11.09.2018

Gas aus Katar als Alternative zu USA und Russland

Bislang stand als Alternative zu russischem Gas nur US-amerikanisches Fracking-Gas zur Debatte. Seit Freitag ist ein dritter Anbieter auf den Plan getreten. Das arabische Emirat Katar bietet seine Dienste zum Bau eines Flüssigerdgas-Terminals in Deutschland an.

Katar verspricht Deutschland Gaslieferungen und Investitionen.

Deutsches Terminal für Flüssigerdgas aus Katar

Das Golfemirat Katar unterstützt den Bau eines Terminals für Flüssigerdgas (LNG, liquefied natural gas) in Deutschland. „Ein eigenes LNG-Terminal verschafft Deutschland neue Spielräume“, zitieren verschiedene Medien vom Sonntag Katars Energieminister Mohammed Bin Saleh Al-Sada. Dieser hatte sich bei einer deutsch-katarischen Investorenkonferenz in Berlin entsprechend geäußert. Er betrachte dies als „strategische Investition“. Wenn diese ökonomisch Sinn ergebe, stehe man „definitiv bereit, dabei zu helfen“, sagte der Minister.

Zuvor habe bereits der Chef des katarischen LNG-Produzenten Qatar Petroleum (QP), Saad Al Kaabi, Interesse an einer Beteiligung an einem deutschen LNG-Terminal bekundet, berichtete das „Handelsblatt“ weiter. Katar ist der weltweit größte Exporteur von Flüssigerdgas.

Zehn Milliarden Euro in kommenden fünf Jahren

Erst am Freitag (7. September) hatte der Emir Tamim bin Hamad al-Thani angekündigt, dass das Golfemirat in Deutschland in den kommenden fünf Jahren insgesamt zehn Milliarden Euro in verschiedene Wirtschaftsbereiche investieren wolle.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in diesem Zusammenhang, dass Flüssiggas „zur Diversifizierung der Gasbezugsquellen“ beitragen und damit auch der Versorgungssicherheit dienen könne. Auch in Deutschland gebe es bereits Überlegungen zum Bau eines Importterminals für Flüssiggas.

Katarischer Energieminister: Nord Stream 2 keine Konkurrenz

Nach Angaben des katarischen Energieministers beeinträchtigt die bereits in Bau befindliche Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, die Erdgas aus Russland nach Deutschland bringen soll, Katars Ziel zur Belieferung Deutschlands nicht. Er sehe die Pipeline als Teil der deutschen Strategie, sich Zugriff auf möglichst viele Gasquellen zu sichern. Nun biete man Deutschland eine weitere Quelle an. Al-Sada: „Ich sehe da keine Gegensätze.“

Anders als die Katarer hatten die USA die Nord Stream-Pipelines zwischen Russland und Deutschland kritisiert. Die Offerten Katars an Deutschland und deren wohlwollende Aufnahme bei der deutschen Kanzlerin werten Beobachter auch „als eine indirekte Botschaft an dessen großen Nachbarn Saudi-Arabien“, so „finanzen.net“.

Katar gilt in der Golfregion derzeit als politischer Aussätziger, seit die saudische Regierung das Land wegen dessen Iran-Kontakte mit Sanktionen überzogen hat. Saudi-Arabien ist ein traditioneller Verbündeten der USA, die es u.a. im Jemen-Konflikt unterstützen.

Deutschland keine Partei in innerarabischem Konflikt

„Deutschland ist keine Partei in diesem Konflikt“, zitiert das Finanzportal Merkel. Aber in Saudi-Arabien werde die Veranstaltung sicher als demonstrative Parteinahme empfunden, sagte dem Portal zufolge Guido Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die traditionell eher zurückhaltende Bundesregierung habe diese Wirkung wohl nicht beabsichtigt.

Das Kanzleramt und das Auswärtige Amt bemühen sich derzeit um eine Verbesserung der Beziehungen zu Saudi-Arabien. Saudi-Arabien ist verärgert, dass sich deutsche Politiker kritisch über das Eingreifen im Jemen-Krieg geäußert haben und vereinbarte Rüstungslieferungen stoppten. Das Land reagierte mit einem für die deutsche Industrie empfindlichen Stopp von Aufträgen. Immer wieder kursieren Gerüchte, dass Saudi-Arabien seine Position ändern würde, wenn Berlin vom Iran-Abkommen abrücken würde. Das ist aber nicht zu erwarten.

Katar 2022 Austragungsort der WM

Der Golfstaat, in dem 2022 die nächste Fußball-Weltmeisterschaft stattfinden wird, steht unter Druck, nachdem im Juni 2017 Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten eine Blockade verhängt hatten. Sie werfen Katar unter anderem die Unterstützung von Terrorgruppen vor, was das Emirat zurückweist.

Die Fronten sind nach wie vor verhärtet. Alle diplomatischen Bemühungen um eine Entspannung blieben bislang erfolglos. „Wir in Deutschland bedauern diese Krise“, zitiert „Spiegel Online“ Merkel.

Bestehende weitreichende Verflechtungen

Katar ist bereits an Volkswagen, der Deutschen Bank, Siemens, Hochtief und Solarworld beteiligt. Die bisherigen Investitionen belaufen sich katarischen Angaben zufolge auf rund 25 Milliarden Euro. Der Emir sprach von guten Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern.

Gut 300 deutsche Firmen sind in dem Golfstaat engagiert, viele beim Aufbau der Infrastruktur und bei Dienstleistern. Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern lag nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2017 bei rund 2,5 Milliarden Euro.

Autor: Friedrich Oehlerking (Freier Journalist und Experte für Einkauf, Logistik und Transport)