26.06.2017

Grundlagen zu Sicherheitsstromversorgungen

Sicherheitseinrichtungen benötigen oft eine vom Allgemeinstromnetz unabhängige Energieversorgung. Dazu können z.B. Batterieanlagen oder Hubkolbenverbrennungsmotoren zur Anwendung kommen. Dieser Fachbeitrag gibt einen Einblick in die Grundlagen zu diesem Thema.

Was ist eigentlich eine Sicherheitsstromversorgung?

Auch in Deutschland kommt es gelegentlich zu Stromausfällen. Um bei einem Stromausfall Unfälle zu vermeiden oder damit wichtige Verbraucher weiterhin in Funktion bleiben, werden vom Allgemeinstromnetz unabhängige Energiequellen eingesetzt. Meist werden diese zusätzlichen Stromversorgungen mit Batterien oder motorisch betriebenen Generatoren realisiert. Umgangssprachlich werden in diesem Zusammenhang zahlreiche Begriffe synonym verwendet. So werden in der Praxis häufig Begriffe wie Notstromdiesel, Ersatzstromversorgung, Ersatzstromquelle, Netzersatzanlage, Notnetz, unabhängige Stromversorgung, Stromquelle für Sicherheitszwecke oder Sicherheitsstromversorgung für ein und dieselbe Sache verwendet.

Jeder weiß, was gemeint ist, doch normativ gibt es sehr wohl Unterschiede. Manchmal werden diese Unterschiede erst bei Sachverständigenprüfungen oder behördlichen Abnahmen bewusst. Oft ist es dann allerdings schon zu spät. Die Installation der elektrischen Anlage ist abgeschlossen. Umbauten oder Änderungen können erforderlich werden. Um diesen vorzubeugen, sollen hier folgende Fragen geklärt werden: Was ist eigentlich eine Sicherheitsstromversorgung? Wann wird diese erforderlich? Welche Besonderheiten, Normen und Verordnungen sind dabei zu berücksichtigen?

Unterschiede zwischen Allgemeinstrom-, Ersatzstrom- und Sicherheitsstromversorgung

Normativ werden gemäß VDE 0100-200 zunächst die drei grundsätzlichen Begriffe unterschieden:

  1. Allgemeinstromversorgung (AV)
  2. Ersatzstromversorgung oder Netzersatzanlage (NEA)
  3. Sicherheitsstromversorgung (SV)

Eine Allgemeinstromversorgung dient grundsätzlich erst einmal zur Stromversorgung von allgemeinen nicht kritischen Verbrauchern (z.B. für Licht, Steckdosen oder Maschinen). Der Ausfall der Allgemeinstromversorgung des Energieversorgers führt zum Ausfall der angeschlossenen Verbraucher.

Aufgaben einer Ersatzstromversorgungsanlage

Eine Ersatzstromversorgungsanlage dient hingegen zur Stromversorgung einer elektrischen Anlage, um bei einer Unterbrechung der üblichen Stromversorgung die Verbraucher aus anderen Gründen als für Sicherheitszwecke aufrechtzuerhalten. Das heißt, es handelt sich z.B. um eine vom Allgemeinstromnetz des Energieversorgers unabhängige Energieversorgung, die etwa aus wirtschaftlichen Gründen zusätzlich vorhanden ist.

Der Ausfall der Allgemeinstromversorgung des Energieversorgers (Ausfall von Generatoren, Transformatoren oder Kabel- und Leitungsanlagen) führt zur Aktivierung dieser unabhängigen Stromquelle und zum Weiterbetrieb (sog. Inselbetrieb) der angeschlossenen Verbraucher. Die angeschlossenen Verbraucher sind nicht sicherheitsrelevant. Wenn die Ersatzstromquelle ausfällt, kann ein wirtschaftlicher Schaden entstehen. Wie unangenehm dieser auch ist (z.B. finanzielle Einbußen, Datenverlust oder sogar unternehmensgefährdende Verluste), es besteht keine direkte Gefahr für Leib und Leben.

Schutzziele einer Sicherheitsstromversorgung

Eine Sicherheitsstromversorgung ist im Gegensatz zu den zuvor genannten Energieversorgungen dazu bestimmt, als Teil einer elektrischen Anlage für Sicherheitszwecke verwendet zu werden (sog. Stromquelle für Sicherheitszwecke). Elektrische Anlagen für Sicherheitszwecke sind für die Aufrechterhaltung von elektrischen Betriebsmitteln bestimmt, die von wesentlicher Bedeutung sind. Dies kann zum einen für die Sicherheit und Gesundheit von Personen und Nutztieren und/oder zur Vermeidung von Umweltschäden und Schäden an anderen Betriebsmitteln erforderlich sein.

Die angeschlossenen Verbraucher sind somit sicherheitsrelevant (sog. Sicherheitsstromverbraucher). Für diese Sicherheitsstromquellen wird deshalb normativ und teilweise auch behördlich eine hohe Betriebssicherheit sowie Qualität bezüglich Strom, Spannung und Regelverhalten bei Be- und Entlastungen gefordert (z.B. für Zu- und Abschaltungen von Verbrauchern während des Betriebs).

Nationale Rechtsvorschriften beachten

Die Vermeidung von Umweltschäden und das Vermeiden von Schäden an anderen Betriebsmitteln können durch nationale Rechtsvorschriften (z.B. Verordnungen der Bundesländer) gefordert werden. Dazu kann auch die Forderung nach einer Sicherheitsstromversorgung gehören. Als Beispiel für diese nationalen Vorschriften können u.a. die Verordnungen der einzelnen Bundesländer, z.B. auf Basis der Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) oder der Muster-Leitungsanlagen-Richtlinie (MLAR), genannt werden. Ebenso wichtig sind in diesem Zusammenhang die Auflagen der Baubehörden (z.B. in Form von Baugenehmigungen und/oder genehmigten Brandschutzkonzepten).

Autor: Dipl.-Ing. B.A. Christoph Schneppe (FH)