08.04.2019

Arbeitsschutz im Homeoffice

Immer mehr Unternehmen bieten (teilweises) Arbeiten von zu Hause aus an. Entsteht auf diese Weise ein Homeoffice, müssen auch dort die Arbeitsschutzvorschriften  beachtet werden. Wie "Homeoffice" definiert ist und worauf die Arbeitsstättenverordnung bei Homeoffice wert legt, lesen Sie in diesem Beitrag.

Arbeitsstättenverordnung Homeoffice

Für viele Beschäftigte bedeutet das Arbeiten im Homeoffice mehr Selbstbestimmung. Außerdem entfallen die Pendelzeiten. Die Frage ist allerdings, wie in diesem Fall der Arbeits- und Gesundheitsschutz gewährleistet werden kann.  Denn auch im Homeoffice muss der Arbeitgeber seiner allgemeinen Fürsorgepflicht nach § 618 BGB nachkommen und gesetzliche Bestimmungen wie das Arbeitsschutzgesetz, das Arbeitszeitgesetz, die verschiedenen Arbeitsschutzverordnungen und die Arbeitsstättenverordnung beachten.

Regelungen der Arbeitsstättenverordnung zu Homeoffice

Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) spielt bei der Errichtung von festen Homeoffice-Arbeitsplätzen eine zentrale Rolle. Sind die Beschäftigten dort regelmäßig tätig, muss der Arbeitsschutz nach § 2 Abs. 7 ArbStättV gewährleistet werden.

Vor erstmaliger Einrichtung eines „Telearbeitsplatzes“ ist dieser deshalb einer Gefährdungsbeurteilung zu unterziehen – es sei denn, dieser ist mit dem Arbeitsplatz im Unternehmen identisch, was aber selten der Fall sein wird. Arbeitgeber tun also gut daran, eine solche Gefährdungsbeurteilung auf jeden Fall durchzuführen. Durchgeführt wird sie vom Arbeitgeber. Der Beschäftigten soll nur mitwirken, mehr auch nicht. Wie alle anderen Beschäftigten müssen auch jene im Homeoffice ausreichend und angemessen unterwiesen werden.

Keine regelmäßige Wiederholung

Anders als bei Arbeitsplätzen im Unternehmen muss beim Telearbeitsplatz die Gefährdungsbeurteilung nicht regelmäßig wiederholt werden (vgl. § 1 Abs. 3 Nr. 1 ArbStättV). Auch gilt die Prüfpflicht nicht bei gelegentlichem Arbeiten von zu Hause.

Zutritt zum Homeoffice-Arbeitsplatz

Die Gefährdungsbeurteilung ist nur mit Zustimmung des Beschäftigten möglich. Vereinbaren Sie deshalb ein vertragliches Zutrittsrecht, wobei die Privatsphäre des Beschäftigten ausreichend berücksichtigt werden muss.  Ansonsten droht die Unwirksamkeit wegen unangemessener Benachteiligung (§ 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB). Regeln Sie, dass
ein Zutritt nur in Absprache mit dem Beschäftigten durchgeführt werden darf und diese Regelung durch ihn jederzeit widerrufen werden kann. Achten Sie auch auf die Beteiligungsrechte des Betriebsrats.

Schutzlücken im Homeoffice

Da im Homeoffice Privates und Berufliches oft nicht sauber getrennt sind, müssen Arbeitnehmer mit Schutzlücken leben. Wer z. B. im Homeoffice arbeitet und sich auf dem Weg vom Schreibtisch zum Kühlschrank durch Ausrutschen verletzt, kann keinen Arbeitsunfall geltend machen (Bundessozialgericht, Urteil v. 5.7.2016, Az: B 2 U 2/15 R). Auch hat ein Beschäftigter im Homeoffice, der sein Kind von zu Hause aus in den Kindergarten oder in die Schule bringt, keinen Unfallschutz – anders als ein Beschäftigter, der sein Kind auf dem Weg in das Unternehmen noch dort absetzt. Etwas anderes ist es allerdings, wenn der Weg innerhalb der Wohnung eindeutig dienstlich ist (z. B. Unfälle auf dem Weg zu einem Raum, in dem der Mitarbeiter ungestört mit einem Kollegen im Unternehmen telefonieren kann Bundessozialgericht, Urteil v. 27.11.2018, Az.: B 2 U 28/17 R).

Hinweis

Die Arbeitsstättenverordnung gilt für Telearbeitsplätze, greift jedoch nicht für mobile Arbeit.

Homeoffice oder nicht?

Die Prüfpflichten des Arbeitgebers hinsichtlich des Arbeitsschutzes gelten nicht, wenn die Beschäftigten gelegentlich von zu Hause aus arbeiten. Wenn im Arbeitsvertrag nichts geregelt ist, kommt es auf die quantitative Zuordnung an. So besteht kein Homeoffice, wenn nur an zwei Tagen pro Woche im Unternehmen und an drei Tagen zu Hause
gearbeitet wird. Dies gilt auch, wenn ein zu Hause arbeitender Beschäftigter jeden Tag ins Unternehmen geht, selbst wenn es nur für eine Stunde ist. Wenn ein Beschäftigter jedoch jeden Tag zu Hause arbeitet und nur gelegentlich im Unternehmen vorbeischaut, besteht ein Homeoffice-Arbeitsplatz.

Autor: Markus Horn