19.03.2018

Das lange Warten auf den Steuerbescheid

Wehe, man gibt die Steuererklärung nicht pünktlich ab – dann setzt es was vom Finanzamt. Aber wie pünktlich ist umgekehrt das Finanzamt beim Steuerbescheid? Der Bund der Steuerzahler wollte es genauer wissen. Am schnellsten arbeiten die Finanzämter in – Berlin.

Auf den Steuerbescheid muss man in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich lange warten.

Steuerbescheid für 2016 – in Berlin am schnellsten

Genau 36,5 Tage dauerte 2017 in Berlin die Zeit von der Steuererklärung zum Steuerbescheid für 2016. Und das über alle Steuerzahler hinweg. Das waren knapp zwei Tage weniger als im Jahr zuvor und sogar 19 Tage weniger als bei der langsamsten Finanzverwaltung.

Bei Arbeitnehmern ging es in Berlin sogar noch etwas schneller. Sie mussten nur 35 Tage warten, Selbstständige und Unternehmer 40 Tage. Das berichtet „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf den Bund der Steuerzahler.

Durchschnittszahlen von allen 16 Finanzverwaltungen

Der Bund der Steuerzahler hat demnach erhoben, wie lange die Finanzämter in den einzelnen Bundesländern brauchen, um eine Steuererklärung zu bearbeiten und den Bescheid zu versenden.

Dazu hat der BdSt die entsprechenden Durchschnittszahlen bei allen 16 Finanzverwaltungen abgefragt. Erfasst wurden alle Steuererklärungen, die bis zum 31. Dezember vergangenen Jahres abgegeben worden waren.

90 Prozent Rückerstattungen für Arbeitnehmer

Dem Bericht zufolge können rund 90 Prozent der Arbeitnehmer mit einer Rückerstattung von zu viel gezahlten Steuern rechnen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts (Destatis) beträgt die Summe, die Arbeitnehmern durchschnittlich vom Finanzamt gutgeschrieben wird, immerhin 935 Euro.

Schnelligkeit ist also letztlich ein Dienst am Bürger. Hier habe sich Berlin nun erstmals den ersten Rang verdient und Hamburg vom Spitzenplatz verdrängt. Dort brauchten die Finanzämter neuerdings deutlich länger. Die Bearbeitungszeit habe sich in der Hansestadt gegenüber dem Vorjahr plötzlich um viereinhalb Tage verlängert und beträgt nun 41 Tage, gefolgt vom Saarland mit 41,6 Tagen Bearbeitungszeit.

Nordrhein-Westfalen bis vier Monate

Am längsten dauert der Steuerbescheid laut „Welt“ in Niedersachsen und Bremen mit 55,7 und 55,9 Tagen. Ganz am Ende der Liste steht Nordrhein-Westfalen. Dessen Finanzverwaltung fühle sich leider nicht in der Lage, Durchschnittszahlen zu ermitteln. Stattdessen heißt es dort, dass innerhalb von zwei Wochen bis vier Monaten 95 Prozent der Einkommensteuererklärungen bearbeitet würden. Und in sechs Monaten seien dann 99 Prozent bearbeitet – „was letztlich gar nichts sagt“, so der „Welt“-Kommentar dazu.

Immerhin: Bremen und Niedersachsen haben die Bearbeitungszeit in den vergangenen zwei Jahren deutlich verkürzt. Niedersachsen um 15 und Bremen sogar um 17,4 Tage. Die Finanzämter des Saarlands brauchen inzwischen sogar nur noch 41,6 Tage statt 61 wie im Jahr 2014. Dadurch hat sich das Bundesland innerhalb von zwei Jahren von Rang 12 auf Platz drei hochgearbeitet.

Steuerbescheid: Selbstständige werden im Norden schneller bedient

Nur auf Arbeitnehmer bezogen sieht die Rangliste ähnlich aus wie beim Gesamtergebnis. Für Selbstständige und Unternehmer dagegen gibt es Abweichungen davon. Bremen und Niedersachsen sind hier etwas schneller als bei der Bearbeitung der Unterlagen von Arbeitnehmern.

Dafür schneidet in dieser Kategorie Hessen mit Abstand am schlechtesten ab. Dort müssen Selbstständige und Unternehmer 64,8 Tage auf ihren Steuerbescheid warten – das sind fast 25 Tage mehr als in Berlin.

Elster beflügelt die Bearbeitung

Letztlich sind Steuerpflichtige der Schnelligkeit bzw. Langsamkeit ihres Finanzamts ausgeliefert. Sie können aber dennoch einiges tun, um den Finanzbeamten die Arbeit zu erleichtern und damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass sie ihren Bescheid schneller erhalten.

So rät der Bund der Steuerzahler zu einer möglichst frühzeitigen Abgabe. Die Einkommensteuererklärungen würden grundsätzlich in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet.

Hier geht es zur Website des Bunds der Steuerzahler: www.steuerzahler.de.

Vorausgefüllte Steuererklärung

Noch schneller geht die Steuererklärung online über das Portal „Elster“. Zwar werden diese nicht bevorzugt bearbeitet. Die Daten liegen dann aber bereits elektronisch vor. Die Bearbeitungszeit verkürzt sich dadurch um einige Tage.

Bestätigung dafür findet sich auch in einem ausführlichen Bericht des Newsletters für Selbstständige und Unternehmer „SteuerSparbrief AKTUELL“ (4/2018). Ihm zufolge wird die „vorausgefüllte Steuererklärung“ über Elster noch selten genutzt. Was erstaunlich ist – denn man kann mit deren Hilfe einen Großteil der erforderlichen Daten automatisch über das Elster-Portal übernehmen.

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Autor: Franz Höllriegel