Fachbeitrag | Energieeffizienz
26.09.2016

Energieeffizienz-Netzwerke: wirksamer Energie sparen

Im Netzwerk lässt sich leichter und schneller Energie sparen als ohne Netzwerk – das untermauert die Empirie mit handfesten Zahlen. Warum das so ist und wie ein Energieeffizienz-Netzwerk funktioniert, lesen Sie hier.

energieeffizienz-netzwerk© cofotoisme /​ Thinkstock

In einem Energieeffizienz-Netzwerk arbeiten Unternehmen zwei bis vier Jahre lang zusammen, um ihre Energieeffizienz zu steigern und ihre Energiekosten zu senken. Effektiver und schneller als ohne Netzwerk soll das gelingen, so die Hoffnung. Ein 2009 gestartetes Pilotprojekt der Bundesregierung bestätigt das: Um rund 2,1 Prozent pro Jahr haben die Unternehmen der Pilot-Netzwerke ihre Energieeffizienz gesteigert. Das ist doppelt so schnell wie der Durchschnitt der Industrie und entspricht rund zehn Prozent weniger Energieverbrauch in fünf Jahren.

Wie ein Energieeffizienz-Netzwerk helfen kann

Der Hauptgrund für diesen Erfolg? Die Art und Weise, wie Energieeffizienz-Netzwerke organisiert sind. Denn obwohl unterschiedliche Netzwerke unterschiedliche Schwerpunkte setzen, funktionieren sie fast alle nach dem gleichen Prinzip: dem LEEN-Managementsystem (LEEN = Lernendes Energieeffizienz-Netzwerk). Standards sind hier:

  • ein Energieaudit vor Ort mit einem Abschlussbericht, der für jedes teilnehmende Unternehmen Wirtschaftlichkeit und Einsparpotenzial verschiedener Einsparmaßnahmen bewertet
  • ein gemeinsam formuliertes Einsparziel des gesamten Netzwerks. Das gemeinsame Ziel ist freiwillig und hat eine motivierende Funktion, zum Beispiel als Orientierung für Mitarbeiter.
  • professionell vorbereitete und moderierte Netzwerktreffen mindestens viermal im Jahr, in denen die Energieverantwortlichen ihre Erfahrungen austauschen. Das reduziert die Zeit, die sie selbst mit der Suche nach Lösungen verbringen, senkt die Kosten für Entscheidungen und hilft, Fehler zu vermeiden.
  • Vorträge externer Experten, um Kompetenzen dauerhaft in den Betrieben zu verankern
  • ein jährliches Monitoring, das Ziele und bisherige Einsparergebnisse überprüft

Datenschutz als Problem?

Energie- und Produktionsdaten sind sensible Informationen. Inwieweit also innerhalb des Netzwerks Daten ausgetauscht werden, vereinbaren die Netzwerkteilnehmer jeweils fallweise. Die Erfahrung zeigt, dass mit dem stetigen Kontakt das Vertrauen zueinander wächst. Allgemein verpflichten sich alle am Projekt Beteiligten vertraglich, die Daten der anderen Firmen geheim zu halten.

Diese Netzwerktypen gibt es

Neben den LEEN-Netzwerken für größere Unternehmen mit Jahresenergiekosten zwischen etwa 500.000 und 50 Millionen Euro gibt es noch die folgenden Netzwerktypen:

  • Mari:e für kleinere Unternehmen mit Jahresenergiekosten zwischen 100.000 und einer Million Euro. Mari:e fordert zum Beispiel geringere Laufzeiten. Branchen-Netzwerke in den Branchen, in denen Unternehmen nicht über die Energiekosten im Wettbewerb stehen
  • konzerninterne Netzwerke, in denen sich mehrere Standorte des gleichen Konzerns zu einem Netzwerk zusammenschließen
  • kommunale Energieeffizienz-Netzwerke für Städte mit bis zu 200.000 Einwohnern oder entsprechende Landkreise und Gemeinden

Förderprogramm für Energieeffizienz-Netzwerke

Inzwischen haben über 80 Energieeffizienz-Netzwerke in Deutschland ihre Arbeit aufgenommen (Stand: August 2016), bis zum Jahr 2020 sollen es nach dem Willen der Bundesregierung an die 500 sein. Das lässt diese sich einiges kosten: Förderprogramme für Netzwerke bzw. deren Beteiligte gibt es beispielsweise von der BAFA, den Bundesländern, der KfW-Förderbank und über verschiedene Projekte wie „LEEN100plus“.

Autor: Elisabeth Rowley

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