01.09.2017

Erhöhter Krankenstand infolge vieler Überstunden

Dem Personalrat der Berliner Feuerwehr reicht es. Er hat jetzt eine Dienstvereinbarung zu Überstunden gekündigt. Damit könnte sich aber die Wartezeit auf die Rettungskräfte in der Stadt noch weiter erhöhen. Grund für die Kündigung ist, dass die Kollegen nach Auffassung des Personalrats seit Jahren ausgenutzt würden. Sie machten immer mehr Überstunden, kämen aber nicht dazu, sie zeitlich auszugleichen. Es sei keine Lösung, dass die Mehrarbeit bezahlt werde. Das Personal hätte inzwischen deutlich aufgestockt werden müssen, so der Vorwurf des Personalrats. Die Folge sei ein hoher Krankenstand von durchschnittlich 46 Tagen im Jahr.

Überstunden

Berlins Rettungskräfte leiden unter Überstunden

Offenbar sind Überstunden Alltag für Berlins Rettungskräfte, die von der Feuerwehr gestellt werden. Der Preis: ein hoher Krankenstand. Nun zog der Feuerwehr-Personalrat die Notbremse. Von der Berliner Feuerwehr werde zwar angestrebt, dass Sanitäter zumindest in der Innenstadt innerhalb von acht Minuten am Einsatzort sind. Doch Zeitungsmeldungen zufolge, u.a. der Berliner Zeitung, werde dieses Ziel schon jetzt fast nie erreicht.

Ursache: Personal wurde nicht aufgestockt

Die für Ende 2017 gekündigte Überstunden-Dienstvereinbarung sei 2008 abgeschlossen worden. Damals sei es um die Umsetzung einer zuvor von der Europäischen Union beschlossenen Richtlinie gegangen, wonach Rettungskräfte nur noch 48 Wochenstunden im Einsatz sein durften. Damals bestand bei der Feuerwehr noch die 56-Stunden-Woche. Es war also klar, dass es für die „48er-Regelung“ zu wenig Personal gab. Mit der Dienstvereinbarung sollte der Politik ermöglicht werden, das Personal entsprechend aufzustocken. Doch das ist dem Vernehmen nach nur in geringem Umfang geschehen.

Folge: Dauerbelastung führt zu hohem Krankenstand

Der Preis für die Überstundenregelung entsprechend der Dienstvereinbarung sei hoch, hieß es. Die Kollegen bei der Berliner Feuerwehr seien durchschnittlich 46 Tage im Jahr krank. Allein im Jahr 2016 seien 74.tt744 bezahlte Überstunden angefallen. Nach Angaben der Berliner Zeitung seien über die Jahre hinweg mehr als 575.000 Überstunden angefallen. Der Personalrat weist darauf hin, dass die Kollegen keine Überstunden mehr leisten wollten. Manche hätten mehr als 300 Plusstunden. Es sei ungewiss, ob ein solch hohes Zeitguthaben überhaupt ausgeglichen werden könnte. Der sich aus der Dauerbelastung ergebende hohe Krankenstand muss als dringendes Alarmzeichen gewertet werden. Ob die inzwischen angekündigte Erhöhung der Stellenzahl um fast 350 Stellen für die Jahre 2018/2019 ausreichen wird, zu einer deutlichen Verbesserung der Personalsituation bei der Berliner Feuerwehr und damit dem Rettungsdienst in der Millionenstadt zu kommen, bleibt abzuwarten.

Autor: Werner Plaggemeier (langjähriger Herausgeber der Onlinedatenbank „Personalratspraxis“)