09.09.2017

Auszubildende: Der Betriebsrat ist gefordert

Aller Anfang ist schwer – zumal für Auszubildende. Deshalb sollten Sie als Betriebsrat die jungen Kollegen beim Einstieg in die berufliche Zukunft begleiten. Wir zeigen Ihnen wie.

Betriebsrat Auszubildende

1. Müssen Auszubildende jeden Auftrag ausführen?

Geschäftsführung Betriebsrat. Zur Beantwortung dieser Frage müssen wir Sie mit drei Grundbegriffen der Ausbildung vertraut machen, die es in jedem Beruf gibt:

  • die Ausbildungsordnung,
  • der Ausbildungsrahmenplan,
  • der Ausbildungsplan.

Den ersten beiden können Sie Dauer und Inhalte der Ausbildung sowie die Tätigkeiten entnehmen, die die Auszubildenden ausführen und lernen sollen. Daraus leitet sich der Ausbildungsplan ab. In ihm finden Sie Einzelheiten zu den in den ersten beiden Plänen gemachten Vorgaben für die Ausbildung in Ihrem Betrieb. Es empfiehlt sich, Ihren Auszubildenden alle drei Pläne auszuhändigen. Arbeiten, die nach diesen Plänen mit der Ausbildung nichts zu tun haben, müssen Ihre Auszubildenden nicht ausführen. Aufträge dazu würden gegen das Gesetz verstoßen. Beispiele für ausbildungsferne Aufgaben wären:

  • Einkaufen,
  • regelmäßiges Putzen,
  • unnötige Wiederholungen von bereits bekannten Ausbildungsinhalten,
  • den körperlichen Kräften des Azubis nicht angemessene Tätigkeiten.

2. Kann Ihr Unternehmen einem Ihrer Auszubildenden während der Probezeit kündigen?

Die Probezeit ist dazu da, dass Ihr Arbeitgeber die Eignung eines Auszubildenden prüfen kann. Ist Ihr Auszubildender nicht der richtige Partner für Ihr Unternehmen, kann er ihm in und vor der Probezeit ohne Angaben von Gründen, aber z.B. nicht gegen gute Sitten kündigen. Dies muss er schriftlich machen; also: kurz mal eine Kündigung zwischen Tür und Angel zurufen, ist nicht. Im Übrigen könnte sich Ihr Auszubildender im Allgemeinen gegen seine Kündigung nicht wehren. Lediglich Auszubildende in einer Ausnahmesituation genießen in der Ausbildungszeit einen besonderen Kündigungsschutz wie z.B.:

  • Schwerbehinderte,
  • Frauen in der Schwangerschaft,
  • Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung und
  • Betriebsratsmitglieder.

Auf jeden Fall muss Ihr Arbeitgeber Sie als Betriebsrat bei der Einstellung von Auszubildenden hinzuziehen. Sie wachen darüber, dass der Berufsausbildungsvertrag nicht gegen die Vorschriften verstößt.

3. Kann der Arbeitgeber einem Azubi nach der Probezeit kündigen?

Nur bedingt. Zunächst einmal ganz wichtig: Man muss Sie als Betriebsrat vor der Kündigung anhören. Dann: Nach der Probezeit genießen Ihre Auszubildenden umfassenden Kündigungsschutz. Der Arbeitgeber muss eine Kündigungsfrist einhalten, sonst tut sich da gar nichts, da kann man Ihrem Auszubildenden nur aus „wichtigem Grund“ kündigen. Beispiele dafür wären:

  • Ihr Auszubildender hat gestohlen oder
  • er kommt andauernd zu spät zur Arbeit.

Auch hier gilt: wer schreibt, der bleibt – die Kündigung muss schriftlich erfolgen.

Darauf sollte der Betriebsrat Auszubildende hinweisen:

  • Bei Kündigung aus wichtigem Grund darf dieser nicht länger als zwei Wochen bekannt sein.
  • Bei rechtmäßiger Kündigung kann er binnen drei Wochen bei Kammer oder Innung Antrag auf ein Schlichtungsverfahren stellen.
  • Bei Aufhebungsverträgen sollten Sie ihn auf die Folgen hinweisen. Hat er erst einmal unterschrieben, könnte er dagegen nur noch vorgehen, wenn er unter Druck gesetzt worden wäre.
  • Kündigen ist keine Einbahnstraße. Auch Ihr Azubi kann das: schriftlich, nach der Probezeit und mit vier Wochen Kündigungsfrist.

4. Wie lange darf ein Azubi arbeiten, wenn er noch nicht volljährig ist?

„Nicht volljährig“ heißt: er ist noch keine 18 Jahre alt. So lange schützt ihn das Jugendarbeitsschutzgesetz. Danach gilt:

  • Er darf höchstens fünf Tage in der Woche arbeiten.
  • Er darf wöchentlich 40 Stunden und täglich höchstens acht Stunden arbeiten, außer an einem Tag in der Woche wird weniger gearbeitet. Dann darf er an übrigen Arbeitstagen achteinhalb Stunden arbeiten.
  • Die Zeit, die Ihr Azubi in der Berufsschule verbringt, gilt als Arbeitszeit.
  • Des Nachts darf er nicht arbeiten. Zwischen 20 Uhr und 6 Uhr darf er nicht arbeiten, von Betrieben mit Schichtbetrieb abgesehen.
  • Samstags, sonntags und an Feiertagen hat er immer frei.

Betriebsrat INTERN

5. Wie lange darf ein Auszubildender arbeiten, wenn er schon volljährig, also 18 oder älter ist?

Dann kann es sein, dass er auch am Samstag arbeiten muss. Der Samstag gilt nämlich als Werktag, Sonntag und Feiertage natürlich nicht, weswegen er an diesen ebenfalls frei hat. Auch hier beträgt die tägliche Arbeitszeit acht Stunden und die wöchentliche entsprechend 48 Stunden, in Sonderfällen für bestimmte Zeit täglich zehn und wöchentlich 60 Stunden.

Zur Berufsschule muss Ihr Arbeitgeber den Auszubildenden freistellen. Berufsschulzeit ist Arbeitszeit, außer wenn derweil keine Ausbildung im Betrieb stattfindet. Bleibt nach der Berufsschule einschließlich Pausen und Weg zum Ausbildungsort für eine sinnvolle Ausbildung zu wenig Zeit, muss der Azubi nicht mehr in den Betrieb kommen – egal, wie alt er ist.

Statista Ausbildungsvergütung

6. Wie sind die Pausenzeiten geregelt?

Sie als Betriebsrat sollten ein Auge auf die Pausen Ihres Azubis haben:

  • Bei viereinhalb bis sechs Stunden Arbeitszeit eine halbe Stunde,
  • bei längerer Arbeitszeit mindestens eine Stunde, wenn er noch keine 18 ist;
  • ist er älter, steht ihm bei über sechs Stunden Arbeitszeit eine halbe,
  • bei mehr als neun Stunden Arbeitszeit eine Dreiviertelstunde Pause zu.

7. Was ist, wenn ein Azubi Überstunden machen soll?

Hier haben wir wieder die Unterscheidung nach seinem Alter: unter 18 Jahren darf er keine Überstunden machen, ist er älter dagegen schon. Auch hier gilt: die Arbeit soll dem Ausbildungszweck dienen, ein Ausbilder muss anwesend sein. Ihr Arbeitgeber kann von Ihrem Azubi freiwillig geleistete Überstunden mit Minusstunden, die er weniger gearbeitet hat, verrechnen. Hat sein Ausbilder ihn abbestellt, entstehen keine Minusstunden, Ihr Azubi erhält seine Bereitschaft ausgeglichen –entweder in Geld oder durch Freizeit.

8. Ihr Azubi hat eine Beurteilung erhalten und ist mit einigem darin nicht einverstanden. Was kann er dagegen unternehmen?

Die Leistungen Ihres Auszubildenden werden des Öfteren beurteilt. Was in so einer Beurteilung steht, kann für seine Übernahme in den Betrieb entscheidend sein. Grundsätzlich dürfen Sie als Betriebsrat bei Erlass und Verwendung von Beurteilungsgrundsätzen mitbestimmen. Ihr Auszubildender kann eine Gegendarstellung in der Personalakte verlangen. Er kann Sie zur Erörterung seiner Leistungen hinzukommen lassen.

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Mithilfe dieses kostenlosen Musters legen der Betriebsrat und der Arbeitgeber einfach die Auswahlrichtlinien für die Einstellung von Auszubildenden fest.

Muster: Auswahlrichtlinien für die Einstellung von Auszubildenden

9. Müssen Azubis übernommen werden?

Ihr Unternehmen muss Ihren Azubi nicht in ein reguläres Arbeitsverhältnis übernehmen. Sie als Betriebsratsmitglied werden sich jedoch dafür einsetzen. Sollte dies nicht gelingen, versuchen Sie es mit Übernahme in ein befristetes Arbeitsverhältnis, zur Not auch in Teilzeit. Dann kann Ihr Azubi wenigstens Berufspraxis sammeln. Fordern Sie vor der Übernahmediskussion vom Arbeitgeber Informationen zur Personalplanung! Sie haben das Recht dazu.

10. Wie können Sie als Betriebsrat Ihre Azubis informieren?

Erklären Sie ihnen, was Sie für sie als Arbeitnehmer tun können und dass Sie wichtiger Ansprechpartner für sie sind. Worauf Sie noch achten sollten:

  • Ein Organigramm Ihres Betriebes verschafft schnell einen Überblick.
  • Sagen Sie Ihrem Azubi, wer aus dem Betriebsrat wofür zuständig ist.
  • Erklären Sie ihm die aktuelle Situation im Betrieb.
  • Erläutern Sie ihm Tarifvertrag, Betriebsvereinbarungen und Lohngruppen.

Betriebsrat KOMPAKT

Autoren: Silke Rohde (ist Rechtsanwältin & Journalistin sowie Chefredakteurin des Fachmagazins Betriebsrat KOMPAKT.), Martin Buttenmüller (ist Journalist und Chefredakteur des Fachmagazins Betriebsrat INTERN.), Friedrich Oehlerking (Friedrich Oehlerking ist Journalist und Autor des Werkes Wirtschaftswissen für den Betriebsrat.)