08.04.2020

So verhindern Sie die Manipulation von Schutzeinrichtungen

§ 6 Abs. 2 Betriebssicherheitsverordnung gibt vor: „Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass vorhandene Schutzeinrichtungen [...] nicht auf einfache Weise manipuliert oder umgangen werden.“ Wie kommen Sie dieser Pflicht angemessen nach – und schützen so Mitarbeiter auch vor sich selbst?

Manipulation von Schutzeinrichtungen

Wenn in Ihrem Betrieb eine Schutzeinrichtung manipuliert wird, dann ist es nicht damit getan, Schuldige zu suchen und den Mitarbeitern ins Gewissen zu reden. Sie müssen die Gründe für die Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen herausfinden, um das Übel an der Wurzel zu packen und aus der Welt zu schaffen.

Warum kommt es zur Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen?

Schutzeinrichtungen von Maschinen sollten die Arbeit nicht behindern, aber oft tun sie es doch. Manipuliert wird aus unterschiedlichen Gründen:

  • Die Arbeit ist nicht in der vorgesehenen Zeit zu schaffen.
  • Maschinen lassen sich nur umständlich einrichten oder bedienen.
  • Werkstücke lassen sich nicht in allen erforderlichen Größen bearbeiten.
  • Werkzeuge lassen sich nur umständlich wechseln.
  • Störungen lassen sich nur umständlich beheben.

Dies sind nur einige Beispiele für Fälle, in denen ein „Ja“ ein guter Grund ist, eine Maschine zu manipulieren. Es gibt aber auch banalere Motive wie „Die Teile nerven total“ oder „Das konnte ich doch nicht wissen, das Ding war im Weg“.

Ein wesentlicher Grund, Maschinen zu manipulieren, ist Zeitersparnis. Oft lassen sich nur so Termine einhalten und Arbeiten im vorgesehenen Zeitfenster erledigen. Die DGUV hat schon vor einigen Jahren ermittelt, dass Manipulation in einem Drittel der Betriebe sogar geduldet wird – nicht zuletzt, weil Schutzeinrichtungen Arbeitsprozesse verlangsamen. Experten schätzen demnach, dass ca. ein Viertel aller Arbeitsunfälle an Maschinen durch die Manipulation von Schutzeinrichtungen verursacht werden.

Checkliste: Manipulation von Schutzeinrichtungen verhindern

Mit dieser Checkliste finden Sie heraus, an welchen Stellschrauben Sie drehen können, um Manipulation zu verhindern. Stellen Sie Ihren Mitarbeitern diese Fragen im Rahmen einer Unterweisung:

Diese Fragen sollten Ihre Mitarbeiter bejahen:

  • Ist die Maschine komfortabel einzurichten?
  • Lassen sich alle Arbeiten mühelos erledigen?
  • Lassen sich Störungen problemlos beseitigen?
  • Ist die Maschine einfach zu reinigen?
  • Verstehen alle Mitarbeiter die Betriebsanleitung?
  • Kennen alle Mitarbeiter die betrieblichen Sicherheitsregeln?
  • Wissen alle Mitarbeiter, an wen sie sich wenden können, wenn ihnen etwas unklar ist?

Diese Fragen sollten Ihre Mitarbeiter verneinen:

  • Sollte die Arbeit schneller vorangehen?
  • Ist der Kraftaufwand zu groß?
  • Ist die Bedienung zu umständlich, oder sind die Wege zu lang?
  • Sollte die Maschine genauer arbeiten?
  • Sollten die Werkstücke besser erreichbar sein?
  • Sollten die Werkstücke besser zu sehen sein?
  • Sollten sich die Werkstücke leichter zuführen lassen?
  • Sollten sich größere Werkstücke bearbeiten lassen?
  • Sollte die Maschine besser zu hören sein?
  • Sollte sich die Maschine leichter einrichten lassen?
  • Sollte die Maschine leichter nachjustierbar sein?
  • Sollten sich leichter Stichproben entnehmen lassen?
  • Sollten sich die Betriebsarten komfortabler umschalten lassen?
  • Sollten sich Störungen besser beheben lassen?
  • Sollte der Arbeitsplatz an der Maschine bequemer oder geräumiger sein?
  • Sollte sich die Maschine leichter warten und instand halten lassen?

Das Wichtigste zum Schluss

Kaufen Sie eine Maschine nie im Alleingang. Setzen Sie sich immer zunächst mit den Mitarbeitern zusammen, die letztlich damit arbeiten sollen. Klären Sie gemeinsam, welchen Anforderungen die neue Maschine genügen muss.

Übersichtlich aufbereitete Informationen und Hinweise zum Thema

… finden Sie auch auf dieser Webseite: https://stop-defeating.org

Autor: Martin Weyde