Fachbeitrag | Bauausführung
01.06.2015

Holzschutz

Der Begriff Holzschutz umfasst alle Maßnahmen bei Holz und Holzwerkstoffen, die Schäden durch übermäßiges Quellen oder Schwinden bzw. eine Zerstörung durch Pilze und Insekten verhindern sollen

Holzschutz® fotokostic /​ istock /​ thinkstock

Dabei erfolgt eine Unterscheidung in

  • baulichen Holzschutz,
  • chemischen Holzschutz.

Grundsätzlich jedoch gilt, dass Maßnahmen des konstruktiven Holzschutzes immer anzuwenden sind und Maßnahmen des chemischen Holzschutzes  nur  in Ergänzung  dort  angewandt werden sollen, wo dieser nicht mehr ausreicht.

Normen für den Holzschutz

Hinsichtlich der Feuchtebelastung und deren Einschätzung sind verschiedene Normen maßgebend. Für bauphysikalischen Feuchteschutz und die Schlagregenbeanspruchung ist DIN 4108-3 zu berücksichtigen. Außenwandbekleidungen sind außerdem in DIN 18516 geregelt, hier sind die Teile“1, 3 und 4 besonders zu nennen.
Der Holzschutz ist in DIN 68800 geregelt.

Die Normenreihe DIN 68800 – Holzschutz – wurde  grundlegend  überarbeitet und neu strukturiert. Besonderer Bedeutung kommen dabei den Teilen 1 und 2 zu, wobei die technischen Möglichkeiten für vorbeugende bauliche Holzschutzmaßnahmen  vor  den  chemischen  Holzschutzmaßnahmen weiter gestärkt wurden.
DIN 68800 besteht aus vier Teilen:

  • Teil 1: Holzschutz im Hochbau – Allgemeines
  • Teil 2: Holzschutz im Hochbau – Vorbeugende bauliche Maßnahmen
  • Teil 3: Holzschutz im Hochbau – Vorbeugender chemischer Holzschutz
  • Teil 4:  Holzschutz  im  Hochbau  –  Bekämpfungsmaßnahmen gegen holzzerstörende Pilze
    und Insekten

Bei der Auswahl der Hölzer sollte DIN 68364 – Kennwerte von Holzarten, Festigkeit, Elastizität – herangezogen werden, die Angaben zur natürlichen Dauerhaftigkeit der verschiedenen Holzarten macht.
DIN EN 335-1  legt Gebrauchsklassen fest, welche die verschiedenen Gebrauchsbedingungen widerspiegeln.
Darüber hinaus behandelt die DIN EN 350-2 die Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten und die natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz  In Teil 2 dieser Norm ist der Leitfaden für die natürliche Dauerhaftigkeit und Tränkbarkeit von ausgewählten Holzarten von besonderer Bedeutung in Europa enthalten.

Tab. 1:  Klassifikation der natürlichen Dauerhaftigkeit gegen holzzerstörende Pilze nach DIN EN 350-2

Dauerhaftigkeit Holzart
1 – sehr dauerhaft Afzelia , Teak, Merbau
2 – dauerhaft Eiche
3 – mäßig dauerhaft Douglasie, Lärche
4 – wenig dauerhaft Tanne, Hemlock, Fichte
5 – nicht dauerhaft Birke, Buche, Esche, Linde

Baulicher Holzschutz

In der DIN 68800-2 sind vorbeugende Maßnahmen zur Sicherung der Dauerhaftigkeit von Holzbauteilen oder Holzwerkstoffen festgelegt. Die technischen Möglichkeiten für den vorbeugenden baulichen Holzschutz wurden in dieser Norm deutlich erweitert. So sieht die Neufassung (2012-02) nun die Pflicht zur grundsätzlichen Anwendung des baulichen Holzschutzes vor.

Die wesentlichen Aufgaben des vorbeugenden baulichen Holzschutzes sind:

  • Sicherstellung des allgemeinen Feuchteschutzes der Konstruktion
  • Schaffung der Voraussetzungen für die Einstufung des Bauteils in eine niedrigere Gefährdungsklasse und damit verbunden die Reduzierung des Aufwands für den chemischen Holzschutz

Als baulicher Holzschutz verstehen sich alle vorbeugenden konstruktiven, bauphysikalischen und organisatorischen Maßnahmen, die einzig der Umsetzung folgender Ziele dienen:

  • Verhinderung schädlicher Formänderungen infolge unzuträglicher Veränderungen des Feuchtegehalts im Holz/Holzwerkstoff
  • Verhinderung eines Bauschadens infolge von Insektenbefall
  • Verhinderung eines Bauschadens infolge von Pilzbefall, verursacht durch unzuträgliche Erhöhung des Feuchtegehalts

Um auf einen chemischen Holzschutz verzichten zu können, müssen folgende grundlegende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Holzfeuchte ist dauerhaft unterhalb der Fasersättigungsfeuchte.
  • Das Holz ist für Schadholzinsekten unzugänglich eingebaut oder so geartet bzw. modifiziert, dass es von Schadholzinsekten nicht befallen wird.

Durch die Umgebung alleinig ausreichend geschützte tragende Holzbauteile liegen vor, wenn

  • sie nicht bewittert sind und auch nicht durch andere Einflüsse  eine Befeuchtung über die entsprechende Fasersättigung erfolgt,
  • sie für Insekten unzugänglich eingebaut oder entsprechend kontrollierbar sind. Bei einem Befall von Insekten sind dann entsprechende Gegenmaßnahmen erforderlich.

Ein Insektenbefall kann ausgeschlossen werden, wenn

  • nachweislich technisch getrocknetes Holz (im Sinne  der DIN 68800) verwendet wird (Dies gilt nicht für  natürlich getrocknetes Altholz, das mittels Heißluftverfahren erhitzt wurde.),
  • Brettschichtholz, Brettsperrholz und Furnierschichtholz verwendet wird

Die DIN 68800-1 legt aufgrund gegebener Gefährdungen unter den verschiedenen Einsatzbedingungen Gebrauchsklassen fest. Diesen werden Schutzmaßnahmen zugeordnet. Der neue Begriff der Gebrauchsklasse löst die bisher geläufige Bezeichnung der Gefährdungsklasse ab. Der Begriff der Gebrauchsklasse wurde aus DIN EN  335-1 übernommen. Es werden nach DIN EN 335-1 die fünf Gebrauchsklassen GK“1 bis 5 unterschieden. Die Gebrauchsklasse GK“0 ist in DIN EN 335-1 nicht Bestandteil. Die DIN 68800-1 definiert diese zusätzlich bzw. weiterhin. Bei GK“0 ist die dauerhafte Funktionsfähigkeit weder durch Insekten noch durch Pilze gefährdet. Dabei unterscheiden sich die  Feuchte-  und  Expositionsbedingungen nicht  von GK“ 1  (siehe  Tabelle 2). Ein sicherer Schutz gegen einen Befall  durch Insekten und Pilze ist durch die Verwendung von Holzbauteilen der GK“0 nicht gegeben. Es wird lediglich das Risiko eines Bauschadens vermieden. Ein Befall durch  Insekten  und  Pilze  ist  nur  durch  chemischen Holzschutz möglich.

Es gilt stets die höchste Gebrauchsklasse, die an einem Bauteil festzustellen ist, für das gesamte Bauteil.

Ablaufschema Holzschutz
Ablaufschema Holzschutz

 

Tab. 2:  Gebrauchsklassen (Gefährdungsklassen) nach DIN 68800

Gebrauchsklasse
(Gefährdungsklasse)
Beanspruchung Kriterien
0 ständig trocken
(<„20″%)
mittlere relative Luftfeuch-
tigkeit bis 85″%
  • unkontrollierbarer Insektenbefall nicht möglich kontrollierbarer zulässig
  • Pilzbefall nicht möglich
1 ständig trocken
(<„20″%)
mittlere relative Luftfeuch-
tigkeit bis 85″%
  • Gefährdung durch
    –  Insektenbefall
  • Pilzbefall nicht möglich
2 gelegentlich feucht (>“20″%)
mittlere relative Luftfeuch-
tigkeit über 85″% oder zeit-
weise Befeuchtung durch
Kondensation
  • Außenbauteile ohne unmittelbare Wetterbeanspruchung (unter Dach, nicht der Bewitterung ausgesetzt)
  • Innenbauteile, mit gelegentlicher hoher Umgebungsfeuchte, die zu einer nicht dauerhaften Befeuchtung führt
  • Gefährdung durch:
    –  Insektenbefall
    –  Pilzbefall
3.1 gelegentlich feucht (>“20″%)
Anreicherung von Wasser
im Holz, auch räumlich be-
grenzt, nicht zu erwarten
  • Außenbauteile ohne Wetterschutz (nicht unter Dach), mit Bewitterung ohne ständigen Erd- oder Wasserkontakt
  • Innenbauteile in Nassbereichen oder Nassräumen, ungeschützt
  • aufgrund rascher Rücktrocknung ist eine Anreicherung von Wasser im Holz, auch räumlich begrenzt, nicht zu erwarten
  • Gefährdung durch:
    –  Insektenbefall
3.2 häufig feucht (>“20″%)
Anreicherung von Wasser
im Holz, auch räumlich
begrenzt, zu erwarten
  • Außenbauteile ohne Wetterschutz (nicht unter Dach), mit Bewitterung
  • ohne ständigen Erd- oder Wasserkontakt
  • Innenbauteile in Nassbereichen oder Nassräumen, ungeschützt
  • eine Anreicherung von Wasser im Holz, auch räumlich begrenzt, nicht zu erwarten
  • Gefährdung durch:
    –  Insektenbefall
4 vorwiegend feucht (>“20″%)
  • Außenbauteile mit ständigem Erd- oder Süßwasserkontakt und so bei mäßiger bis starker Beanspruchung vorwiegend ständiger Befeuchtung ausgesetzt
  • Gefährdung durch:
    –  Insektenbefall
    –  Pilzbefall
    – Moderfäule
5 ständig feucht (>“20″%)
  • Bauteile mit ständigem Meerwasserkontakt
  • Gefährdung durch:
    –  Insektenbefall
    –  Pilzbefall
    – Moderfäule
    –  Holzschädlinge im Meerwasser

 

Autor: Dipl. Ing. Architektin Franziska Pietryas 

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