09.09.2020

Grundlagen der Sicherheitsstromversorgung

Sicherheitseinrichtungen benötigen oft eine vom Allgemeinstromnetz unabhängige Energieversorgung. Dafür können Batterieanlagen oder Hubkolbenverbrennungsmotoren zur Anwendung kommen. Hier erfahren Sie mehr.

So sieht eine Sicherheitsstromversorgung aus

Was ist eigentlich eine Sicherheitsstromversorgung?

Auch in Deutschland kommt es gelegentlich zu Stromausfällen. Dabei gilt es natürlich, Unfälle zu vermeiden und wichtige Verbraucher weiterhin in Funktion zu halten. Zu diesem Zweck werden dann vom Allgemeinstromnetz unabhängige Energiequellen eingesetzt. Meist wird die zusätzliche Stromversorgung mit Batterien oder motorisch betriebenen Generatoren realisiert.

Umgangssprachlich werden für diese zusätzliche Stromversorgung zahlreiche Begriffe synonym verwendet. So werden in der Praxis häufig diese Begriffe für ein und dieselbe Sache verwendet:

  • Notstromdiesel
  • Ersatzstromversorgung
  • Ersatzstromquelle
  • Netzersatzanlage
  • Notnetz
  • unabhängige Stromversorgung
  • Stromquelle für Sicherheitszwecke
  • Sicherheitsstromversorgung

Jeder weiß, was gemeint ist, doch normativ gibt es sehr wohl Unterschiede. Manchmal werden diese Unterschiede erst bei Sachverständigenprüfungen oder behördlichen Abnahmen bewusst. Oft ist es dann allerdings schon zu spät. Die Installation der elektrischen Anlage ist abgeschlossen.

Im Nachgang können dann Umbauten oder Änderungen erforderlich werden. Um unnötigen Zeit- und Kostenaufwand zu vermeiden, sollen hier folgende Fragen geklärt werden:

  • Was ist eigentlich eine Sicherheitsstromversorgung?
  • Wann wird diese erforderlich?
  • Welche Besonderheiten, Normen und Verordnungen sind dabei zu berücksichtigen?

Unterschiede zwischen Allgemeinstrom-, Ersatzstrom- und Sicherheitsstromversorgung

Normativ werden gemäß DIN VDE 0100-200 zunächst die drei grundsätzlichen Begriffe unterschieden:

  1. Allgemeinstromversorgung (AV)
  2. Ersatzstromversorgung oder Netzersatzanlage (NEA)
  3. Sicherheitsstromversorgung (SV)

Aufgabe der Allgemeinstromversorgung

Eine Allgemeinstromversorgung dient grundsätzlich erst einmal zur Stromversorgung von allgemeinen, nicht kritischen Verbrauchern (z.B. für Licht, Steckdosen oder Maschinen). Der Ausfall der Allgemeinstromversorgung des Energieversorgers führt zum Ausfall der angeschlossenen Verbraucher.

Aufgaben einer Ersatzstromversorgungsanlage

Eine Ersatzstromversorgungsanlage dient hingegen zur Stromversorgung einer elektrischen Anlage, um bei einer Unterbrechung der üblichen Stromversorgung die Verbraucher aus anderen Gründen als für Sicherheitszwecke aufrechtzuerhalten. Das heißt, es handelt sich z.B. um eine vom Allgemeinstromnetz des Energieversorgers unabhängige Energieversorgung, die etwa aus wirtschaftlichen Gründen zusätzlich vorhanden ist.

Der Ausfall der Allgemeinstromversorgung des Energieversorgers (Ausfall von Generatoren, Transformatoren oder Kabel- und Leitungsanlagen) führt zur Aktivierung dieser unabhängigen Stromquelle und zum Weiterbetrieb (sog. Inselbetrieb) der angeschlossenen Verbraucher. Die angeschlossenen Verbraucher sind nicht sicherheitsrelevant. Wenn die Ersatzstromquelle ausfällt, kann ein wirtschaftlicher Schaden entstehen. Wie unangenehm dieser auch ist (z.B. finanzielle Einbußen, Datenverlust oder sogar unternehmensgefährdende Verluste), es besteht keine direkte Gefahr für Leib und Leben.

Schutzziele einer Sicherheitsstromversorgung

Eine Sicherheitsstromversorgung ist im Gegensatz zu den zuvor genannten Energieversorgungen dazu bestimmt, als Teil einer elektrischen Anlage für Sicherheitszwecke verwendet zu werden: eine sogenannte Stromquelle für Sicherheitszwecke. Elektrische Anlagen für Sicherheitszwecke sind für die Aufrechterhaltung von elektrischen Betriebsmitteln bestimmt, die von wesentlicher Bedeutung sind. Dies kann zum einen für die Sicherheit und Gesundheit von Personen und Nutztieren und/oder zur Vermeidung von Umweltschäden und Schäden an anderen Betriebsmitteln erforderlich sein.

Die angeschlossenen Verbraucher sind somit sicherheitsrelevant: die sogenannten Sicherheitsstromverbraucher. Für diese Sicherheitsstromquellen wird deshalb normativ und teilweise auch behördlich eine hohe Betriebssicherheit sowie Qualität bezüglich Strom, Spannung und Regelverhalten bei Be- und Entlastungen gefordert – z.B. für Zu- und Abschaltungen von Verbrauchern während des Betriebs.

Nationale Rechtsvorschriften beachten

Die Vermeidung von Umweltschäden und das Vermeiden von Schäden an anderen Betriebsmitteln können durch nationale Rechtsvorschriften (z.B. Verordnungen der Bundesländer) gefordert werden. Dazu kann auch die Forderung nach einer Sicherheitsstromversorgung gehören.

Als Beispiel für diese nationalen Vorschriften können u.a. die Verordnungen der einzelnen Bundesländer, z.B. auf Basis der Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) oder der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), genannt werden. Ebenso wichtig sind in diesem Zusammenhang die Auflagen der Baubehörden (z.B. in Form von Baugenehmigungen und/oder genehmigten Brandschutzkonzepten).

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Autor: Dipl.-Ing. B.A. Christoph Schneppe (FH)