Fachbeitrag | Geschäftsführung Betriebsrat 28.06.2017

Mehr Erfolg durch Integrität

Integrität bedeutet, in Übereinstimmung mit den eigenen Werten zu handeln. Dass dies im Alltag nicht immer ganz einfach ist, weiß jeder, der in den Betrieben die Interessen der Arbeitnehmer vertritt. Doch wer langfristig in der Betriebsratsarbeit erfolgreich sein und von Arbeitgebern und Arbeitnehmern respektiert werden will, kommt an einer integren Haltung nicht vorbei.

Immer noch glauben manche Arbeitnehmer, dass man sich vor allem in den Betriebsrat wählen lässt, weil man weniger arbeiten möchte. Seien Sie darauf bedacht, dieses Vorurteil noch nicht einmal durch das kleinste Fehlverhalten zu nähren. Gefährlich sind hier unter anderem offensichtliche Bestechungsversuche von Arbeitgebervertretern in Form von „zufällig übrigen“ kostenlosen Eintrittskarten für Konzerte oder in die VIP-Lounge des Sportvereins. Weisen Sie solche „Wohltaten“ zurück und reichen Sie sie auch nicht an die Arbeitnehmer weiter. Maximal können Sie mitteilen, dass die Personalabteilung entsprechende Vergünstigungen bereithält.

Vorteile nutzen, integer bleiben

Manche Vorteile sind allerdings so nützlich, dass man nur ungern darauf verzichtet. Dazu gehört zum Beispiel, wenn ein Arbeitgebervertreter für ein bestimmtes Betriebsratsmitglied immer ein offenes Ohr hat. Dahinter können persönliche Gründe stecken oder aber auch Kalkül: Der Arbeitgebervertreter will den Betriebsratsvorsitzenden schwächen, indem er ausschließlich mit seinem Stellvertreter spricht. Nutzen Sie hier die Möglichkeiten und vermeiden Sie gleichzeitig Schaden. Im Beispielfall würde das bedeuten:

  •  Der Stellvertreter vereinbart mit dem Betriebsratsvorsitzenden, dass er den persönlichen Zugang zum Arbeitgebervertreter nutzt.
  •  Der Betriebsratsvorsitzende wird über alle Aktivitäten und Inhalte der Gespräche informiert.
  •  Der Stellvertreter betont gegenüber dem Arbeitgebervertreter stets, dass er nicht am Betriebsratsvorsitzenden vorbei handeln kann.
  •  Vermieden wird unter allen Umständen, dass sich der Stellvertreter zum Gegenpol zum Betriebsratsvorsitzenden entwickelt.

Das Beispiel zeigt, welche hohen Anforderungen der Anspruch der Integrität an die handelnden Personen stellt. Entscheidend sind immer Offenheit und viel Kommunikation, um jedes Missverständnis zu vermeiden.

Authentisch sein

Immer, wenn wir etwas gegen unsere inneren Überzeugungen tun sollen, wird unsere Integrität herausgefordert. „Glauben Sie, dass die Arbeitsplätze in unserem Bereich sicher sind?“ ist so eine Frage von Arbeitnehmern, die man mit „Ja, ich denke schon“ oder mit „Das kann ich nicht sagen“ beantworten kann. Betriebsratsmitglieder geraten häufig in Schwierigkeiten, wenn sie jemand sein wollen, der sie nicht sind – in diesem Fall das Betriebsratsmitglied, das über alles Bescheid weiß. Anstatt hier nun also ehrlich zu sagen, dass sie die Frage nicht beantworten können, retten Sie sich in unhaltbare Versprechungen. Wenn dann doch der Ernstfall eintritt, wird das Betriebsratsmitglied – und mit ihm der gesamte Betriebsrat – zurecht als nicht integer angesehen.

Hinweis

Authentizität meint, so zu handeln und sprechen, wie es die eigenen Gefühle vorgeben. Integrität bedeutet mehr, nämlich das Reden und Handeln nach den eigenen inneren Werten. Integre Menschen sind deshalb oft nicht sehr spontan, weil sie erst prüfen müssen, ob eine Aussage oder Handlung im Einklang mit den eigenen Werten steht.

5 Regeln für integres Verhalten

  • Integre Persönlichkeiten bleiben immer bei der Wahrheit, auch und gerade dann, wenn die Situation unangenehm ist.
  • Integrität bedeutet auch, das eigene Verhalten zu reflektieren und immer wieder abzugleichen: Ist das so noch in Ordnung oder muss ich etwas ändern?
  • Die Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen hilft, integritätsbedrohende Situationen zu meiden oder sich im richtigen Moment Unterstützung von Betriebsratskollegen zu holen.
  • Konsequenz ist ein weiteres wichtiges Merkmal integren Verhaltens. Damit wird das integre Denken in entsprechende Verhaltensweisen umgesetzt.
  • Integrität muss eine wirkliche Haltung sein – und kein gespieltes Verhalten. Letzteres wird früher oder später durchschaut.

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Autor: Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN)