Fachbeitrag | Information
29.10.2015

Die Krise kriegen

Davor ist kein Unternehmen, kein Verband und auch kein Bürgermeister gefeit: Wenn plötzlich ein Versagen des Apparats oder ein persönlicher Fehltritt offenbar wird, ist der Skandal nicht weit. Was die Öffentlichkeit in so einer Situation erwartet, sind klare Ansagen und rhetorische Verbindlichkeit.

Taate mit Notfall© stuartmiles99 /​ iStock /​ Thinkstock

Die Affäre um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen des Herstellers VW hält Deutschland seit Wochen in Atem. Die Aufregung ist enorm, ebenso wie das Medieninteresse. Was dem Wolfsburger Automobilkonzern derzeit auf internationaler Ebene widerfährt, kann auch das Getriebe jeder Kleinstadt oder Kreisbehörde ins Stottern bringen. Eine offensichtliche Fehlplanung, kommunales Missmanagement, die Verfehlung eines Volksvertreters ¬¬– wird Versagen publik, richten sich plötzlich alle Scheinwerfer auf den Rathauschef.

Keine Vogel-Strauß-Politik

Journalisten, Bürger, Parteifreunde und die Opposition, sie alle habe viele Fragen: Wie konnte es dazu kommen? Wer trägt die Verantwortung dafür? Welche Konsequenzen hat das Geschehen? Ist das Aufregerthema erst einmal in der Welt, hilft keine Vogel-Strauß-Strategie. Jetzt ist der Bürgermeister gefordert, er muss informieren, einordnen, aufräumen. Die Öffentlichkeit verlangt zu Recht Erklärungen. Und zwar nicht nur von der Pressestelle. Auch das Gemeindeoberhaupt selbst muss jetzt in die Bütt.

Zur Chefsache machen

Verlässliche Kommunikation ist in der Krise besonders wichtig. Sie zeigt: „Ich habe das Heft des Handelns in der Hand.“ Suchen Sie daher regelmäßig das Gespräch mit der Öffentlichkeit und wichtigen Bezugsgruppen. Machen Sie deutlich, dass Sie das Thema zur Chefsache gemacht haben und welche Schritte als Nächstes anstehen, um die Angelegenheit aufzuklären. Weichen Sie keinem Dialog aus, sondern beweisen Sie Bürgernähe und Loyalität, indem Sie sich allen unangenehmen Fragen stellen.

Aufrichtig und transparent

Die Hoheit über den Prozess zu behalten, ist das eine. Ein Gespür für die richtige Tonlage an den Tag zu legen, das andere Erfolgsmoment der Krisenkommunikation. Ein erfahrener Bürgermeister wird intuitiv wissen, wie er seiner Gemeinde jetzt am besten gegenübertritt. Joviale Überheblichkeit ist mit Sicherheit fehl am Platz, schließlich geht es um Versäumnisse in Ihrem Verantwortungsbereich. Weder allzu offensive oder gar aggressive Töne noch demütiges Herumgedruckse wird die kritische Öffentlichkeit goutieren. Parieren Sie Anwürfe stets sachlich und zugewandt. Und vor allem: Kündigen Sie nichts an, was Sie nicht halten können. Was Ihre Gemeinde jetzt von Ihnen verlangt, sind keine hohlen Versprechen ¬– sondern Transparenz und Ehrlichkeit in der Sache.

Autor: Nicola Karnick 

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