28.07.2020

Wandhydranten

Wandhydranten stellen seit vielen Jahren einen wesentlichen Bestandteil der Brandbekämpfung durch Selbsthilfekräfte, aber auch durch die Feuerwehr dar.

Wandhydrant

Wesentliche Vorteile von Wandhydranten als Feuerlöscheinrichtung sind:

  • Wandhydranten sind sehr schnell einsatzbereit.
  • Das Löschmittel ist dem Bediener bekannt.
  • Das Löschmittel Wasser kann die typischen Entstehungsbrände der Brandklasse A löschen.
  • Es steht quasi endlos Löschmittel zur Verfügung.
  • Es wird nur wenig Personal für den Löscheinsatz benötigt.
  • Somit eignet sich der Wandhydrant insbesondere bei größeren Mengen an brennbaren Feststoffen und zur Kühlung oder bei Notwendigkeit höherer Wurfweiten.

Demgegenüber stehen als Nachteile die Nichteignung bei anderen Brandklassen als A und die auf die Schlauchlänge begrenzte Mobilität. Zu überprüfen sind auch das Verhalten und der Einsatz in Gegenwart elektrischer Spannungen.

Der Beitrag zeigt die wesentlichen Anforderungen, die unterschiedlichen Wandhydrantentypen sowie die vorgeschriebenen Instandhaltungen und Prüfungen. Ein weiteres Kapitel betrachtet den Anschluss an das Trinkwassernetz.

Normen

Eine Vielzahl von Normen hat sich in den letzten Jahren mit den Wandhydranten, deren Bauteilen sowie für Planung und Einbau angesammelt. Auf europäischer Ebene sind dies u.a.:
  • EN 671, Teile 1–3, Ortsfeste Löschanlagen – Wandhydranten
  • EN 15182, Teile 1–4, Strahlrohre für die Brandbekämpfung
  • EN 694 Feuerlöschschläuche, formstabil für Wandhydranten
  • EN 14540 Flachschläuche für Wandhydranten
In Deutschland sind als wichtige Normen zu nennen:
  • DIN 14461,Teile 1–6 Feuerlösch-Schlauchanschlusseinrichtungen (Schränke, Bauteile, Ausrüstung)
  • DIN 14462 Löschwassereinrichtungen – Planung, Einbau, Betrieb und Instandhaltung von Wandhydrantenanlagen und Überflur- und Unterflurhydrantenanlagen
  • DIN 14463 Teile 1–3 Löschwasseranlagen – fernbetätigte Füll- und Entleerungsstationen
  • DIN 1988, Teile 100-600 Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen

Technische Regel ASR A 2.2

Die Arbeitsstättenverordnung fordert vom Arbeitgeber die Einrichtung von Feuerlöscheinrichtungen. In der dazugehörigen Technischen Regel für Arbeitsstätten ASR A 2.2 wird dies konkretisiert. Schon die bisherige Fassung aus dem Jahr 2012 setzt dem Einsatz von Wandhydranten einige Grenzen:

  • Das Löschmittel der Wandhydranten muss für die vorhandenen Brandklassen geeignet sein.
  • Es handelt sich um Wandhydranten mit formbeständigem Schlauch, Wandhydranten mit Feuerwehrflachschlauch werden nicht als Selbsthilfeeinrichtung angerechnet.
  • Es muss eine ausreichende Anzahl von Beschäftigten in der Handhabung dieser Wandhydranten unterwiesen sein.
  • Es muss sichergestellt sein, dass beim Löscheinsatz eine Verrauchung von Fluchtwegen durch den durch Rauchschutztüren verlegten Schlauch verhindert wird.

Die Anrechnung der Wandhydranten erfolgt dann nach folgenden Kriterien:

  • Bei Gebäuden/Geschossen mit einer Grundfläche bis einschließlich 400 m² erfolgt keine Anrechnung von Wandhydranten.
  • Bei Gebäuden/Geschossen mit einer Grundfläche größer als 400 m² kann bis zu einem Drittel der erforderlichen Löschmitteleinheiten durch Wandhydranten ersetzt werden. Hierbei werden einem Wandhydranten max. 27 Löschmitteleinheiten zugeordnet.

In der neuen Fassung der ASR A 2.2, 2018 werden diese Kriterien als Hilfestellung weiterhin angeführt, allerdings sind Wandhydranten als Regelinstallation aus der Grundausstattung herausgenommen. Sie werden nur im Rahmen eines Beispiels als mögliche Abweichung von der ASR aufgeführt. Somit kann der Arbeitgeber zwar vorhandene oder geplante Wandhydranten weiterhin nutzen, sollte aber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung mindestens die oben angeführten Punkte heranziehen, um konform zur ASR A 2.2 zu bleiben. Es handelt sich in jedem Fall um eine Abweichung vom Stand der Technik.

Trinkwasserverordnung

Die Trinkwasserverordnung aus dem Jahr 2003 mit den letzten Änderungen aus 2016 hatte erhebliche Auswirkungen auf Löschwasseranlagen und Wandhydranten, aber auch auf Über- und Unterflurhydrantenanlagen.

Wesentliche Änderung der Trinkwasserverordnung seit 2003 war die Erweiterung des Geltungsbereichs dieser Verordnung von der bisher als Grenze festgelegten Übergabestelle, meist der Wasseruhr, zur letzten Entnahmestelle des Kunden. Dies hat zur Folge, dass direkt (unmittelbar) angeschlossene Löschwasseranlagen oder Wandhydranten nun den Forderungen der Trinkwasserverordnung entsprechen müssen. Die für die Installation heranzuziehenden Normen DIN 1988 oder DIN 14462 haben diesem bereits Rechnung getragen und fordern eine generelle Trennung von Löschwasseranlagen „nass“ (früher: Steigleitung „nass“) von der Trinkwasserleitung. Als Alternativen stehen die Löschwasserleitung „nass/trocken“ oder die Trinkwasserinstallation mit Wandhydranten Typ S, wie im Text beschrieben, zur Verfügung. In allen anderen Fällen ist eine Absicherung der Trinkwasseranlage gegen Stagnation, Verkeimung oder physikalisch-chemische Verunreinigungen vorzusehen. Da die größte Gefahr von einer Verkeimung mit gesundheitsschädlichen Viren oder Bakterien ausgeht, wird die Absicherung darauf eingestellt. Eine sichere Trennung stellt der sogenannte indirekte oder mittelbare Anschluss dar. Bei dieser Absicherung wird die Leitung nicht mechanisch getrennt, sondern über einen atmosphärischen Auslauf. Dies bedeutet, dass das Trinkwasser frei in einen Tank läuft und von dort bei Bedarf weitergepumpt wird. Das Wasser im Tank sowie die nachfolgende Leitungsanlage werden dann als Nichttrinkwasseranlage geführt und können auch als solche betrieben werden.

Doch was ist zu tun, wenn, wie so oft in der Vergangenheit geschehen, Wandhydranten Typ F, also mit dem 2”-Ventil (Feuerwehrventil), am Trinkwassernetz angeschlossen sind?

1. Fall: Löschwasserleitung trocken

Da es sich hier nicht um eine Trinkwasserleitung handelt und auch keine Verbindung zu solch einer erlaubt ist, kann die Löschwasserleitung in diesem Zustand weiterbetrieben werden. Wandhydranten an solchen Anlagen sind als Ausrüstungsschrank zu betrachten und unterliegen daher keinen besonderen Anforderungen.

2. Fall: Löschwasserleitung nass/trocken

Hier erfolgt die Abtrennung vom Trinkwassernetz zu einer leeren (daher der Begriff „trocken“) Löschwasserleitung. Da die Ventilstation die Entleerung der Leitung gewährleistet, unterliegt der nachfolgende (leere) Leitungsteil nicht der Trinkwasserverordnung und kann mit den vorhandenen Wandhydranten weiterbetrieben werden. Allerdings können keine weiteren Entnahmestellen betrieben werden.

3. Fall: Löschwasserleitung nass mit Anschluss an ein Nichttrinkwassernetz

Wenn hier keine Verbindung zum Trinkwassernetz besteht, kann diese Anlage wie bisher weiterbetrieben werden.

4. Fall: Löschwasserleitung nass mit direkter Verbindung zum Trinkwassernetz

Wie bereits beschrieben, müssen alle Leitungsteile der Trinkwasserverordnung entsprechen. Dies bedeutet die Sicherstellung der technischen Anforderungen (DVGW-Zeichen auf den Armaturen, sichere Abtrennung zum Trinkwassernetz, Einhaltung der im Trinkwassernetz geforderten maximalen Drücke) ebenso wie vor allem der Einhaltung der wasserhygienischen Forderungen. So muss u.a. verhindert werden, dass das Wasser stagniert, erwärmt wird oder die Durchspülung zu schwach ist. Es sollte daher der zuständige Installateur oder Wasserversorger befragt werden, inwieweit die Anlage dem Trinkwasserrecht entspricht.

Diese Maßnahmen sollten in jedem Fall auch bei Verwendung von Schaumhydranten getroffen werden. Auch hier muss sichergestellt werden, dass unter keinen Umständen Schaummittel in die Trinkwasseranlage zurück gelangen dürfen.

Die bisher häufig verwendeten einfachen Rückschlagventile entsprechen nicht dem Absicherungsanspruch. Davon ausgehend, dass stehendes Wasser in Löschwasserleitungen auch zur Bildung von Keimen und Bakterien führt, wird dieses Wasser entsprechend DIN EN 1717 in Kategorie 5 eingestuft. Bei Verwendung von Schaummitteln ist dies mindestens Kategorie 4.

Eine hygienisch sichere Trennung darf für diese Kategorie nur in Form eines freien Auslaufs ausgeführt werden. Hierzu wird das Trinkwasser über einen Auslauf über eine vorgegebene atmosphärische Fallhöhe in einen Tank geführt. Der Abstand zwischen Auslauf und höchstmöglichem Wasserstand wird über Stabelektroden oder einen Schwimmer gesteuert und gewährleistet die sichere Trennung zwischen dem aus dem Auslauf kommenden Trinkwasser und dem als Nichttrinkwasser zu wertenden Volumen des Tanks. Aus dem Tank wird das Wasser dann bei Bedarf über Pumpen zu den Löschwasserleitungen gefördert. Da es sich um Nichttrinkwasser handelt, können im weiteren Leitungsverlauf auch Noteinspeisungen für die Feuerwehr eingebaut werden, was in einer Trinkwasserleitung untersagt ist.

Löschwasseranlagen, Bauarten und Typen

Wandhydrant Typ F

Wandhydranten für die Nutzung durch Laien, aber auch der möglichen Nutzung durch die Feuerwehr, Typ F (F = Einsatz auch durch Feuerwehr). Dieser Wandhydrant war die Standardausführung in Deutschland bis 2005.

Um sowohl für den Laien als auch für die Feuerwehr nutzbar zu sein, sind diese Wandhydranten mit einem Absperrdrehventil in 2”-Nenndurchmesser versehen. Dieses dient einerseits der Wasserlieferung für den Ersteinsatz, wäre aber für einen 1” formstabilen Schlauch zu groß dimensioniert. Für den höheren Wasserbedarf der Feuerwehr liefert dieses Ventil nach Ankuppeln eigener Löschschläuche zur ausreichenden Löschwasserlieferung mindestens 100 Liter pro Minute bei mindestens 3 bar Fließdruck. Für die Verwendung von besonderen Strahlrohren wie Hohlstrahlrohren können auch noch höhere Drücke oder Wasserleistungen bereitgestellt werden. Der maximale Fließdruck ist jedoch wegen der Unfallgefahr auf maximal 8 bar zu begrenzen. Der maximale Ruhedruck darf laut DIN 14462 12 bar an keiner Stelle der Anlage überschreiten.

Für den Einsatz von Brandschutzlaien dient normalerweise ein formstabiler Gummischlauch mit 30 m Länge, der mit einer speziellen durch den Laien einfach zu bedienenden und stufenlos verstellbaren Sprühvollstrahldüse ausgerüstet ist. Diese liefert mit ca. 40 Liter Wasser pro Minute eine ausreichende und angemessene Löschwasserlieferung für die Erstbrandbekämpfung. Nach Öffnen der Löschdüse steht immer erst ein breiter Sprühstrahl zur Verfügung, der zum Schutz des Laien dienen kann, aber auch bei besonderen Brandstoffen wie Stäuben oder feinen Materialien ein Aufwirbeln verhindert bzw. vermindert.

Es gibt aber auch Wandhydranten mit einem Feuerwehrflachschlauch (früher Faltschlauch) und entsprechendem Strahlrohr. Hier ist zu beachten, dass aufgrund des Einsatzes und der zu erwartenden Rückstoßkräfte nur eingewiesenes Fachpersonal oder die Feuerwehr, z.B. als Betriebsfeuerwehr, diese Einrichtungen bedienen können und dürfen. Weiterhin sind hier immer zwei Personen für den Einsatz erforderlich.

Der Einsatz einer solchen Einrichtung durch eine Person ohne detaillierte Einweisung führt zu Fehlbedienungen und damit Gefährdungen, da zunächst der Schlauch knickfrei und mit seiner vollen Länge ausgelegt werden muss, dann das Strahlrohr bereitgehalten und gleichzeitig das Löschwasserventil im Schrank geöffnet werden muss. Es sollte auch berücksichtigt werden, dass ein Feuerwehrflachschlauch immer vollständig und knickfrei ausgelegt werden muss. Daher sollte entgegen der früheren Norm mit 30 m Schlauch besser eine Ausstattung mit zwei kurzen Schlauchlängen à 15 m gewählt werden, um so einfacher Brände im Nahbereich bekämpfen zu können. Bei Bränden in größerem Abstand kann dann von den eingewiesenen Fachkräften immer noch eine weitere Schlauchlänge angekuppelt werden. Zudem ist der Einsatz von Strahlrohren CM mit unveränderlichem Sprühwinkel für den Inneneinsatz durch die Feuerwehr nicht mehr vorzusehen (siehe DIN EN 15182).

Wandhydrant Typ S

Wandhydranten für die Nutzung ausschließlich durch Laien, Typ S (S = Selbsthilfe)

Diese Wandhydranten verfügen über ein 1”-Absperrventil mit fest angeschlossenem, formstabilem Schlauch. Da das Absperrventil mit einer Sicherungskombination (Belüftungseinrichtung und Rückschlagventil) ausgerüstet ist und eine DVGW-Zulassung besitzt, entspricht diese Einrichtung auch den Anforderungen der neuen Trinkwasserverordnung und wird aus diesem Grund in Zukunft häufiger zum Einsatz kommen. Die tatsächliche Löschwasserleistung entspricht, gleicher Druck vorausgesetzt, in etwa der der F-Hydranten mit angeschlossenem, formstabilem Schlauch.

Instandhaltung und Prüfung

Wandhydranten werden sowohl durch das Baurecht (Länderrecht), aber auch in vielen anderen Verordnungen des Arbeitsschutzes gefordert und dienen bei der Brandbekämpfung vornehmlich der Selbsthilfe für Laien. Um die Funktion und die Sicherheit für den Anwender zu gewährleisten, ist eine regelmäßige Instandhaltung dieser Löschwasseranlagen und Wandhydranten erforderlich. Weiterhin und zusätzlich fordern die Bauämter eine regelmäßige Prüfung durch bauaufsichtlich anerkannte Prüfer.

Wandhydranten sind ein Bestandteil des vorbeugenden Brandschutzes und können, wenn sie gemäß der Situation vor Ort und möglicher Brandgefährdung richtig konzipiert und eingesetzt werden, ein wichtiger Baustein sein. Korrekt instandgehalten, dienen sie auch der Feuerwehr als zeitsparende und einfache Löschwasserversorgung.

Autor: Michael Becker