Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
14.04.2016

Die Gefährdungsbeurteilung für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze

Bildschirmarbeit ist in Deutschland weit verbreitet. In Deutschland sind es etwa 18 Millionen Arbeitsplätze, die unter diese Kategorie fallen. Entsprechend wichtig ist daher auch das Thema Arbeitsschutz: die Belastung der Augen, die Sitzhaltung oder die Ergonomie beispielsweise sind Kriterien, die großen Einfluss auf die Gesundheit von Arbeitnehmern nehmen. Was aber fordern die Gefährdungsbeurteilung und andere Verordnungen im Zusammenhang mit einem Bildschirmarbeitsplatz konkret?

Bildschirmarbeit© Erik Snyder/​iStock/​Thinkstock

Beim Thema Bildschirmarbeit hat der Gesetzgeber vorgesorgt. So existieren im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsstättenverordnung bereits wichtige Vorgaben, die es zu erfüllen gilt. Diese sorgen in Verbindung mit Technischen Regeln für Arbeitsstätten und einer Bildschirmarbeitsplatzverordnung dafür, dass ein Unternehmer weiß, worauf er zu achten hat. Mit DGUV Informationen existieren zudem Leitfäden zur Ausgestaltung von Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen.

Gefährdungsbeurteilung Büro: Was ist beim optimalen Bildschirmarbeitsplatz zu beachten?

Für die Gefährdungsbeurteilung von Bildschirmarbeitsplätzen sind insbesondere die folgenden Punkte wichtig:

Sind die Bildschirme für die Arbeitsaufgaben geeignet?

  • Bildschirm muss frei und leicht dreh- und neigbar sein
  • Bild muss stabil und flimmerfrei, ohne Verzerrungen sein
  • Bildwiederholfrequenz bei Kathodenstrahlbildschirmen mit Positivdarstellung 100 Hz –
    mindestens jedoch 85 Hz
  • Zeichen scharf und deutlich, ausreichend groß und mit angemessenem Zeichen- und Zeilenabstand
  • Positiv-Darstellung der Zeichen (d.h. dunkle Zeichen auf hellem Hintergrund)
  • Bildschirmoberfläche so ausgeführt, dass Reflexionen weitgehend vermieden sind
  • Größe der Bildschirme muss sich nach der Art der Arbeitsaufgabe richten

Bildschirmgerät, Tastatur und Vorlagenhalter sollten ergonomisch günstig angeordnet sein

  • Vor der Tastatur Handauflagefläche von 100 – 150 mm vorsehen
  • Bildschirme so anordnen, dass oberste Bildschirmzeile unter der horizontalen Blicklinie liegt
  • Bildschirm parallel zur Fensterfront (nicht direkt vor dem Fenster oder mit Fenster im Rücken) und zwischen den Lichtbändern an der Decke aufstellen
  • Gerät so anordnen, dass Sehentfernung zum Bildschirm, Vorlagenhalter und Tastatur möglichst gleich ist
  • Sehabstand zum Bildschirm von mindestens 500 mm einhalten

Aktive Angebotsvorsorge bei Bildschirmtätigkeiten

  • Die Angebotsvorsorge für jeden am Bildschirmgerät tätigen Mitarbeiter enthält das Angebot auf eine angemessene Untersuchung der Augen und des Sehvermögens ist Beschäftigten im Alter bis zu 40 Jahren alle 5 Jahre, älteren Beschäftigten alle 3 Jahre anzubieten.
  • Ist demnach eine augenärztliche Untersuchung erforderlich, so ist diese zu ermöglichen.

Die Software sollte benutzerfreundlich sein

  • Software soll an die auszuführende Aufgabe anpassbar sein
  • Software muss zur Bearbeitung der Aufgabe ausreichend Funktionen zur Verfügung stellen
  • Programmreihenfolge soll Bearbeitungsreihenfolge entsprechen
  • Beschreibung der Fehler bei der Handhabung, Korrektur muss mit begrenztem Aufwand möglich sein
  • Software muss den Kenntnissen und Erfahrungen der Benutzer angepasst sein
  • Rückgängigmachen der letzten Bearbeitungsschritte

Bei Bildschirmarbeitstischen auf folgende Maße achten:

  • Nicht höhenverstellbare Tische müssen eine Tischhöhe von 72 – 76 cm haben
  • Höhenverstellbare Tische sind ergonomisch günstiger, weil sie einen Steh-Sitz-Arbeitsplatz ermöglichen und die Tischhöhe individuell auf den Benutzer eingestellt werden kann (Verstellbereich 65 bis 125 cm)
  • Ausreichend groß ist eine Arbeitsfläche, wenn ihre Maße mindestens 1,60 m x 0,80 m betragen
  • Zur Vermeidung von Zwangshaltungen ist ausreichender Beinfreiraum unter dem Tisch vorzusehen (Mindestbeinraumbreite 850 mm, empfohlen 1200 mm)

Geeignete Bürostühle für Bildschirmarbeit verfügen über folgende Punkte:

  • Der Büroarbeitsstuhl soll die natürliche Haltung des Menschen im Sitzen unterstützen und im angemessenen Verhältnis zur Arbeitsaufgabe Bewegungen fördern.
  • Kippsicheres Untergestell mit fünf gleichartigen Abstützpunkten oder gebremsten Rollen (Rollen entsprechend Fußbodenbelag wählen)
  • Individuelle Einstellmöglichkeiten
  • Abstützung des Rückens in der vorderen und hinteren Sitzposition
  • Abgerundete oder gepolsterte Sitzflächenvorderkante

Wer am Bildschirm arbeitet, sollte regelmäßig Pausen einlegen

  • Empfohlen wird eine Arbeitsunterbrechung von etwa zehn Minuten pro Arbeitsstunde
    (ein leichtes Augentraining von 2-3 min alle 20 min wäre sinnvoll, u.a. liegender acht nachsehen, einem aufgerichteten Zeigefinger ansehen, dabei in die Nähe der Augen und weiter weg führen)
  • Zudem kann eine reguläre größere Pause den durch Bewegungsarmut und falsche Sitzhaltung verursachten Muskel-Skelett-Belastungen vorbeugen.

Tipp: Nutzen Sie die Muster-Gefährdungsbeurteilung Büro für die Gefährdungsbeurteilung Ihrer Bildschirmarbeitsplätze.

Autor: Stefan Johannsen 

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