27.08.2018

Sicherheit bei der Instandhaltung von Maschinen

Damit Arbeitsmittel wie Maschinen und Anlagen, aber auch das Arbeitsumfeld auf Dauer keine Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer bilden können, ist eine regelmäßige Instandhaltung unerlässlich. Denn nach deutschem und europäischem Recht sind Unternehmer dafür verantwortlich, dass ihren Beschäftigten an den jeweiligen Arbeitsplätzen nur sichere Arbeitsmittel zur Verfügung gestellt werden, die für die jeweilige Aufgabe und die Arbeitsplatzbedingungen geeignet sind.

Instandhaltung

Grundsätzliches zur Instandhaltung von Maschinen und Anlagen regelt die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV). Konkretisierungen für Detailfragen enthalten u.a. die technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS). Für Instandhaltungsarbeiten sind die TRBS 1112 – Instandhaltung sowie die TRBS 1112 Teil 1 – Explosionsgefährdungen bei und durch Instandhaltungsarbeiten – Beurteilung und Schutzmaßnahmen relevant.

Termine für die Instandhaltung und ausführende Personen

Vorgeschrieben ist auch, dass die Sicherheit von Arbeitsmitteln über deren gesamte Lebensdauer gewährleistet ist. Deshalb muss der Unternehmer im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung auch ermitteln, wann, in welchem Umfang, innerhalb welcher Fristen und von wem Arbeitsmittel gewartet, instand gesetzt oder geprüft werden müssen. Informationen des Herstellers, Handlungshilfen der Berufsgenossenschaften, eigene Erfahrungen beim Betrieb von Maschinen sowie der Stand der Technik sind dabei zu berücksichtigen.

Wichtig: Auch Beschäftigte haben Pflichten im Arbeitsschutz. Defekte oder offensichtlich mangelhafte Arbeitsmittel dürfen sie nicht verwenden. Außerdem sind sie verpflichtet, Mängel umgehend anzuzeigen, damit diese fachgerecht behoben werden können.

Warum Instandhaltung von Maschinen?

Die Norm DIN EN 13306 definiert Instandhaltung als

”Kombination aller technischen und administrativen Maßnahmen sowie Maßnahmen des Managements während des Lebenszyklus einer Betrachtungseinheit zur Erhaltung des funktionsfähigen Zustandes oder der Rückführung in diesen, sodass sie die geforderte Funktion erfüllen kann“.

Insofern beinhaltet Instandhaltung viele sehr unterschiedliche Aufgaben in unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Zur Instandhaltung gehören Tätigkeiten wie

  • Inspizieren,
  • Prüfen,
  • Warten,
  • Instandsetzen

von Arbeitsmitteln. Dabei muss je nach Arbeitsaufgabe gemessen, justiert, installiert, gereinigt oder geschmiert werden. Nach Bedarf müssen Fehler gesucht oder Teile ausgetauscht werden.

Dabei allerdings ist besondere Vorsicht geboten, denn Instandhaltung ist eine hochriskante Tätigkeit, bei der eigene, spezifische Gefahren drohen. Eine Auswertung von Daten der Europäischen Statistik über Arbeitsunfälle (ESAW) ergab, dass Unfälle häufig mit Instandhaltungsarbeiten zusammenhängen. Man geht davon aus, dass etwa 15 bis 20 % aller Unfälle und 10 bis 15 % aller tödlichen Unfälle bei Instandhaltungsarbeiten aufgetreten sind – die etwas vagen Zahlen ergeben sich daraus, dass Daten verschiedener Länder ausgewertet wurden.

Gefährdungsbeurteilung und Instandhaltung

Weil Instandhaltungsarbeiten zu den hochriskanten Tätigkeiten gehören, müssen die einschlägigen Gefahren und Belastungen im Rahmen der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung gesondert berücksichtigt werden. Dabei müssen auch umfassende Schutzmaßnahmen für die Beschäftigen sowie weitere, am jeweiligen Arbeitsplatz anwesende Personen festgelegt werden. Die TRBS 1112 fordert:

”Vor Instandhaltungsmaßnahmen sind mindestens folgende Schritte durchzuführen: Art, Umfang und Abfolge der Instandhaltungsmaßnahmen festlegen, Gefährdungen ermitteln und beurteilen und die erforderlichen Maßnahmen festlegen, vor der Vergabe an Fremdfirmen die Sicherheitsanforderungen sowie Anforderungen an die Qualifikation des Instandhaltungspersonals festlegen.“

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) hat fünf praxisgerechte Grundregeln für eine sichere Instandhaltung entwickelt:

1. Planung der Instandhaltung

Keine Instandhaltung ohne Planung, die sich auf die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung stützen sollte. Als zentrale Aspekte nennt die EU-OSHA:

  • Umfang der Aufgabe festlegen: Was muss getan werden und wie werden dadurch andere Arbeitnehmer und die Tätigkeiten am Arbeitsplatz beeinflusst?
  • Gefährdungsbeurteilung auswerten: Welche Gefahren (z.B. Lärm, Vibrationen, Hitze, Gefahrstoffe, beengte Räume, bewegte Maschinenteile) drohen? Welche Maßnahmen sind notwendig, um Risiken zu vermeiden oder zumindest zu minimieren?
  • sichere Arbeitsabläufe festlegen: Erlaubnisscheine, Verriegelungssysteme etc.
  • Zeitplan aufstellen und allen betroffenen Beschäftigten vorlegen
  • Hilfsmittel organisieren, die für die Tätigkeit benötigt werden
  • Kommunikationswege zwischen Instandhaltungs- und Produktionspersonal (”Weisungskette“) sowie allen anderen Beteiligten festlegen. Besondere Sorgfalt ist wichtig, wenn Fremdfirmenmitarbeiter tätig werden!
  • umfassende Information und Unterweisung aller Beteiligten

Hinweis: Betriebseigene Beschäftigte, die Instandhaltungsarbeiten durchführen, können Gefahren am jeweiligen Arbeitsplatz meist besonders gut einschätzen. Deshalb sollten sie intensiv in die Planung einbezogen werden.

2. Arbeitsbereich sichern

Häufig muss der jeweilige Arbeitsbereich für die Dauer der Instandhaltungsmaßnahme gesichert werden. Absperrungen und Schilder verhindern unbefugtes Betreten. Gegebenenfalls muss die Stromversorgung unterbrochen werden. Falls erforderlich, müssen bewegte Maschinenteile gesichert werden. Arbeitnehmer müssen den Arbeitsbereich sicher betreten und verlassen können. Eine vorübergehende Zusatzbelüftung muss bei Bedarf installiert werden.

Gut lesbare und nicht zu übersehende Warnhinweise an Maschinen, die Datum und Uhrzeit der Sperrung nennen sowie den Namen der Person, die zur Aufhebung der Sperrung befugt ist, sind unerlässlich. Falls fremdsprachige Beschäftigte anwesend sind, muss sichergestellt werden, dass sie die Instruktionen verstehen. Muss eine Schutzeinrichtung einer Maschine vorübergehend entfernt oder deaktiviert werden, muss ein genau definiertes Sperrverfahren befolgt werden.

3. Geeignete Arbeitsmittel verwenden

Häufig sind für Instandhaltungsarbeiten Werkzeuge und Geräte erforderlich, die normalerweise nicht zum Einsatz kommen. Oft muss auch zusätzlich eine geeignete persönliche Schutzausrüstung (PSA) getragen werden; hierbei ist entscheidend, dass PSA selbst nicht zusätzliche Risiken für den Arbeitnehmer bedeuten.

4. Arbeitspläne einhalten

Gerade bei Arbeiten, die nicht routinemäßig ausgeführt werden, ist es wichtig, dass die ausführenden Beschäftigten bzw. Fremdfirmenmitarbeiter, Vorgesetzte und Kollegen über die Planung der Arbeiten und die jeweiligen Gefahren informiert sind. Vereinbarte sichere Arbeitsabläufe müssen auch unter Zeitdruck oder bei unerwarteten Störungen eingehalten werden.

5. Endkontrolle und Dokumentation

Jede Instandhaltungsmaßnahme ist erst nach erfolgter Endkontrolle abgeschlossen. Dabei wird noch einmal ein Check durchgeführt, ob die Aufgabe vollständig durchgeführt wurde und ob das Gerät, die Maschine oder die Anlage in einem sicheren Zustand ist. Wichtig ist, dass jeder Arbeitsschritt in einem schriftlichen Bericht festgehalten wird. Außerdem 28sollten aufgetretene Schwierigkeiten sowie Verbesserungsvorschläge umfassend und schriftlich dokumentiert werden.

Besondere Gefahren und Risiken bei der Instandhaltung

Bei Instandhaltungsarbeiten sind die ausführenden Arbeitnehmer besonderen Risiken ausgesetzt. Die TRBS 1112 unterstützt den Unternehmer bei der Planung und Ausführung von Instandhaltungstätigkeiten, bei der Festlegung von Tätigkeiten bei der Störungssuche und bei allen Fragen der Erprobung nach der Instandsetzung. Bei Instandhaltungsarbeiten mit Explosionsgefährdungen sieht der Gesetzgeber vor, dass zusätzlich TRBS 1112 Teil 1 anzuwenden ist.

Typisch bei Instandhaltungsarbeiten sind physische Belastungen durch Lärm, Vibrationen, Hitze, Kälte und Strahlung (ultraviolette Strahlung, Röntgenstrahlung und elektromagnetische Felder), aber auch durch die Schwere der Arbeit selbst. Oft lässt sich der Kontakt mit Gefahrstoffen, biologischen Arbeitsstoffen oder verunreinigter Luft (Dämpfe, Abgase, Staub) nicht ganz ausschließen. Schichtarbeit, Wochenendarbeit, Nachtarbeit, Bereitschaftsdienst und unregelmäßige Arbeitszeiten können zu arbeitsbedingtem Stress und Übermüdung führen – und damit das Unfallrisiko dramatisch erhöhen. Arbeiten bei laufenden Prozessen und mit engem Kontakt zu oft hochkomplexen Maschinen oder Anlagen sind gefährlich. Arbeiten in beengten Räumen, im Freien oder unter anderen ungünstigen Bedingungen sind die Regel. Bei Maschinenausfällen stehen die Instandhalter oft zusätzlich unter Zeitdruck, weil meist jede Ausfallstunde hohe Kosten verursacht.

Tipp: Überprüfen Sie mit Hilfe dieser Checkliste Wartung und Instandsetzung, ob Sie alle notwendigen Schritte hinsichtlich der Instandhaltung der Arbeitsmittel und Maschinen in Ihrem Betrieb beachten und umsetzen.

Autor: Sabine Kurz