Fachbeitrag | Information
31.08.2015

„Team Pit“ – wie Sie mit allen Mitgliedern gewinnen können

Immer weniger Menschen organisieren sich in politischen Parteien – ein trauriger, aber realer Trend. In weiten Teilen der Gesellschaft herrscht die Vorstellung, dass ein politisches Engagement „sowieso nichts bringt“. Doch gerade in der Kommunalpolitik stimmt diese Diagnose nicht: Hier, „bei uns“, werden viele Dinge entschieden, von denen man in Berlin keine Ahnung hat. Wie das Beispiel der Landratswahl Darmstadt-Dieburg zeigt, geht es auch anders.

Hände am Seil© DragonImages /​ iStock /​ Thinkstock

„Pit“

Klaus Peter „Pit“ Schellhaas macht es uns vor: Sein Organisationsteam „Team Pit“ öffnete bewusst die Strukturen der Partei und animierte alle Mitglieder zur Mitarbeit. In regelmäßigen Zukunftswerkstätten konnten Ideen eingebracht und diskutiert werden, alle Mitglieder waren aufgerufen, sich zu beteiligen. Das Besondere: Es wurde nicht in verräucherten Hinterzimmern, sondern offen und transparent an Inhalten gearbeitet. Das „Team Pit“ war omnipräsent und setzte einige moderne Wahlkampftrends gekonnt um.

Zentral und lokal

Den Menschen die Ebene des Landkreises näherzubringen, ist oft ein schwieriges Unterfangen. Der Kniff der Kampagne „Pit“ war daher ebenso einfach wie genial: Die Menschen identifizieren sich mehr mit ihrer Kommune als mit ihrem Landkreis. Es wurde also zwingend nötig, dass die Menschen mit regionalisierten Wahlkampfplakaten auf lokale Themen in ihrer Kommune zur Wahl animiert wurden. Der Identifikationsgrad stieg und die Menschen gingen zur Wahl. Regionalisierung als Mittel in Wahlkämpfen ist also ein brauchbares und probates Mittel, um die Zustimmung zu erhöhen. Bedenken Sie dabei aber immer, dass die Kampagnenplanung, die Strategie, stets zentral gesteuert und koordiniert werden muss.

Nebenpolitik

Die Menschen mit politischen Inhalten zu überfrachten, ist in der Regel kein lohnenswerter Ansatz. Menschen sind heutzutage mit über 6.000 Werbebotschaften und Kampagnen täglich konfrontiert. In diesem knallharten Verdrängungswettwerb kann nur derjenige erfolgreich agieren, der die Ausnahme darstellt. Konzentrieren Sie sich also darauf, hin und wieder die Ausnahme zu sein. Das „Team Pit“ machte es richtig: Auf der Rückseite eines Flyers, mit dem er für seine politischen Ziele warb, konnte man eine Art Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel spielen, das wiederum ganz zugeschnitten war auf Darmstadt-Dieburg. Netter Nebeneffekt dieser Nebenpolitik: Die Familie konnte zusammen spielen, und man lernte noch etwas über die Region.
Abschließend gilt es festzuhalten, dass heute nur die Kampagnen erfolgreich sein können, die sich mit zahlreichen und vor allen Dingen personalisierten Einzelelementen ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Probieren Sie es mal aus: Pit hat die Wahl im ersten Wahlgang mit 65,1 Prozent der Stimmen gewonnen.

Autor: Benjamin Heimerl (Benjamin Heimerl ist Wahlkampfberater und Autor von „Praktische Redenbausteine für Bürgermeister“.)

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