26.06.2018

Diversität im Rathaus – vom bunten Haufen zum leistungsstarken Team

Unsere Gesellschaft ist im Wandel: Die Bevölkerung wird immer vielfältiger – an kulturellen Hintergründen, Eigenschaften und Erfahrungen. Und das ist auch gut so! Mit den folgenden einfachen Maßnahmen können Sie die Vielfalt auch unter Ihren Mitarbeitern produktiv nutzen und Ihr Haus auf die Zukunft ausrichten.

Menschen reichen die Hände

Dass Teams, die sich aus Individuen mit unterschiedlichen Hintergründen, Eigenschaften und Erfahrungen zusammensetzen, deutlich leistungsstärker sind als Teams, deren Mitglieder sich in den genannten Punkten ähnlich sind, belegen mittlerweile zahlreiche Studien. Doch im Arbeitsalltag stellt sich immer wieder konkret die Frage, wie dieses Potenzial gehoben werden kann. Wie können Sie sicherstellen, dass in Ihrem Haus die Mischung stimmt? Wie können Sie eine Atmosphäre fördern, die allen Kollegen die gleichen Chancen einräumt, beruflich durchzustarten – unabhängig von Alter, Religion, Geschlecht oder sexueller Orientierung?

Stichwort: Wertschätzung

Im Allgemeinen gilt: Wer am Arbeitsalltag vornehmlich damit beschäftigt ist, sich gegen Vorurteile zu wehren oder seine sexuelle Orientierung zu verbergen, verschwendet Energie. Energie, die ihm nicht mehr für die Arbeit zur Verfügung steht. Die Folge: weniger Engagement, weniger Loyalität, weniger Leistung. Daher sind die Wertschätzung und das ehrliche Interesse an der Persönlichkeit eines Mitarbeiters in seiner Einzigartigkeit der erste wichtige Schritt hin zu einer Unternehmenskultur, in der Unterschiede nicht als Probleme eines Einzelnen, sondern als Chance für alle wahrgenommen werden. Mögliche verbindende Maßnahmen sind hier beispielsweise Mittagessen, bei denen Speisen aus unterschiedlichen Kulturen gemeinsam zubereitet werden, oder Betriebsausflüge in Lebenswirklichkeiten einzelner Mitarbeiter, zum Beispiel der Besuch einer Moschee, eines Handicap-Fußballvereins oder einer Kindergarten-Elterninitiative.

Chancengleichheit durch Flexibilität

Es mag ein typisches Thema der sogenannten „Generation Y“ sein, und doch betrifft es uns in Zeiten des Fachkräftemangels alle: Um die notwendigen jüngeren Mitarbeiter für die Arbeit in Kommunen zu begeistern, müssen Arbeitsplätze geschaffen werden, die eine möglichst hohe Flexibilität ermöglichen. Wann arbeite ich wo und wie viel? Nur dann ist es möglich, jüngeren Menschen, deren Familienplanung noch nicht abgeschlossen ist, die Mitarbeit auf Augenhöhe zu ermöglichen. Und das betrifft längst nicht mehr nur junge Frauen! Auch Männer sind verstärkt auf Modelle angewiesen, die ihnen ermöglichen, ihre Zeit zwischen Erwerbs- und Familienarbeit selbstständig zu verteilen. Dabei bergen Teilzeit-Mitarbeiter auch große Chancen für Teams: Wer weniger Zeit hat, nutzt sie effizienter. Der junge Vater und die junge Mutter werden diejenigen in Ihren Sitzungen sein, die die Tagesordnung straffen und „durchziehen“, unnötiges Um-den-heißen-Brei-Herumreden unterbinden und zielführend Projekte zu Ende bringen. Unterstützen Sie sie dabei, indem Sie sie zu ihren Bedingungen einstellen!

Vorbehalte professionell thematisieren

Zu guter Letzt können Teams nur dann funktionieren, wenn eine Kultur vorherrscht, in der Vorbehalte, Ängste und Fragen offen angesprochen und thematisiert werden können. Ein Team, das die Vielfalt der heutigen Gesellschaft widerspiegelt, kann auch so unterschiedlich sein, dass gar nichts mehr funktioniert. Nicht umsonst heißt es: Gleich und gleich gesellt sich gern. Um solchen Blockaden entgegenzuwirken, helfen regelmäßige Workshops mit externer Moderation, sogenannte „interkulturelle Trainings“, weiter. Ja, das muss ab jetzt in die Budget-Planung!

Autor: Magdalena Herbrecht (Magdalena Herbrecht ist Kulturwissenschaftlerin und Fachjournalistin für Energie/Nachhaltigkeit.)