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Blitzschutz: Aufbau der Erdungsanlage

Eine Erdungsanlage ist Teil des äußeren Blitzschutzes. Sie soll den Blitzstrom sicher in die Erde leiten und dort verteilen. Was Sie über den Aufbau einer Erdungsanlage wissen müssen, erläutert dieser Fachbeitrag.

Erdungsanlage

Die Erdungsanlage ist ein zentraler Bestandteil des äußeren Blitzschutzsystems. Sie sorgt dafür, dass Blitzströme sicher in die Erde abgeleitet und dort flächig verteilt werden. Dadurch werden gefährliche Berührungs- und Schrittspannungen reduziert und elektromagnetische Beeinflussungen minimiert.

Eine Erdungsanlage umfasst sämtliche Leiter, Verbindungen und Bauteile, die dem Erden eines Gebäudes, einer Anlage oder elektrischer Betriebsmittel dienen. Form, Dimensionierung und Verlegeart sind entscheidend, um Blitzströme sicher aufzunehmen und Überspannungen zu begrenzen.

Normative Grundlagen der Erdungsanlage

Beim Aufbau einer Erdungsanlage sind folgende Normen anzuwenden:

  • DIN 18014:2023‑06 „Erdungsanlagen für Gebäude – Planung, Ausführung und Dokumentation“
  • DIN EN IEC 62305‑3:2024 (VDE 0185‑305‑3):2025‑10 „Blitzschutz – Schutz von baulichen Anlagen und Personen“

Für Gebäude ohne äußere Blitzschutzanlage gilt ausschließlich die DIN 18014.
Für Gebäude mit äußerem Blitzschutz müssen beide Normen berücksichtigt werden.

Zweck eine Erdungsanlage

Eine Erdungsanlage dient folgenden Zwecken der Elektrosicherheit:

  • Schutz gegen elektrischen Schlag
  • Unterstützung des Schutzpotentialausgleichs
  • Unterstützung des Funktionspotentialausgleichs
  • Potentialsteuerung für das Gebäude
  • Erdung des Blitzschutzsystems

Arten von Erdern

Der Erder ist ein leitfähiges Teil im Gebäudefundament. Er steht im elektrischen Kontakt zur Erde und ist über die Haupterdungsschiene mit der elektrischen Anlage verbunden. Damit ist der Erder Bestandteil der elektrischen Anlage nach Niederspannungsanschlussverordnung (NAV).

Einen Erder, der im Beton des Gebäudefundaments eingebracht wurde, nennt man Fundamenterder. Einen außerhalb des Gebäudefundaments in das Erdreich eingebrachten Erder nennt man Ringerder.

Fundamenterder in der Erdungsanlage

Ein Fundamenterder wird im Betonfundament eingebettet und genutzt, wenn die Bodenplatte derart ausgeführt ist, dass eine ausreichende Erdfühligkeit besteht (z. B. keine Perimeterdämmung, keine WU‑Konstruktion).
Er ist Bestandteil der elektrischen Anlage nach NAV und über die Haupterdungsschiene einzubinden.

Wichtige Anforderungen an den Fundamenterder:

  • Vollständige Betonumhüllung ≥ 5 cm
  • Als geschlossener Ring, durch Querverbindungen vermascht
  • Bei bewehrten Fundamenten kann er flach verlegt werden.
  • Wichtig: Keine Keilverbinder im Beton verwenden
  • Darf nicht über Bewegungsfugen geführt werden (Flexible Überbrückung ≥ 50 mm² Cu).

Ringerder in der Erdungsanlage

Wenn ein Fundamenterder nicht erdfähig ist (z. B. WU-Beton, Perimeterdämmung, Glasschaumschotter), muss ein Ringerder installiert werden.

Anforderungen nach DIN 18014:2023‑06:

  • Verlegung im erdfeuchten, frostfreien Bereich
  • Mindesteinbautiefe ≥ 0,7–1,0 m (abhängig vom Baugrund)
  • Mindestabstand zur Außenwand ≥ 1 m
  • Material verpflichtend: nichtrostender Stahl V4A (1.4571 / 1.4404)
  • Vermaschung max. 20 m × 20 m; mit Blitzschutzsystem 10 m × 10 m

Weitere Erderarten nach neuer Norm

Die DIN 18014 berücksichtigt heute mehrere Bauweisen:

  • Tiefenerder (Staberder) – senkrecht ins Erdreich, wenn Ringerder nicht möglich
  • Strahlenerder – horizontale Ausleger zur Erhöhung der Erdfühligkeit
  • Kombinierte Erderanlagen – je nach Boden und Gebäudetyp

Anforderungen an die Ausführung der Erdungsanlage

Erdungsanlage als Gesamtsystem

Die aktuelle Norm fordert eine bauwerks- und baugrundabhängige Planung. Wegen moderner Bauweisen (WU‑Beton, Dämmung) ist ein Fundamenterder allein oft nicht ausreichend.

Maschenweiten

  • Standard: ≤ 20 m × 20 m
  • Mit äußerem Blitzschutz: ≤ 10 m × 10 m
  • Kleinere Maschenweiten sind bei hohen EMV‑Anforderungen (z. B. IT‑ oder Leittechnikräume) empfehlenswert

Potentialausgleich (CBN – Combined Bonding Network)

Für EMV‑optimierte Gebäude empfiehlt die Norm ein konstruktives Potentialausgleichsnetz, bestehend aus:

  • Ringerder + Funktionspotentialausgleichsleiter
  • Vernetzung mit der Bewehrung alle 2 m
  • Maschenweiten ≤ 20 m, bei Bedarf geringer

Besondere Hinweise aus der DIN EN IEC 62305‑3 (2024/2025)

Die aktuelle Blitzschutznorm bringt zusätzliche Anforderungen:

  • Definition neuer Trennungsabstände
  • Nutzung natürlicher Bestandteile (Bewehrung, Metallteile) als Ableitungen möglich
  • Zusätzliche Vorgaben zur Erwärmung der Oberflächen infolge Blitzstrom (Tabelle 4 der Norm)
  • Detaillierte Hinweise zur Wartung und Prüfung von Blitzschutzsystemen

Erdung bei Gebäuden mit Personenansammlungen

Bei Bereichen mit vielen Personen (Eingänge von Schulen, Einkaufszentren etc.) ist eine Potentialsteuerung vorzusehen:

  • Zusätzliche, ringförmige Erder in gestaffelter Tiefe
  • Zunehmende Tiefe bis ca. 2 m Abstand zur Fassade ~10 m
  • Verbindung aller Erder durch Querverbindungen

Dies reduziert Schrittspannungen im Umfeld des Gebäudes.

Dokumentation der Erdungsanlage ist Pflicht

Die DIN 18014 fordert eine umfassende Dokumentation der Erdungsanlage:

  • Fotodokumentation aller Erder vor dem Betonieren oder Verfüllen
  • Pläne der Erdungsanlage
  • Werkstoffnachweise
  • Messprotokolle (Durchgangswiderstand, ggf. Erdungswiderstand)
  • Einmessung der Anschlussfahnen

Fazit zur Erdungsanlage

Mit der Normenüberarbeitung wurde die Erdungsanlage zu einem bauphysikalisch geplanten Gesamtsystem, das wesentlich differenzierter betrachtet werden muss als in früheren Fassungen. Vor allem:

  • Fundamenterder ist nicht mehr automatisch ausreichend.
  • Ringerder in V4A ist heute Standard bei gedämmten oder abgedichteten Bauwerken.
  • Maschenweiten und Potentialausgleich sind streng geregelt.
  • Blitzschutz nach 62305‑3:2024/2025 erfordert zusätzliche Maßnahmen.

Autor*in: WEKA Redaktion

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