Rechtsprechung | Bestatter 06.11.2015

Bestattung und Fußball?

Fußball ist ein tolles Hobby und vor allem ein großes Geschäft. Das lässt sich aus den jüngsten Skandalen rund um den Fußball-Weltverband Fifa und die Fußball-WM 2006 in Deutschland erkennen. Fußballfans sind treue, finanzkräftige Konsumenten und Garanten für gute Gewinne. Kein Wunder, dass auch Bestatter diese Zielgruppe als potentielle Kunden ins Visier genommen haben. Aber wie können sie werben?

Der Bestatter als Sponsor

In England, das sich auch gerne als das Mutterland des Fußballs bezeichnet, ist es möglich, die Asche des verstorbenen Fans im Stadion zu verstreuen. Wollte man schon zu Lebzeiten kein Spiel von Manchester United verpassen, kann man nach seinen Tod die letzte Ruhe direkt auf dem Fußballplatz finden. Bei uns wäre das verboten. Aber kann ein Bestatter wenigstens auf dem Fußballplatz werben?

Er kann als Sponsor tätig werden. Als der Zweit-Liga Fußballverein Karlsruher SC in Schwierigkeiten geriet, boten die Bestattungsinstitute der Trauerhilfe Stier Hilfe an. Teil des Sponsorenvertrags, den das 1902 gegründete Familienunternehmen mit dem Verein schloss, ist die Bandenwerbung im Wildpark-Stadion. Mit dieser Werbung macht der Bestatter nun schon seit 2012 auf sich aufmerksam.

Ob Werbung auf dem Fußballplatz zulässig ist, beschäftigte schon die Gerichte. So entschied am 27.04.1980 das Oberlandesgericht München, dass die Werbung eines Bestattungsinstituts auf den Fußballtrikots einer Fußballmannschaft sittenwidrig sei. Der Besucher einer Fußballveranstaltung suche ein positives Erlebnis und Entspannung und werde die Bestattungswerbung in diesem Rahmen als Belästigung empfinden, die düstere Assoziationen erwecke.

Nach dem Urteil des Landgerichts Hannover vom 23.08.1989 ist der bloße Hinweis auf ein Bestattungsunternehmen auf einer Bannerwerbung dagegen nicht sittenwidrig, da die Grenze des bei einer Sportveranstaltung Zumutbaren nicht überschritten werde.

Wie man sieht, die Gerichte sind sich nicht einig. Aus den fehlenden Aufschreien beim KSC kann jedoch geschlossen werden, dass die Fußballfans keine nennenswerten Probleme mit der Bestatterwerbung zu haben scheinen. Im Gegenteil kann der dezente Hinweis darauf, dass jeder irgendwann sterben muss, vielleicht dazu führen, dass der Fan den Augenblick des Spiels besonders intensiv genießt – jeder Moment ist schließlich kostbar – und sich schneller mit den Fans der gegnerischen Mannschaft in der gemeinsamen Freude am Spiel versöhnt. Vielleicht bleiben dann die gewaltsamen Ausschreitungen bei Fußballspielen in Zukunft endlich aus.

Mehr zum Thema Werbung von Bestattungsinstituten finden Sie im aktuellen Praxishandbuch des Friedhofs- und Bestattungswesens.

Autor: Astrid Hedrich (Rechtsanwältin und Dozentin in Augsburg. Beschäftigt sich mit Wirtschaftsrecht.)