Fachbeitrag | Organisation und Dokumentation
23.03.2015

Der Sicherheitsbeauftragte – Aufgaben und Bestellung nach DGUV Vorschrift 1

Jeder Unternehmer ist der vor kurzem in Kraft getretenen DGUV Vorschrift 1 zufolge (sowie der DGUV Regel 100-001) rechtlich verpflichtet, ab 21 Beschäftigten mindestens einen Sicherheitsbeauftragten schriftlich zu bestellen.

Sicherheitsbeauftragte besprechen ihre betrieblichen Pflichten.© simonkr /​ iStock /​ Thinkstock

Die definitive Anzahl der Sicherheitsbeauftragten, die ein Unternehmer bestellen muss, hängt allerdings von der Beschäftigtenzahl ab.

 

Fünf Kriterien zur Auswahl von Sicherheitsbeauftragten nach DGUV Vorschrift 1

Anhand von fünf verbindlichen Kriterien können Unternehmer die Anzahl der Sicherheitsbeauftragten für ihren Betrieb individuell festlegen:

  1. Im Unternehmen bestehende Unfall- und Gesundheitsgefahren
    (bei größeren Gefährdungen mehrere Sicherheitsbeauftragte bestellen)
  2. Räumliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
    (Sicherheitsbeauftragte sollten als Ansprechpartner vor Ort erreichbar sein)
  3. Zeitliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
    (insbesondere für Schichtbetriebe oder bei vielen Abteilungen wichtig)
  4. Fachliche Nähe der zuständigen Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten
    (Sicherheitsbeauftragte sollten mit der Mitarbeiterstruktur, den Gefährdungen vor Ort, und sprachlichen und kulturellen Besonderheiten vertraut sein. Dies ist oft der Fall, wenn sie die gleiche oder eine ähnliche Tätigkeit wie die anderen Beschäftigten ausüben)
  5. Anzahl der Beschäftigten
    (auch in Betrieben mit weniger als 21 Mitarbeitern hat es sich bewährt, Sicherheitsbeauftragte zu bestellen, beziehungsweise mehr Sicherheitsbeauftragte als gesetzlich gefordert zu bestellen. Dies ist unter anderem bei Baubetrieben mit regelhaft mehreren Baustellen oder Filialbetrieben und Warenhäusern mit mehreren Etagen sinnvoll)

Aus diesen Kriterien kann sich individueller Handlungsbedarf auch für ihr Unternehmen ergeben.

 

Worauf sollte der Arbeitgeber in Bezug auf Sicherheitsbeauftragte achten?

  • Beschäftigte, die besonders erfahren, fach- und sachkundig, akzeptiert, engagiert und sozialkompetent sind, die die arbeitsstättenbezogene Mitarbeiterstruktur und die jeweiligen Gefährdungen kennen, eignen sich am ehesten für das Amt eines Sicherheitsbeauftragten.
  • Es sollten keine Mitarbeiter zu Sicherheitsbeauftragten berufen werden, die eine eigenständige Verantwortung besitzen, beispielsweise Meister oder andere betriebliche Vorgesetzte.
  • Sicherheitsbeauftragte sollten die Gefährdungsbeurteilung kennen.
  • Sicherheitsbeauftragte sollten, soweit erforderlich, an Aus- und Fortbildungsmaßnahmen der Berufsgenossenschaft ohne eigene Kosten teilnehmen können, beziehungsweise sich gegeben falls auch zu Beauftragten weiterbilden lassen können (Leiterbeauftragter, RegalChecker, Gefahrstoffbeauftragter…).
  • Sicherheitsbeauftragte sollten im Organigramm der jeweiligen Arbeitsstätte ausgewiesen sein.

 

Die Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten

Sicherheitsbeauftragter zu werden, ist ein Ehrenamt, es spricht aber nichts dagegen, diese Funktion bei guter Arbeit auch entsprechend wertzuschätzen.Bei Sicherheitsbeauftragten handelt es sich um interne Beschäftigte, die in den normalen Arbeitsablauf integriert sind und auf sicheres Verhalten ihrer Kollegen direkt am Arbeitsplatz einwirken sollen.

Allerdings haben sie keine Weisungsbefugnis, sondern lediglich eine beratende Funktion dem Unternehmer oder Vorgesetzten gegenüber. Deshalb können die Sicherheitsbeauftragten zivil- und strafrechtlich nicht haftbar gemacht, beziehungsweise wegen der Erfüllung der ihnen übertragenen Aufgaben nicht benachteiligt werden. Die rechtliche Verantwortung für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz liegt beim  Unternehmer.
Sicherheitsbeauftragte sind dafür vorgesehen, gemeinsam mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit (FaSi) und dem Betriebsarzt, den Unternehmer bei der Verhütung von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu unterstützen, zum Beispiel im Rahmen regelmäßig stattfindender Arbeitsschutzausschusssitzungen (§ 11 ASiG), Begehungen und Unfalluntersuchungen.

 

Sicherheitsbeauftragte können zur Unterstützung des, für den Arbeitsschutz verantwortlichen, Unternehmers unter anderem folgende Aufgaben wahrnehmen:

  • Sicherheits- und gesundheitsgerechtes Verhalten als Vorbildfunktion wahrnehmen.
  • Hilfestellung für Kollegen bei der Umsetzung des Arbeitsschutzes anbieten.
  • Auf den Zustand der technischen Schutzeinrichtungen und der persönlichen Schutzausrüstungen achten, gegebenen falls Bestellungen veranlassen oder vornehmen.
  • Auf die ordnungsgemäße Nutzung und das Vorhandensein von persönlicher Schutzausrüstung und Schutzeinrichtungen achten (zum Beispiel Tragen von PSA, Erste-Hilfe Kästen kontrollieren, Brandschutz).
  • Sicherheitstechnische Mängel und Unfallgefahren zeitnah an Vorgesetzte melden, Verbesserungsvorschläge machen.
  • Mitarbeiter über den sicheren Umgang mit Maschinen, Arbeitsstoffen und Arbeitshygiene informieren und aufmerksam machen.
  • An Betriebsbegehungen und Unfalluntersuchungen teilnehmen.
  • Sich besonders um neue Mitarbeiter, um Jugendliche, um den Mutterschutz und um Fremdfirmen kümmern.
    Mängel, soweit möglich, selbst beseitigen (zum Beispiel Stolperstellen).
  • Führen des Arbeitsmittelverzeichnisses (Beachtung der Prüffristenintervalle).
  • Pflegen eines Arbeitsschutzmanagementsystems.
  • Den besonders betreuungsbedürftigen Personen wie Berufsanfängern, Betriebsneulingen, Jugendlichen, fremdsprachigen Beschäftigten und Behinderten Personen ein erhöhtes Augenmerk zukommen zu lassen.

Der Sicherheitsbeauftragte sollte bei seinen Aufgaben immer von den anderen Beschäftigten unterstützt werden (§ 16 ArbSchG). Die Aufgaben des Sicherheitsbeauftragten sollten überschaubar bleiben, in der schriftlichen Bestellung festgehalten werden und in gegenseitigem Einvernehmen sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Sicherheitsbeauftragten gegengezeichnet werden.

Die Ernennung, beziehungsweise die Beauftragung, erfolgt in Absprache mit der gewählten Mitarbeitervertretung und dem Betriebs- und Personalrat und sollte umgehend allen Beschäftigten bekanntgegeben und im Firmenorganigramm ausgewiesen werden.

Das Amt des Sicherheitsbeauftragten muss kein Amt für das verbleibende Arbeitsleben sein, sondern kann auch niedergelegt oder auf andere Personen übertragen werden.

Autor: Stefan Johannsen 

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