14.11.2016

Die Gefährdungsbeurteilung für Büroarbeitsplätze

In Deutschland sind es etwa 18 Millionen Arbeitsplätze, die unter die Kategorie "Bildschirmarbeit" fallen. Entsprechend wichtig ist daher auch das Thema Gefährdungsbeurteilung Büro: die Belastung der Augen, die Sitzhaltung oder die Ergonomie beispielsweise sind Kriterien, die großen Einfluss auf die Gesundheit von Arbeitnehmern nehmen.

Bildschirmarbeitsplatz Pause

Bei der Gefährdungsbeurteilung für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze stehen mit den Themen Ergonomie, richtige Körperhaltung und Vermeidung von Zwangshaltungen vor allem die physischen Belastungen im Fokus. Aber auch die psychischen Belastungen sollten nicht ganz außer Acht gelassen werden.  Generell gehört es zu den Grundpflichten des Arbeitgebers, die Gefährdungen für die Beschäftigten zu ermitteln, Maßnahmen zu ihrer Abwehr zu ergreifen und die im Büro Beschäftigten darüber zu unterweisen.

Gefährdungen bei der Bildschirmarbeit

Gesundheitliche Gefährdungen an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen können insbesondere entstehen durch:

  • körperliche Belastungen
  • visuelle Belastungen
  • psychische Belastungen

Zwischen den verschiedenen Belastungen kann es zu vielfältigen Wechselwirkungen kommen. Dennoch gelten Bildschirm- und Büroarbeitsplätze generell als belastungsarm, Berufskrankheiten treten nur sehr selten auf.

Körperliche Belastungen

Der Bewegungsapparat, in erster Linie der Schulter-Arm-Bereich, die Halswirbelsäule und die Lendenwirbelsäule, wird besonders durch folgende Faktoren belastet:

  • ungünstige Körperhaltung
  • einseitige Belastung
  • unzureichende Arbeitsmittel
  • unzureichende Arbeitsorganisation

Eine wesentliche Ursache für Beschwerden ist das bei vielen Beschäftigten festzustellende Ungleichgewicht zwischen körperlicher Belastung und muskulärem Trainingszustand. Als Folge können muskuläre Schmerzen und Verspannungen auftreten.

Rückenbeschwerden sind nicht spezifisch für Bildschirm- und Büroarbeitsplätze, sie treten dort nicht häufiger auf als bei anderen Tätigkeiten. Ein Bewegungstraining und abwechslungsreiche Arbeitsabläufe können Abhilfe schaffen.

Visuelle Belastungen

Alltägliche Büroarbeit und insbesondere die Arbeit an Bildschirmarbeitsplätzen stellen sehr hohe Anforderungen an das Sehvermögen der Beschäftigten. Hohe Belastungen werden oft noch verstärkt durch:

  • ungünstige Arbeitsplatzgestaltung
  • ungünstige Lichtverhältnisse
  • störende Blendung
  • mangelhafte Zeichendarstellung
  • unzureichende Korrektur des Sehvermögens

Nur wenige, meist junge Menschen haben ein uneingeschränkt gutes Sehvermögen. Kleine Abweichungen werden im normalen Alltag durch Ausgleichsmechanismen des Auges und des Gehirns kompensiert: Der Betroffene merkt gar nichts davon.

Die höheren Anforderungen von Bildschirmarbeitsplätzen lassen jede vorhandene Einschränkung des Sehvermögens spürbar werden. Oft klagen die Betroffenen über Kopfschmerzen, brennende und tränende Augen und über Flimmern vor den Augen. Abhilfe schafft hier eine passende Korrektur des Sehvermögens.

Psychische Belastungen

Jede Tätigkeit, auch eine vorwiegend körperliche, kann psychisch belastend sein. Dabei ist ”psychische Belastung“ eine Bezeichnung für alle Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und psychisch auf ihn einwirken. Psychische Belastungen können einerseits Anregungseffekte haben und andererseits psychische Ermüdung verursachen.

Erhöhte psychische Belastungen bei der Arbeit an Bildschirmgeräten entstehen z.B. durch folgende Faktoren:

  • gleichförmige Tätigkeiten
  • Unter- bzw. Überforderung
  • keine ganzheitlichen Arbeitsaufgaben
  • starre, vorgegebene Arbeitsabläufe
  • hoher Zeit- und Arbeitsdruck
  • unzureichende Unterrichtung und Unterweisung
  • mangelhafte Qualifizierung
  • Einschränkung der persönlichen Kommunikationsmöglichkeiten

Die Gefährdungsbeurteilung im Büro

Der Arbeitgeber hat die Pflicht, die Arbeitsbedingungen auch an Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen zu beurteilen. Wie die Beurteilung durchgeführt wird, ist dem Arbeitgeber freigestellt, natürlich mit der möglichen Einschränkung in der Praxis, dass die zuständige Behörde das Ergebnis der Beurteilung bemängelt und Nachbesserungen fordert.

Vorgehensweise

Eine gängige Vorgehensweise bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen ist z.B.:

  • Planung der Vorgehensweise
  • Festlegung der für die Beurteilung zuständigen Personen auf der Grundlage des bestehenden Arbeitsschutzsystems (für größere Unternehmen ist es sinnvoll, ein Beurteilungsteam zu bilden)
  • systematische Untersuchung der Arbeitsplätze, der Arbeitsumgebung und der Arbeitsabläufe, möglichst mit der Beteiligung der Beschäftigten
  • Festlegung und Umsetzung von Maßnahmen
  • Dokumentation der Ergebnisse sowie der getroffenen Maßnahmen und deren Wirksamkeit
  • Wiederholung

Die Beurteilung ist in regelmäßigen Zeitabständen, bei Änderungen am Arbeitsplatz sowie bei Beschwerden, die auf die Tätigkeit am Bildschirmarbeitsplatz zurückzuführen sind, im erforderlichen Umfang zu wiederholen.

Dokumentation

Die Gefährdungsbeurteilung ist vor der Aufnahme der Tätigkeiten unabhängig von der Zahl der Beschäftigten zu dokumentieren. In der Dokumentation ist anzugeben, welche Gefährdungen am Arbeitsplatz auftreten können und welche Maßnahmen durchgeführt werden müssen.

Hilfen

WEKA MEDIA bietet Material zur Unterstützung bei der Durchführung und Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung an,von Checklisten bis hin zu fertigen Vorlagen für die Gefährdungsbeurteilung.

Tipp: Nutzen Sie die exemplarische Muster-Gefährdungsbeurteilung Büro für die Gefährdungsbeurteilung Ihrer Bildschirmarbeitsplätze.

Autor: Dr. Kurt Kropp