenden Bodenmarkierungen /-kennzeichnungen
  • Hindernisse im Verkehrsweg, keine Geschwindigkeitsbegrenzung
  • durch nicht bestimmungsgemäße Verwendung,
  • Überlastung, einseitige Belastung, Schweißnahtbruch
  • Verwendung falscher Lagergeräte (Paletten),
  • falsche/schlechte Positionierung der Lagergeräte,
  • fehlender, beschädigter Anfahr-/Eckschutz (u.a. falsche Bedienung eines Schubmaststaplers),
  • falsche Montage (Montageanleitung), Lotabweichungen
  • fehlende Regalbeleuchtung, Schäden an Trägern, Regalböden
  • fehlende Schilder, Rost, Verdrehung von Stützen
  • mangelhafte Ausbildung/Unterweisung der Staplerfahrer, Lagerpersonals
  • zu enge Regalgänge, falsche Unterlagsplatten
  • überstehende Lasten,  schräg sitzende Paletten
  • fehlende Sicherungsstifte, Durchschubsicherungen
  • angefahrene Stützen, Träger und Aussteifungselemente

Gefährdungsbeurteilung erstellen

Die Gefährdungen müssen in der betriebsbezogenen Gefährdungsbeurteilung ermittelt und bewertet werden. Danach müssen Maßnahmen terminiert und mit Verantwortlichkeiten abgeleitet werden und Wirksamkeitskontrollen durchgeführt werden.

Die kraftbetriebenen Regale und Schränke sind Arbeitsmittel (Anlagen) nach Betriebssicherheitsverordnung und müssen neben der bestimmungsgemäßen Verwendung durch einen Regalprüfer („befähigte Person“ nach TRBS 1203, i.d.R zwei Tages Kurs) wiederkehrend in einem Prüfzyklus von max. 12 Monaten geprüft werden. Zusätzlich sollten die Regale regelmäßig, bestenfalls einmal wöchentlich, bei einer Sichtkontrolle auf erkennbare Beschädigungen und Mängel inspiziert werden.

Wöchentliche Sichtkontrolle durch RegalChecker

Die Mängel, die bei der wöchentlichen Sichtkontrolle aufgetreten sind, sollten durch einen „RegalChecker“ (fachkundige, nach § 12 ArbSchG unterwiesene Person, nicht der/die Sicherheitsbeauftragte)  in einer Checkliste nachweislich nach Dringlichkeit geordnet festgehalten werden. Gegebenenfalls hat der RegalChecker Rücksprache mit dem Hersteller oder Regelprüfer zu halten, um kurzfristig oder im Rahmen der regulären Prüfung die Mängel zu beseitigen, um Um- und Einstürze zu verhindern.

Regalprüfer markiert und beseitigt Mängel

Der Regalprüfer ist über den RegalChecker hinaus In der Lage, die Beschädigungen und Mängel zu erkennen, auszumessen und einzustufen. Dies kann farblich mit Spraydosen oder Aufklebern in rot (dringender Handlungsbedarf), gelb (es besteht Handlungsbedarf) oder grün (es besteht kein Handlungsbedarf) erfolgen. Der Regalprüfer hat Mängelbeseitigungen (u.a Gabelzinkenkameras an Staplern) zu veranlassen und die entsprechenden Konsequenzen aus Unfallursachen zu folgern. Reparaturen kann er nur in begrenztem Umfang durchführen und bei Unklarheiten muss er sich umgehend mit Hersteller in Verbindung setzen.

Bergungskonzept für den Notfall

In der Gefährdungsbeurteilung sollte auch ein Bergungskonzept berücksichtigt sein, für den Fall, dass einmal ein Regal einstürzt. Darin ist festzulegen, dass gefährliche Bereiche unter Benutzung der entsprechenden persönlichen Schutzausrüstung (Helm, Sicherheitsschuhe, Warnweste, Schutzhandschuhe, ggf. Schutzbrille) weiträumig abgesperrt sind. Gefährdete Bereiche müssen mit Gurten festgezurrt werden, damit möglichst nichts schon bei leichter Erschütterung ins Rutschen gerät und der THW (Technisches Hilfswerk) muss informiert werden, wenn kein Brand vorliegt.

Anlassbezogen durch außergewöhnliche Ereignisse, u.a. nach Unfällen, Reparaturen bzw. Veränderungen, Naturkatastrophen (Erdbebenklasse, rel. im süddeutschen Raum) sind die Prüfzyklen entsprechend anzupassen. Andere Regale wie z.B. Holzregale unterliegen zwar nicht der DIN EN 15635, müssen aber ebenfalls nach BetrSichV regelmäßig geprüft werden.

Nutzen Sie die Checkliste, um eine regelmäßige Prüfung Ihrer Regale durchzuführen.

Autor: Stefan Johannsen

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