Fachbeitrag | Friedhofsverwaltung
06.06.2016

Hochhaus-Friedhof: Im Tod hoch hinaus

Platzmangel herrscht in vielen Metropolen dieser Welt. Die Immobilienpreise erklimmen astronomische Höhen. Immer mehr Menschen müssen auf immer weniger Platz untergebracht werden. Imposante Wolkenkratzer schießen in den Himmel. Sie dienen nicht nur als Wohnungen und Geschäftsräume, sondern neuerdings auch als Friedhof. Hier ein paar Beispiele für ein Hochhaus-Friedhof.

Hochhaus-Friedhof© Heartland-Arts /​ iStock /​ Thinkstock

Lösung bei Platzmangel auf dem Friedhof

Israel ist ein dicht bevölkertes Land. Gerade in den Städten wie Tel Aviv leben die Menschen auf engstem Raum zusammen. Wohnungen sind schon für die Lebenden Mangelware. Für die Toten bleibt kaum noch Raum. Die meisten Angehörigen möchten die Verstorbenen aber in ihrer Nähe bestatten. Hinzu kommt, dass die Toten nach jüdischem Glaube auf ewig begraben werden und viele Juden aus anderen Ländern im Heiligen Land ihre letzte Ruhe finden möchten. Die Friedhöfe in Israels Städten stoßen an ihre Grenzen. Der Hauptfriedhof in Tel Aviv war so chronisch überbelegt, dass Ehepaare übereinander bestattet werden mussten. Das brachte den findigen Architekten Tuvia Sagiv dazu, in einem Vorort von Tel Aviv auf dem Yarkon-Friedhof ein ein Hochhaus-Friedhof in Beton zu bauen. Da Juden in Erde bestattet werden müssen, hat er die Etagen durch Rohre, die mit Erde gefüllt sind, mit dem Erdreich verbunden. Außerdem befindet sich in und zwischen den Grabkammern Erde. So können zum Beispiel Ameisen ungehindert auf den Friedhof gelangen.

In Brasilien steht in Santos schon seit drei Jahrzehnten das Memorial NecrÓpole Ecumênica, ein vertikaler Friedhof mit 32 Stockwerken. Er beherbergt neben einem Krematorium, Mausoleen und Ossarien auch helle, freundliche Räume für Trauerfeiern und zum stillen Gedenken. Auch übernachten und eine Kleinigkeit essen kann der Besucher. Auf den Etagen findet man Blöcke mit Nummern, die entfernt an die Schließfachanlagen in großen Bahnhöfen erinnern. Die Grabfächer werden belüftet. Nach einer Verwesungszeit von drei Jahren können die sterblichen Überreste des Toten exhumiert und in einen andern Teil des Friedhofs verlegt werden, was bei den hohen Mieten für ein Grab durchaus zu überlegen ist.

Möchte man im Herzen Tokios bestattet werden, kann die Grabstätte so viel wie ein Pkw der gehobenen Mittelklasse kosten. Möchte man sich das nicht leisten, ist auch in Japan ein Hochhaus-Friedhof eine Option. Auf dem Friedhof „Weißer Lotus“ im Zentrum der Stadt meldet sich der Angehörige in der Lobby mit einem persönlichen Code an. Man nennt ihm einen Andachtsraum in einem der Stockwerke. Dort erwartet ihn dann die Urne, die in Minutenschnelle maschinell aus dem Lager geholt und per Förderband bereitgestellt wurde.

Friedhofshochhäuser sind bei Platzmangel eine ungewöhnliche Alternative zu üblichen Friedhöfen.

Wichtige Details zum Thema „Bestattung“ mit zahlreichen Praxistipps, Beispielen und Hinweisen zur Rechtsprechung finden Sie im Friedhofs- und Bestattungswesen.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)

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