31.01.2020

Braucht die Technik-Redaktion Adobe Photoshop oder gibt es gute Alternativen?

In der Technik-Redaktion kommt die Sachfotografie immer wieder zum Einsatz und das Fotografieren von Objekten bedarf eines gewissen Aufwands, um eine hohe Bildqualität zu garantieren. Diese ist jedoch nicht allein von der verwendeten Hardware abhängig, sondern auch von der Software. Eine oft gewählte und etablierte Software ist Adobe Photoshop.

Adobe Photoshop Alternativen

Wofür benötigt man Bildbearbeitungssoftware?

In der Digitalfotografie sollte die digitale Nachbearbeitung ein fester Bestandteil des fotografischen Prozesses sein, da sie essenziell ist, um eine unkomprimierte RAW-Datei in ein druckbares Format umzuwandeln, wie beispielsweise das TIF- oder JPEG-Format.

Eine oft gewählte und etablierte Software ist Adobe Photoshop. Seit den frühen 1990er-Jahren hat sich die Software als Standard etabliert. Seitdem Adobe als Cloud-Dienst agiert und verschiedene Abonnements für alle Softwareprodukte anbietet, kann man Photoshop für einen monatlichen Beitrag von 11,89 EUR erwerben. Je nachdem wie oft die Software benutzt wird, ist der Betrag jährlich vielleicht nicht so erschwinglich, wie er zuerst scheint. Mittlerweile hat sich auch die Softwarelandschaft verändert und Adobe ist nicht mehr der einzige Hersteller moderner Bildbearbeitungssoftware.

Warum Software in der Digitalfotografie benötigt wird und auf was ein Redakteur bei der Auswahl dieser achten muss, soll in diesem Artikel verdeutlicht werden. Ziel des Beitrags ist es, neben Adobe Photoshop weitere Software vorzustellen, die kostengünstiger zu erwerben ist und trotzdem optimale Ergebnisse für die Anforderungen in der Technik-Redaktion liefert.

Was passiert nach dem Fotografieren in der Software?

Die Sachfotografie in der Technik-Dokumentation unterliegt bestimmten Qualitätsanforderungen. Diese verlangen die höchstmögliche Bildqualität, die in der Digitalfotografie vor allem dann erreicht wird, wenn im RAW-Format fotografiert wird. Dieses Format hat den Vorteil, alle Informationen des Sensors zu liefern. So liegt eine rohe Datei vor, die als digitales Negativ bezeichnet werden kann. Auch diese Datei muss „entwickelt” werden, weshalb die Konvertierung durch eine Software nötig ist.

Die RAW-Konvertierung sollte im Wesentlichen die folgenden Schritte enthalten:

  1. Farbinterpolation aus dem Bayer-Mosaik in ein RGB-Farbformat
  2. Weißabgleich-Korrektur
  3. Tonwert-Optimierung
  4. Rauschunterdrückung und weitere Bildfehler

1. Farbinterpolation

Als Erstes folgt die Farbinterpolation und das Anwenden des Farbprofils. Ein RAW-Konverter sollte gute generische Kameraprofile für verschiedene Kameramodelle mitbringen, da das Kameraprofil die jeweilige Farbcharakteristika des Kameramodells beschreibt. Bei der Farbinterpolation werden pro Bildpunkt drei RGB-Komponenten erfasst. Dies geschieht durch unterschiedliche Algorithmen.

2. Grauabgleich-Korrektur

Die korrekte Farbwiedergabe ist in der Sachfotografie unerlässlich und entscheidend für die Bildqualität. Digitalkameras ermöglichen bereits einen manuellen oder automatischen Grauabgleich in der Kamera (leider wird immer von Weißabgleich gesprochen, tatsächlich ist aber Neutralabgleich mit weißen Targets ungenau). In der Praxis erweist sich jedoch die Korrektur im RAW-Konverter als genauer. Durch das Grauabgleich-Tool kann der Konverter den Grauwert messen und darauf basierend die Lichttemperatur anpassen.

Wichtig ist hierbei, ein Referenzbild zu haben. Im Idealfall sollte eine genormte Graukarte (Schwarzanteil von 18 %) in den gleichen Lichtverhältnissen wie das eigentliche Objekt fotografiert werden. Mit dem Grauabgleich-Tool kann dann im Konverter die richtige Farbtemperatur gemessen werden. Der Grauabgleich des Referenzbilds kann nun mit der eigentlichen Aufnahme synchronisiert werden. Wenn keine Graukarte als Referenz dienen kann, bietet der Konverter Auswahlmöglichkeiten an, wie den Temperatur-Regler oder den Grauabgleich über Voreinstellungen zu typischen Aufnahmesituationen anzupassen.

Die Variante mit der Graukarte erweist sich als die zuverlässigste und eignet sich besonders für die Sachfotografie in der Technik-Dokumentation, da die Aufnahmen nicht spontan erfolgen und oft in einer studioähnlichen Situation erfolgen.

3. Tonwert-Optimierung

Wenn die Farbtemperatur stimmt, sollten weitere Korrekturen vorgenommen werden, um die Tonwerte zu optimieren. Bei der Tonwert-Optimierung wird eine Gradationskurve errechnet, um die linearen Helligkeitswerte der Kamera an die Werte anzupassen, die unser menschliches Auge wahrnimmt. Durch die Nutzung der Grundeinstellungen können Belichtung, Kontrast, Lichter und Schatten verändert werden. Auch wenn für alle Parameter automatische Korrekturen zur Verfügung stehen, ist eine individuelle Prüfung wichtig.

4. Rauschunterdrückung und weitere Bildfehler

Das sog. Farbrauschen, das sich mit dem analogen Filmkorn vergleichen lässt, sollte bei einer gering eingestellten ISO-Empfindlichkeit in der Kamera und einer korrekten Belichtung nicht auftreten. Passiert dies trotzdem, sollte eine Rauschreduzierung ebenfalls im RAW-Konverter und nicht erst im Bildeditor vorgenommen werden. So lassen sich bereits zu Anfang leichte Fehler beheben. Ein Konverter bietet ebenfalls Funktionen an, die helfen, häufig vorkommende Bildfehler und Störungen in der Digitalfotografie zu korrigieren.

Dazu zählt hauptsächlich die Korrektur der chromatischen Aberration, des Bildrauschens und von perspektivischen Verzerrungen. Adobe Camera Raw arbeitet für diese Korrekturen unter anderem mit Kamera- und Objektivprofilen. Vor allem die chromatische Aberration, einer der häufigsten Abbildungsfehler von Objektiven führt an starken Hell-Dunkel-Kontrasten zu violetten oder grünen Farbsäumen, die unbedingt vermieden und korrigiert werden sollten. Auch wenn ein Konverter automatische Korrekturen anbietet und diese auch im ersten Ansatz zur Verbesserung beitragen, sollte vor allem die Korrektur der chromatischen Aberration individuell überprüft und durchgeführt werden, damit sich keine anderen Farbverschiebungen einschleichen. Störende Elemente wie Flecken oder Schmutz sollen im Bildeditor retuschiert werden.

Wenn im RAW-Konverter bereits alle nötigen Korrekturen ausgeführt wurden und kein weiterer Bedarf mehr besteht, die Fotografie im Bildeditor weiter zu bearbeiten, kann die Datei aus dem RAW-Konverter exportiert werden. Dabei sollten die Formate Digital-Negativ, JPEG, TIF und Photoshop angeboten werden. Für das Arbeiten in der Technik-Redaktion eignen sich JPEG und TIF besonders. Es ist wichtig, dass die RAW-Datei nicht gelöscht, sondern für Änderungen, die auf höchster Qualitätsstufe passieren sollten, archiviert wird. Eine RAW-Datei ist das einzige Datei-Format, das die ursprüngliche Fotografie ohne nachträgliche Veränderungen darstellt.

So lässt sich festhalten, dass die Bildbearbeitungssoftware in der Technik-Redaktion über Folgendes verfügen sollte:

  • RAW-Konverter (ggf. als separates Programm)
  • verschiedene Dateiformate für den Export
  • Bildeditor für Feinheiten-Retusche

Weitere Informationen zu Software im Vergleich, Adobe Photoshop und die Konkurrenz, finden Sie in unserem Produkt Technische Dokumentation.

Autor: Annika Weertz (Freie Fotografin)