07.07.2022

Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz – damit der Rücken nicht mehr zwickt

Ergonomie – woran denken Sie bei diesem Begriff, wenn es um Bildschirmarbeitsplätze geht? Vermutlich vor allem an körpergerechtes Sitzen und dadurch vermiedene gesundheitliche Folgen wie Rückenschmerzen oder einen „Maus-Arm“. Doch Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz umfasst noch weitaus mehr Aspekte. Welche es sind und warum Arbeitgeber darauf besonders achten müssen, lesen Sie in diesem Beitrag.

Frau macht Yoga am Bildschirmarbeitsplatz

Bei einer mangelhaften Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz kann die Gesundheit der jeweiligen Kollegen schweren bis hin zu irreparablen Schaden nehmen. Die Realität zeigt, dass es jedoch bei Bildschirmarbeitsplätzen viel Nachholbedarf gibt.

Eine schlechte Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz führt häufig zu Muskel- und Skeletterkrankungen, ohnehin die häufigsten arbeitsbedingten Erkrankungen in Europa. Sie betreffen Millionen von Arbeitnehmern und verursachen für Arbeitgeber Kosten in Höhe von mehreren Milliarden Euro.

Gesundheitliche Risiken vermeiden

Treten am Bildschirmarbeitsplatz erst einmal Beschwerden auf, so liegt es häufig gleich an mehreren ergonomischen Versäumnissen, die zusammenwirken. Dazu gehören u.a.:

  • ungünstige und starre Körperhaltungen
  • langes Sitzen oder Stehen in derselben Position
  • sich gleichförmig wiederholende oder gewaltsame Bewegungen
  • psychische Belastungen (durch z.B. Lärm oder/und Vibrationen, schlechte Beleuchtung)
  • psychosoziale Gefährdungen (z.B. hohe Arbeitsbelastung, geringe Autonomie, Unzufriedenheit mit der Arbeit)

Was gehört alles zur Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz dazu?

Aspekte der ergonomischen Gestaltung von Arbeitsplätzen umfassen neben den Körpermaßen der dort tätigen Menschen auch Faktoren wie physische und psychische Belastungen, Lärm und Vibrationen oder das Raumklima (Licht, Strahlung, Temperatur). Die Arbeitsmittel selbst sind lediglich eine Komponente des ergonomischen Arbeitssystems und sollten daher nicht isoliert betrachtet werden.

Elemente eines ergonomischen Bildschirmarbeitsplatzes
Die Abbildung verdeutlicht, welche Elemente die Ergonomie am Bildschirmarbeitsplatz ausmachen.

Vorgaben für Bildschirmarbeitsplätze

Speziell bei Bildschirmarbeitsplätzen betrifft die Ergonomie u.a. eine dynamische Sitzhaltung, ausreichend Beinfreiheit und Arbeitsfläche am Schreibtisch sowie die Verwendung geeigneter Arbeitsmittel. Denn auch bei Tastatur, Maus oder Computerbildschirm muss auf Ergonomie geachtet werden. So kann schon ein falscher Winkel der Tastatur und des Bildschirms bei langer Arbeit zu körperlichen Beschwerden führen, die bei einer ergonomischen Gestaltung des Arbeitsplatzes nicht auftreten würden.

Zehn Tipps für die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung:

1) Richtiges Sitzen

Sehr wichtig ist ein ergonomischer Stuhl, dessen Sitzfläche, Arm- und Rückenlehne individuell regulierbar sind. Richtig sitzt man, wenn die Fußsohlen den Boden komplett berühren, während Ober- und Unterschenkel einen 90-Grad-Winkel bilden. Das Geheimnis, um lange durchzuhalten, ist das „dynamische Sitzen“: Die häufige Änderung der Sitzposition entlastet den Körper und verhindert Verspannungen. Optimal ist eine Lehne, die dem Rücken in jede Position folgt. Diese muss natürlich je nach Körpergewicht härter oder schwächer federn.

2) Monitor

Der obere Rand des Bildschirms sollte maximal auf Augenhöhe sein, um eine natürliche Kopfhaltung zu erreichen. Optimal ist dabei eine um 35° nach unten geneigte Blicklinie. Zwischen Monitor und Augen wird ein Abstand zwischen 50 cm und 80 cm empfohlen. Der Sehabstand richtet sich dabei nicht nur nach der Bildschirmgröße, sondern auch nach der Sehaufgabe. Wichtig ist auch, dass der Bildschirm flimmerfrei ist und eine hohe Auflösung bietet. Technologiebedingt bieten moderne LCD-Bildschirme auch bei einer Bildwiederholfrequenz von 60 Hz ein absolut flimmerfreies Bild.

3) Schreibtisch

Ideal ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch, der je nach Körpergröße eine Höhe zwischen 68 cm und 82 cm haben sollte. Die Unterarme sollten dabei waagerecht auf dem Tisch aufliegen und einen 90-Grad-Winkel zu den Oberarmen bilden. Die Schreibtischplatte sollte mindestens 160 cm breit und 80 cm tief sein.

Wichtige Voraussetzungen für ergonomische Sitzposition an einem Schreibtisch
Dieses Bild zeigt wichtige Voraussetzungen für eine ergonomische Sitzposition an einem Schreibtisch.

4) Platzierung

Bildschirm und Tastatur werden direkt auf dem Schreibtisch und frontal zur Sitzposition aufgestellt. Dabei sollte die Blickrichtung parallel zu einem Fenster verlaufen. Ein Fenster hinter oder vor dem Arbeitsplatz ist weniger geeignet, da es zu Spiegelungen und Blendungen führen kann. Aber auch ein Platz mit dem Rücken zur Tür kann zu Stress und Unzufriedenheit führen. Genau wie der direkte Blick auf eine Wand.

5) Beleuchtung

Für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit darf die Schreibtischlampe nicht blenden und muss den kompletten Arbeitsbereich ausleuchten. Als Lichtfarbe werden Neutralweiß oder Warmweiß empfohlen, wobei alle Leuchtquellen in einem Raum dieselbe Lichtfarbe haben sollten.

6) Raumklima

In einem Raum werden 21 °C bis 23 °C als angenehm empfunden, im Winter auch bis zu 26 °C. Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Dies kann durch großblättrige Pflanzen wie die Zimmerlinde erreicht werden. Auch regelmäßiges Stoßlüften verbessert das Raumklima.

7) Ordnung

An einem aufgeräumten Arbeitsplatz lässt es sich nicht nur angenehmer, sondern auch weit produktiver arbeiten. Daher der Tipp: Dokumente in Ablagen einordnen, Unnötiges wegwerfen, allen Dingen einen festen Platz zuweisen und jeden Abend den Schreibtisch aufräumen.

8) Dekoration

Um das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu steigern, empfiehlt sich die individuelle Gestaltung mit Bildern, Fotos und Pflanzen. Natürlich dürfen die Kollegen dadurch nicht gestört oder eingeschränkt werden.

9) Stressfaktor Lärm

Schon die Lautstärke eines normalen Gesprächs kann zu Konzentrationsschwierigkeiten führen. Beim Kauf von Büromaschinen sollte darauf geachtet werden, leise Geräte zu wählen und sie in einem eigenen Raum aufzustellen. Schallabsorbierende Raumgliederungssysteme können den Lärm in Büros zusätzlich mindern.

10) Bewegung

Es empfiehlt sich, regelmäßig aufzustehen und sich zu bewegen, um den Kreislauf anzuregen. Dabei hilft es schon, die Ordner und den Drucker außer Reichweite zu platzieren oder den Arbeitskollegen kurz zu besuchen, statt anzurufen bzw. eine E-Mail zu schreiben. Auch einfache Übungen zwischendurch, wie z.B. die Schultern bewegen oder den Oberkörper strecken, lockern die verspannten Muskeln.

Die Rechtsgrundlagen für ergonomische Bildschirmarbeitsplätze

Einzelheiten zu diesem Themenfeld sind der DGUV Information 215-410 „Bildschirm- und Büroarbeitsplätze – Leitfaden für die Gestaltung zu entnehmen. Zu berücksichtigen ist auch die europäische Normenreihe DIN EN ISO 9241 „Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten.

Im Arbeitsschutzgesetz wird der Begriff der Ergonomie zwar nicht explizit erwähnt, doch es ist der Arbeitgeber gemäß § 3 ArbSchG bekanntlich dazu verpflichtet, „eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben“.

Noch konkreter wird die 2016 umfassend geänderte Arbeitsstättenverordnung. Hier wird der Begriff der Ergonomie inzwischen auch wörtlich berücksichtigt. Konsequenterweise müssen psychische Belastungen heutzutage auch bei der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Dazu gehören neben Belastungen und Beeinträchtigungen der Beschäftigten durch z.B. störende Geräusche oder Lärm auch Belastungen durch scheinbar „rein physische“ Aspekte wie ergonomische Mängel am Arbeitsplatz. Letztere werden nun also auch den psychischen Belastungen zugeordnet. So stellt die ArbStättV klar, dass der Gesundheitsbegriff sowohl die physische als auch die psychische Gesundheit umfasst und beide Elemente im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen sind.

Autor*innen: Christine Lendt , WEKA Redaktion