25.03.2019

Die Gefährdungsbeurteilung für Büroarbeitsplätze

In Deutschland sind es etwa 18 Millionen Arbeitsplätze, die unter die Kategorie "Bildschirmarbeit" fallen. Entsprechend wichtig ist daher auch das Thema Gefährdungsbeurteilung Büro: die Belastung der Augen, die Sitzhaltung oder die Ergonomie beispielsweise sind Kriterien, die großen Einfluss auf die Gesundheit von Arbeitnehmern nehmen.

Bildschirmarbeitsplatz Pause

Die Gefährdungsbeurteilung für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze stellt mit den Themen Ergonomie, richtige Körperhaltung und Vermeidung von Zwangshaltungen vor allem die physischen Belastungen im Fokus. Deshalb sollten Arbeitgeber aber die psychischen Belastungen noch lange nicht ganz außer Acht lassen.

Generell gehört es zu den Grundpflichten eines Arbeitgebers, die Gefährdungen für ihre Beschäftigten zu ermitteln und Maßnahmen zu ergreifen, um diese abzuwehren. Außerdem haben sie die im Büro Beschäftigten darüber zu unterweisen.

Gefährdungen bei der Bildschirmarbeit

Gesundheitliche Gefährdungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen entstehen insbesondere durch:

  • körperliche Belastungen
  • visuelle Belastungen
  • psychische Belastungen

Die Belastungen beeinflussen sich natürlich auch gegenseitig. Dennoch halten sie sich bei Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen in der Regel in engen Grenzen. Berufskrankheiten treten hier nur sehr selten auf.

Körperliche Belastungen

Folgende Faktoren wirken an Büro- und Bildschirmarbeitsplätzen negativ auf den Bewegungsapparat ein:

  • ungünstige Körperhaltung
  • einseitige Belastung
  • unzureichende Arbeitsmittel
  • unzureichende Arbeitsorganisation

In erster Linie wirken diese Belastungen auf den Schulter-Arm-Bereich, die Hals- und die Lendenwirbelsäule ein.

Eine wesentliche Ursache für Beschwerden bei vielen Beschäftigten: Der muskuläre Trainingszustand ist mir der körperlichen Belastung überfordert. Dabei bilden sich schlimmstenfalls die Muskeln soweit zurück, dass sie ihre natürliche Stützfunktion für die Wirbelsäule nicht mehr erfüllen. Mitarbeiter leiden dann an Verspannungen und Schmerzen in den Muskeln.

Rückenbeschwerden sind nicht spezifisch für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze. Sie treten also dort nicht häufiger auf als bei anderen Tätigkeiten. Ein Bewegungstraining und abwechslungsreiche Arbeitsabläufe können Abhilfe schaffen.

Visuelle Belastungen

Bei der alltäglichen Büroarbeit, vor allem am Bildschirm, leisten die Augen Schwerstarbeit. Sie müssen sich beispielsweise ständig an unterschiedliche Helligkeiten anpassen und immer auf die gleiche Entfernung funktionieren. Die Belastungen werden oft noch verstärkt durch:

  • ungünstige Arbeitsplatzgestaltung
  • ungünstige Lichtverhältnisse
  • störende Blendung
  • mangelhafte Zeichendarstellung
  • unzureichende Korrektur des Sehvermögens

Nur wenige, meist junge Menschen können sich über ein uneingeschränkt gutes Sehvermögen freuen. Dabei kompensieren Auge und Gehirn im Alltag kleinere Sehschwierigkeiten problemlos. Wer nicht ganz perfekt sieht, merkt gar nichts davon.

Die höheren Anforderungen von Bildschirmarbeitsplätzen lassen jede vorhandene Einschränkung des Sehvermögens spürbar werden. Oft klagen die Betroffenen über Kopfschmerzen, brennende oder tränende Augen und über ein Flimmern vor den Augen.

Abhilfe schafft hier beispielsweise eine passende Korrektur des Sehvermögens.

Psychische Belastungen

Jede Tätigkeit, auch eine vorwiegend körperliche, kann Mitarbeiter psychisch belasten. Dabei meint ”psychische Belastung“ zunächst einmal: Alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken. Diese  Belastungen können auch anregend wirken, auf der Schattenseite jedoch ermüden sie Mitarbeiter psychisch  bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Depressionen.

Erhöhte psychische Belastungen bei der Arbeit an Bildschirmgeräten entstehen z.B. durch folgende Faktoren:

  • gleichförmige Tätigkeiten
  • Unter- bzw. Überforderung
  • keine ganzheitlichen Arbeitsaufgaben
  • starre, vorgegebene Arbeitsabläufe
  • hoher Zeit- und Arbeitsdruck
  • unzureichende Unterrichtung und Unterweisung
  • mangelhafte Qualifizierung
  • Einschränkung der persönlichen Kommunikationsmöglichkeiten

Die Gefährdungsbeurteilung im Büro

Bei den Arbeitsbedingungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen sind Arbeitgeber gefragt: Wie sie diese beurteilen, ist ihnen freigestellt, aber dass sie dies tun müssen, steht außer Frage. Die zuständige Behörde kann dann noch das Ergebnis der Beurteilung bemängeln und Nachbesserungen fordern.

Vorgehensweise

Gängige Schritte bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen sind z.B.:

  • Vorgehensweise planen
  • die Personen, die für die Beurteilung zuständig sind, festlegen auf der Grundlage des bestehenden Arbeitsschutzsystems (für größere Unternehmen ist es sinnvoll, ein Beurteilungsteam zu bilden)
  • Arbeitsplätze, Arbeitsumgebung und Arbeitsabläufe, möglichst mit der Beteiligung der Beschäftigten, systematisch untersuchen
  • Maßnahmen festlegen und umsetzen
  • Ergebnisse, getroffene Maßnahmen und deren Wirksamkeit dokumentieren
  • Wiederholung

Mit einer Beurteilung ist es nicht getan. Arbeitgeber sollten diese in regelmäßigen Zeitabständen, bei Änderungen am Arbeitsplatz sowie bei Beschwerden, die auf die Tätigkeit am Bildschirmarbeitsplatz zurückzuführen sind, wiederholen.

Dokumentation

Unabhängig davon, wie viele Menschen in einem Unternehmen arbeiten, müssen Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung Büro dokumentieren. Dort geben sie auch an, welche Gefährdungen am Arbeitsplatz auftreten können und welche Maßnahmen durchgeführt werden müssen.

Hilfen

Bei WEKA MEDIA finden Sie zahlreiche Hilfen, die Sie bei der Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung unterstützen: von Checklisten bis hin zu fertigen Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung.

Tipp: In unserem Downloadbereich finden Sie folgende Checkliste, die Sie für die Prüfung Ihrer Büroarbeitsplätze verwenden können:

Nutzen Sie außerdem die exemplarische Muster-Gefährdungsbeurteilung Büro für die Gefährdungsbeurteilung Ihrer Bildschirmarbeitsplätze.

Autor: Dr. Kurt Kropp