13.11.2017

Viele Polizisten in Hamburg und Schleswig-Holstein haben Nebentätigkeit

Fast jeder fünfte der mehr als 7.800 Hamburger Polizeibeamten geht noch einer Nebentätigkeit nach. Aus Gewerkschaftskreisen wird diese Entwicklung mit hohen Lebenshaltungskosten in Verbindung gebracht. Auch in Schleswig-Holstein arbeiten viele Beamte nebenbei.

Beamte mit Zweitjob meist aus einfachem oder mittlerem Dienst

Wie das Hamburger Abendblatt aufgrund einer dpa-Meldung berichtet, hat etwa jeder fünfte der mehr als 7.800 Hamburger Polizeibeamten noch eine Nebentätigkeit. Sie arbeiten im Dienstleistungsbereich, in gewerblichen Unternehmen oder ehrenamtlich etwa als Sporttrainer. So gibt der Senat die Zahl der Beamten mit Nebentätigkeit mit knapp 1.500 an. Im Vorjahr waren es sogar 1.660. Aktuellere Zahlen sind nicht verfügbar, wie Innenbehörde und Polizei mitteilten. Das Spektrum der Berufe ist sehr breit: Neben den üblichen Bürotätigkeiten gibt es Polizisten, die nebenbei als Arzt, Dozent, Dolmetscher, Makler, Hausmeister, Künstler oder Schriftsteller arbeiten. Die Beamten mit Zweitjob gehören meist zum einfachen oder mittleren Dienst.

Betroffen sind vorallem die jungen Beamten

Der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lenders, erklärte die vielen Zweitbeschäftigungen mit den hohen Lebenshaltungskosten in Hamburg. Junge Polizeimeister und -obermeister stünden beim Gehalt ganz unten. Wenn sie Familien gründeten, sei das Geld oft knapp. Selbst junge Kommissare und Oberkommissare suchten sich aus diesem Grund oft eine Nebentätigkeit. Die Zahl der Polizisten mit Zweitjob schwanke. Den leichten Rückgang in den vergangenen Jahren erklärte Lenders mit der veränderten Altersstruktur der Polizei. Ältere Kollegen seien „aus dem Gröbsten raus“, wenn sie einen höheren Dienstgrad erreicht hätten. Der Polizeigewerkschafter betonte zugleich, dass die ehrenamtlich tätigen Kollegen nur eine Aufwandsentschädigung für ihr Engagement erhielten.

Ähnliche Situation in Schleswig-Holstein

Auch in Schleswig-Holstein ist das Phänomen Zweitjob bei Polizisten offenbar stark verbreitet: Mehr als jeder siebte von ihnen übt eine Nebentätigkeit aus. Nach Angaben des Landespolizeiamtes trifft dies auf rund 1.200 der etwa 7.900 Beamten zu. Die Palette reicht von Minijobs zur Gehaltsaufbesserung über Ehrenämter als Gemeindevertreter, Schöffen, Feuerwehrleute und THW-Helfer bis hin zu Trainerposten im Sport. Auch Lehrtätigkeiten an der Fachhochschule für Verwaltung und Dienstleistung‎ oder an der Wasserschutzpolizei-Schule in Hamburg gehören dazu.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)