Fachbeitrag | Prüfprotokolle und Checklisten
06.05.2015

Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten nach VDE 0100-731

Die VDE 0100-731:2014-10 „Errichten von Niederspannungsanlagen – Teil 7-731: Anforderungen für Betriebsstätten, Räume und Anlagen besonderer Art – Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten“ beinhaltet die Planung und Errichtung elektrischer Anlagen in begehbaren abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten.

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Dazu gehören alle Schutzmaßnahmen, die bei der Errichtung abgeschlossener elektrischer Betriebsstätten einzuhalten sind, um Gefährdungen von Personen zu verhindern. Diese wären:

  • Schutz gegen elektrischen Schlag
  • Schutz gegen thermische Auswirkungen
  • Schutz bei Störspannungen und elektromagnetischen Störgrößen

VDE 0100-731 auch für transportable abgeschlossene elektrische Betriebsstätten

Für Schalt- oder Transformatoranlagen mit einer Nennspannung über 1 kV, ortsfeste Stromerzeugungsaggregate sowie zentrale Batterieanlagen sind unbedingt die zusätzlichen Anforderungen der Landesverordnungen nach der EltBauVO (Elektrische Betriebsraumverordnung) zu beachten. Die VDE 0100-731 beschäftigt sich nicht nur mit Betriebsbedingungen und äußeren Einflüssen, die zu beachten sind. Sie macht darüber hinaus auch genaue Vorgaben zum Umgang mit transportablen abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten.

Normverweise der VDE 0100-731

  • Damit elektrische Betriebsmittel übersichtlich und schnell identifizierbar sind, wird speziell auf die Kennzeichnung eingegangen und weiter auf die Normenreihen DIN EN 81346 sowie die DIN EN 61082-1 (VDE 0040-1) verwiesen.
  • Zur Vermeidung gegenseitiger nachteiliger Beeinflussung sowie der Grenzwerte für die Störaussendung und Störfestigkeit verweist die Norm auf die entsprechenden EMV-Gruppennormen der VDE-0839-Reihen.
  • Im Bereich der Verlegung von Kabeln und Leitungen erklärt die Norm, was bei einer möglichen mechanischen Belastung während und nach der Montage zu beachten ist, und verweist gleichzeitig auf die VDE 0298-300.
  • Die VDE 0298-4:2013-06 Anhang D muss bei der Auswahl und Errichtung von Erdungsanlagen und Schutzleitern, speziell zur Reduzierung von Ableitströmen, hinzugezogen werden.

Zugangsbeschränkungen nach DIN VDE 0105-100

Die VDE 0100-731:2014-10 gilt nur in Verbindung mit den übergeordneten Normen der Reihe DIN VDE 0100. So wird der Begriff „abgeschlossene elektrische Betriebsstätte“ u.a. in der Grundnorm VDE 0105-100:10-2009 „Betrieb von elektrischen Anlagen“ definiert.

Die Norm VDE 0105-100 beschreibt die Anforderungen für sicheres Bedienen von und Arbeiten an, mit oder in der Nähe von elektrischen Anlagen. Die dort enthaltenen Vorgaben gelten für alle Bedienungs-, Arbeits- und Wartungsverfahren sowie für alle elektrotechnischen Arbeiten, bei denen eine elektrische Gefahr besteht, aber auch für entsprechende nicht elektrotechnische Arbeiten wie Bauarbeiten in der Nähe von Freileitungen oder Kabeln.

Definition von abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten nach VDE 0105-100

Bei der abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätte handelt es sich um einen Raum bzw. Ort, der ausschließlich zum Betrieb elektrischer Anlagen dient und unter Verschluss gehalten werden muss. Die Formulierung „ausschließlich“ bedeutet, dass die Nutzung der abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätte für andere Zwecke – z.B. als Lager oder Aufenthaltsraum – grundsätzlich untersagt ist.

Der Verschluss darf nur von beauftragten Personen geöffnet werden; die Schlüssel müssen so verwahrt werden, dass sie unbefugten Personen nicht zugänglich sind.

Wichtig!

Die Anforderung gilt als erfüllt, wenn die Haupteingangs- und Fluchttüren der elektrischen Betriebsstätte von außen nur mithilfe eines Bart- oder Sicherheitsschlüssels zu öffnen sind. Von innen muss die Betriebsstätte dagegen ohne Schlüssel mit einer Klinke oder einem ähnlich einfachen Mechanismus leicht geöffnet werden können.

Abgeschlossene elektrische Betriebsstätten sind z.B.:

  • abgeschlossene Schalt- und Verteilungsanlagen
  • Transformatorzellen
  • Schaltzellen
  • Verteilungsanlagen in Blechgehäusen bzw. in anderen Verteilungsanlagen
  • Triebwerksräume von Aufzügen
  • Maststationen
Checkliste "Bedienungsgänge und Wartungsgänge" (© WEKA MEDIA)
Checkliste „Bedienungsgänge und Wartungsgänge“ (© WEKA MEDIA)

Zutrittsbeschränkungen zu abgeschlossenen elektrischen Betriebsstätten

Zutritt zu diesem Raum bekommen nur Elektrofachkräfte (EFK) und elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP), allerdings dürfen Laien diese begleiten. Die EuP darf in der Betriebsstätte bestimmte Tätigkeiten verrichten, u.a.:

  • Reinigen der elektrischen Betriebsräume
  • Arbeiten in der Nähe von unter Spannung stehenden Teilen
  • Freischaltungen auf Anweisungen
  • Feststellen von Spannungsfreiheit u.Ä.
  • Durchführung von regelmäßigen Prüfungen an Elektrogeräten im Unternehmen

Anforderung an abgeschlossene elektrische Betriebsstätten nach VDE 0100-731

Elektrische und abgeschlossene Betriebsstätten sind nach VDE 0100-731 so zu errichten, dass Gefährdungen von Personen vermieden werden und ein hohes Maß an Betriebssicherheit erreicht werden kann.

  • Bei der Aufstellung bzw. der Errichtung oder bei Änderung oder Erweiterung von Niederspannungs-Schaltanlagen sind sowohl der Personenschutz als auch der Anlagenschutz zu berücksichtigen.
  • In elektrischen und abgeschlossenen Betriebsstätten dürfen von betriebsfremden Einrichtungen keine Störungen oder schädigenden Wirkungen ausgehen.
  • Steckdosen, Leuchten oder anderen Einrichtungen müssen so angebracht sein, dass eine Berührung an aktiven Teilen durch den Benutzer vermieden wird.
  • Die Trennung vom Beleuchtungsstromkreis ist nicht erforderlich, wenn durch den Ausfall der Beleuchtung keine weitere Gefährdung verursacht werden kann.
  • Es muss eine Beurteilung über die Qualität und Häufigkeit einer Instandhaltung der elektrischen Anlage während ihrer vorgesehenen Lebensdauer vorliegen.
  • Regelmäßige Besichtigung, Prüfung, Wartung und Instandsetzung, die wahrscheinlich während der Lebensdauer der Anlage notwendig sind, müssen einfach und sicher ausgeführt werden können.
  • Die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen für die Sicherheit muss während der vorgesehenen Lebensdauer der Anlage sichergestellt sein.
  • Die Zuverlässigkeit der Betriebsmittel im Hinblick auf den ordnungsgemäßen Betrieb muss über die gesamte vorgesehene Lebensdauer angemessen sein.

Bild: © imantsu / iStock /Thinkstock

Autoren: Ernst Schneider , Udo Mathiae

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