Fachbeitrag | Geschäftsführung Betriebsrat
01.08.2015

Personalplanung: Welche Rechte hat der Betriebsrat?

Nach § 92 BetrVG ist der Betriebsrat über die vom Arbeitgeber verfolgte Personalplanung zu unterrichten. Das Gremium ist sowohl bei der Personalplanung wie auch bei der Personalbeschaffung und -auswahl zu beteiligen. Dies gilt insbesondere für den gegenwärtigen und künftigen Personalbedarf sowie die sich daraus ergebenen Maßnahmen und Konsequenzen, auch solche für die Berufsbildung. Die Personalplanung soll den gegenwärtigen und künftigen Personalbedarf sowohl in qualitativer wie in quantitativer Hinsicht umfassen. Der Betriebsrat kann seine gesetzlichen Aufgaben in diesem Bereich nur dann wahrnehmen, wenn er vom Arbeitgeber rechtzeitig und umfassend unter Vorlage der Unterlagen (Hilfsmittel der Personalplanung), auf denen die Personalplanung aufgebaut ist, unterrichtet wird.

Personalplanung© MacX /​ fotolia.com

Was sind Hilfsmittel der Personalplanung?

Geschäftsführung Betriebsrat. Als Hilfsmittel kennen wir unter anderem folgende Instrumente:

  • Stellenplan
  • Stellenbesetzungsplan
  • Stellenbeschreibungen
  • Anforderungsprofile der Stellen
  • Qualifikationsprofile
  • Personalstatistik
  • Urlaubsplan
  • Nachfolge und Laufplan
  • Investitions- und Rationalisierungsentscheidungen

 

Welchen Inhalt sollten Stellenbeschreibungen haben?

Stellenbeschreibungen sollten mindestens folgenden Inhalt haben:

  • Bezeichnung der Stelle
  • Hauptaufgabe
  • Über-/Unterstellung
  • Stellenvertretung (aktiv/passiv)
  • Kostenstelle
  • Lohn-/Gehaltsgruppe

 

Wie lässt sich die Personalplanung unterteilen?

Die Personalplanung wird häufig unterteilt in individuelle Personalplanung, kollektive Personalplanung, quantitative Personalplanung, qualitative Personalplanung, strategische Personalplanung und operative Personalplanung.

Beispiele:

Individuelle Personalplanung, z. B.: 

  • Nachfolgeplanung
  • Übernahme einer Hauptabteilung in absehbarer Zeit durch eine bestimmte Person
  • Entwicklungsplanung

Kollektive Personalplanung, z. B.:

  • Qualifizierung und Beschaffung von Personal für eine bestimmte Sache, z.B. Einführung eines Info oder EDV Systems bzw. anderer Technologien für die gesamte oder große Teile der Belegschaft

Quantitative Personalplanung, z. B.:

  • Beschaffung und Freisetzung von Mitarbeitern u. a. aus der Ermittlung des Personalbedarfs

Qualitative Personalplanung, z. B.:

  • Der direkte Vorgesetzte stellt ein Anforderungsprofil dem Qualifikationsprofil gegenüber und leitet dementsprechend Qualifikations- und Personalbeschaffungsmaßnahmen ein.

Strategische Personalplanung, z. B.:

  • Langfristige Personalplanung für das gesamte Unternehmen durch die Unternehmensleitung,
  • Erstellung eines Rahmenplans, u.a. zum Auf- oder Abbau von Mitarbeitern in größerem Umfang,

Operative Personalplanung, z. B.:

  • Umsetzung der strategischen Personalplanung durch die Betriebe oder Abteilungen
  • Planen – Organisieren – Realisieren.

 

Welche Faktoren spielen eine Rolle?

Auch die verschiedenen Einflussgrößen spielen eine wichtige Rolle bei der Information des Betriebsrats. Diese sind zu unterscheiden in:

  • Interne Einflussgrößen
  • Ausbildungsstand
  • Fluktuationsrate
  • Krankenstand
  • Altersstruktur
  • Organisationsveränderung
  • Personalstand
  • Personalkosten
  • Externe Einflussgrößen:
  • Auftragseingang
  • Arbeitszeit
  • Arbeitsmarkt
  • Gesetze, Verordnungen, Tarifverträge
  • Technische Entwicklung
  • Facharbeitermangel

 

Tipps für den Betriebsrat 

  1. Der Betriebsrat darf sich nicht scheuen, alle Einflussfaktoren der gesamten Personalplanung beim Arbeitgeber abzufragen, denn nur dann kann der Betriebsrat sich ein Bild machen und gegebenenfalls eine Strategie gegen geplante personelle Veränderungen entwickeln.
  2. Ist im Betrieb noch keine Personalplanung vorhanden, kann der Betriebsrat dem Arbeitgeber Vorschläge zur Ein- und Durchführung machen. Allerdings können Sie die Beachtung und Durchsetzung seiner Vorschläge nicht erzwingen.
  3. Der Betriebsrat kann auch verlangen, dass zu besetzende Stellen innerhalb des Betriebs ausgeschrieben werden (§ 93 BetrVG).

Welche Möglichkeiten hat der Arbeitgeber zur internen Personalbeschaffung?

Gern genutzte Möglichkeiten der internen Personalbeschaffung durch den Arbeitgeber sind:

ohne Änderung des Arbeitsverträge der Arbeitnehmer:

  • Mehrarbeit
  • Urlaubsverlegung
  • Sonderschichten
  • Einführung von flexiblen Arbeitszeitmodellen wie kapazitätsorientierter variabler Arbeitszeit (KAPOVAZ) und individueller regelmäßiger wöchentlichen Arbeitszeit (IRWAZ)

mit Änderung der Arbeitsverträge der Arbeitnehmer:

  • Versetzung/Änderungskündigung
  • dauerhafte Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit
  • die Übernahme von Auszubildenden.

Wichtig: Hier hat der Betriebsrat echte Mitbestimmungsrechte und Beratungsrechte.

 

Empfehlung der Redaktion

Sie fanden diesen Artikel interessant und wollen regelmäßig  über spannende Betriebsratsthemen informiert werden? Dann empfehlen wir Ihnen unser Fachmagazin “Betriebsrat  kompakt”, aus dem dieser Artikel stammt.

Nutzen Sie jetzt die Möglichkeit und bestellen Sie Ihr kostenloses Probeexemplar.

 

Autor: Redaktion Mitbestimmung

Produkte und Veranstaltungen

Produktempfehlungen

Aktuelle Veranstaltungen