04.05.2021

Verbesserung der energiebezogenen Leistung: Wie, was und was wenn nicht?

Die revidierte Energiemanagementnorm ISO 50001 stellt Unternehmen nun vor die Herausforderung, bei der Zertifizierung glaubhaft nachzuweisen, dass sich ihre energiebezogene Leistung kontinuierlich verbessert. Wie das gehen soll? Energieleistungskennzahlen spielen hierfür nun eine größere Rolle als je zuvor. Auch die FAQ-Liste des DIN-Normenausschusses gibt hier für die Praxis viele relevante Hinweise. Dieser Beitrag fasst die aktuellen Regelungen zusammen.

verbesserung der energiebezogenen leistung

Ohne den Nachweis, dass sich die energiebezogene Leistung verbessert hat, lässt sich eine Zertifizierung nach ISO 50001 nicht aufrechterhalten. Der Versuch, eine solche Verbesserung erst zu messen, dann zu analysieren und schließlich zu dokumentieren, lässt einen zunächst vor dem sperrigen Begriff innehalten: Verbesserung der energiebezogenen Leistung – was genau ist damit gemeint?

Energieeffizienz, Energieeinsatz und Energieverbrauch

Lassen wir die ISO 50001:2018 hier selbst zu Wort kommen. Unter der Verbesserung der energiebezogenen Leistung versteht die Norm eine

„Verbesserung der messbaren Ergebnisse der Energieeffizienz (3.5.3) oder des Energieverbrauchs (3.5.2), bezogen auf den Energieeinsatz (3.5.4), im Vergleich mit der energetischen Ausgangsbasis (3.4.7)“
  • Energieeffizienz: Die quantitative Beziehung zwischen Energieeinsatz und Ertrag verbessert sich.
  • Energieverbrauch: die Menge der eingesetzten Energie reduziert sich. Ein geringerer absoluter Energieverbrauch kann wirtschaftlichen Zielen allerdings schnell widersprechen.
  • Energieeinsatz: Der Energieeinsatz bezeichnet die Art bzw. Methode der Anwendung von Energie. Achtung, eine Verbesserung des Energieeinsatzes wird laut Normdefinition nun außen vorgelassen. Er ist immer noch eine Bezugsgröße, aber: Er steht nicht für sich allein.

In der Praxis spielt die Energieeffizienz wohl die größere Rolle. Sie steht bei den folgenden Ausführungen deshalb im Fokus.

Wichtig

Nichtsdestotrotz können auch Änderungen in der Art und Weise, wie ein Unternehmen seine Energie nutzt, praktische Relevanz haben: Der Einsatz erneuerbarer Energien beispielsweise kann im Rahmen der Energiepolitik oder durch das Setzen entsprechender Ziele innerhalb des EnMS behandelt werden. Aber: Die Nutzung erneuerbarer Energie stellt keine Verbesserung der energiebezogenen Leistung im Sinne der ISO 50001:2018 dar! Darauf weist der DIN-Normenausschuss ausdrücklich in seiner FAQ-Liste zum Thema hin.

Top-Down oder Bottom-up?

Es gibt nicht den einen, den richtigen Weg, um eine Verbesserung der energiebezogenen Leistung nachzuweisen. Die ISO 50047 (Energieeinsparungen – Bestimmung von Energieeinsparungen in Organisationen) beschreibt zwei entgegengesetze Herangehensweisen, um sich dem Thema zu nähern: „Bottom-Up“ und „Top-down“.

Der Bottom-up-Ansatz betrachtet konkrete Bereiche innerhalb eines Unternehmens und versucht den Nachweis zu erbringen, dass diese energieeffizienter geworden sind. Das wird schon allein durch die Menge an Projekten und Bereichen, in die sich ein Unternehmen untergliedert, wahrscheinlicher. Die Kennzahlen sind eng gefasst und erlauben es, die Energieeffizienz einzelner Anlagen, Maschinen oder Projekte zu beurteilen.

Der Top-down-Ansatz betrachtet übergeordnete Energieleistungskennzahlen, z.B. den Energieeinsatz pro Produktionsmenge für das gesamte Unternehmen.

In einer Liste mit häufigen Fragen zu genau diesem Thema stellte der DIN-Normenausschuss klar, dass Unternehmen immer mehrere Energieleistungskennzahlen definieren müssen. Dabei sei außerdem eine Kennzahl für die gesamte Organisation erforderlich, um die generelle Trendentwicklung zu erkennen. Ebenso seien für jeden wesentlichen Energieeinsatzbereich (SEU) EnPI zu erheben und entsprechend zu überwachen.

In der Praxis könnte insbesondere die Gesamtkennzahl Unternehmen einige Probleme bereiten. Denn verschlechtern sich viele der energetisch eigentlich unwesentlichen Bereiche (die ja nicht im Fokus des Energiemanagementsystems stehen), kann sich auch das negativ auf die organisationsweite EnPI auswirken.

Die Verbesserung der energiebezogenen Leistung rechnerisch erfassen

Weder „Bottom-up“ noch „Top-down“ befreien von der mathematischen Analyse. Die ISO 50001 verweist hier auf die ISO 50006, die sich eingehend mit dem Vergleich und der Analyse von Energieleisungskennzahlen befasst.

Mehr zur ISO 50006 lesen Sie in diesem Beitrag.

Um eine Verbesserung zu ermitteln, sei es kleinteilig innerhalb der SEU oder generell in Form der organisationsweiten EnPI, müssen Sie energetische Ausgangsbasen definieren und diese normalisieren.

Mehr zur Normalisierung lesen Sie in diesem Beitrag.

Die Werte der Energiekennzahlen müssen sich verbessern!

Wenn Sie Ihre Ergebnisse betrachen, müssen Sie im zeitlichen Verlauf einen positiven Trend erkennen. Soll heißen: Ihre EnPIs verbessern sich fortlaufend.

Was passiert, wenn sich eine Energiekennzahl verschlechtert?

Dann bleibt Ihnen die undankbare Aufgabe, den Grund dafür herauszufinden. Stellen Sie sich die Frage, ob die „Nicht-Zielerreichung“ die Folge eines nicht funktionierenden/nicht wirksamen EnMS ist, oder ob andere Ursachen hier hineinspielen. In jedem Fall möchte der Zertifizierer sehen, dass Sie solche Abweichungen erkennen und Maßnahmen dagegen ergreifen. Verschlechtern sich die Energieleistungskennzahlen dauerhaft, erhält Ihr Unternehmen im schlimmsten Fall kein Zertifikat.

Autor: WEKA Redaktion