Fachbeitrag | Bestatter 08.10.2015

Burn out: Der Tod kennt keinen Feierabend

Beim Stichwort Burn out denken viele zuerst an überarbeitete Ärzte und Pflegekräfte, an stressgeplagte Manager und neuerdings auch an Piloten. Dass Bestatter starken psychischen Belastungen ausgesetzt sind, vergisst man schnell. Arbeiten sie doch meist diskret im Hintergrund, damit sich die Hinterbliebenen in Ruhe vom Verstorbenen verabschieden und sich ihrer Trauer widmen können. Warum erkranken Bestatter und was können sie dagegen tun?

Rund um die Uhr für ihre Kunden da

Es verwundert eigentlich nicht, dass auch Bestatter unter Burn out leiden können. Stirbt ein Mensch am Abend, in der Nacht, an einem Sonn- und Feiertag, rufen die Angehörigen meist zunächst den Arzt und dann den Bestatter. Auch wenn sich dieser nach einem anstrengenden Arbeitstag eigentlich ausruhen sollte, fährt er selbstverständlich noch zum Kunden. Schließlich wirbt er damit, dass er Tag und Nacht erreichbar ist. Gerade kleinere Bestattungsunternehmen mit keinen oder wenigen Mitarbeitern können die Arbeit nicht gesundheitsverträglich aufteilen.

Zum täglichen Stress kommen schreckliche Bilder von Unfallopfern, das unendliche Leid der Trauernden nach dem Verlust eines Kindes. Diese Erlebnisse gehen an den Bestattern nicht spurlos vorüber. Die harte Arbeit lohnt sich immer weniger: Der Preis- und Konkurrenzdruck steigt, der Verdienst sinkt wie die Motivation und der Spaß an der Arbeit. So mancher Bestatter fragt sich dann: Wofür das alles?

Welche Symptome gibt es?

Leidet ein Bestatter oder sein Mitarbeiter längere Zeit unter Schlafstörungen und fühlt sich erschöpft? Geht der Betroffene beim kleinsten Anlass an die Decke, ist zynisch und greift immer öfter zu einem Gläschen Alkohol oder Medikamenten, um abschalten zu können? Dann sollten bei Außenstehenden die Warnlampen angehen. Psychische Erkrankungen haben viele unterschiedliche Facetten und sollten unbedingt von einem Fachmann abgeklärt und behandelt werden. Sie führen nicht nur zu langen Ausfallszeiten, sondern in schweren Fällen auch zur Sucht, Berufsunfähigkeit oder gar zum Selbstmord des Erkrankten.

Mit Sport und Entspannung fit werden

Neben der medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung heißt es für die Erkrankten: Viel Sport machen und Entspannungstechniken lernen! Nach der Genesung werden sie langsam wieder in den Arbeitsprozess eingegliedert. Meist steigern sie die Wochenarbeitszeit kontinuierlich auf ihr früheres Pensum.

Was den Kranken hilft, hält die Gesunden fit: Sport- und Erholungsangebote wie Nordic Walking, Yoga, Work-Life-Balance, Qi Gong oder autogenes Training gibt es zuhauf und oft sponsert die Krankenkasse die Kurse. Negativer Stress lässt sich auch durch Hobbies und die Beschäftigung mit Familie und Freunden abbauen. Zeit für sich selbst verschaffen Netzwerke mit anderen Bestattern ähnlich dem Bereitschaftsdienst bei Ärzten.So können sie nachts und am Wochenende mal Luft holen.

Gerade Selbständige sollten sich in ihren Arbeitstag ausreichende Ruhepausen fest einplanen – einen Termin mit sich selbst. Branchenspezifische Seminare und Berater vermitteln wichtige Erkenntnisse dazu, wie sich psychische Belastungen am Arbeitsplatz vermeiden oder abmildern lassen. Die Kosten dafür sind wesentlich geringer als die für krankheitsbedingte Ausfälle.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)