14.10.2021

Holzbau – Auswirkung auf Planungsablauf und Honorar für Architektur und TGA

Die Nachfrage nach Holzbau steigt, und die Architekten und Ingenieure stehen aktuell vor zahlreichen neuen Herausforderungen. Im Holzbau sind Änderungen zum klassischen Vorgehen verbunden. Welche Auswirkungen der Holzbau auf den Planungsablauf und das Honorar für Architektur und TGA hat, erfahren Sie jetzt im Experten-Interview.

Holzbau

Beim Bauen mit Holz kommen auf die Architekten und Ingenieure neue Anforderungen und Herausforderungen zu. Der Planungsaufwand erhöht sich. Leistungen müssen anders beschrieben werden. Dementsprechend sollte das beim Honorar berücksichtigt werden. Doch die HOAI stößt an dieser Stelle an ihre Grenzen.

Aktuell besteht viel Unklarheit:

  • Was ändert sich beim Planungsablauf?
  • Welche Planungsinhalte werden nun relevant?
  • Welche Auswirkungen ergeben sich auf das Honorar?
  • Wie ändert sich das Zusammenspiel zwischen Architektur, TGA und Tragwerksplanung?

Wir haben diese und weitere Fragen an unsere Experten Dipl. Ing. Dominik Philipp und Dipl.-Ing. Dipl. Wirtsch.-Ing. Martin Vielhauer weitergegeben.

Im Gespräch:

Dipl. Ing. Dominik PhilippDipl. Ing. Dominik Philipp

Architekt und Geschäftsführer / Dietrich | Untertrifaller Architekten / Seit Jahrzehnten spezialisiert auf Holzbau.

 

 

Martin Vielhauer
Dipl.-Ing. Dipl. Wirtsch.-Ing. Martin Vielhauer

Honorarsachverständiger TGA / Geschäftsführer TEG – SV GmbH / Autor bei HOAI und Vertragsrecht

Beschäftigt sich intensiv mit neuen Abwicklungs- und Honorarmodellen für die Technische Ausrüstung im Spannungsfeld der neuen HOAI und BIM.

 

Interview mit Dominik Philipp und Martin Vielhauer

WEKA: Herr Philipp, was unterscheidet die Planungsleistung der Architektur im Holzbau von einer herkömmlichen Planung?

Dominik Philipp: Die wichtigsten Unterschiede bestehen im veränderten Planungsablauf sowie in erweiterten Planungsinhalten gegenüber der klassischen HOAI-Leistungsphasen und der notwendigen Detaillierungstiefe der Gewerke.

WEKA: Was bedeutet ein veränderter Planungsablauf beim Holzbau konkret?

Dominik Philipp: Der Holzbau spielt seine große Qualität durch die hohe Präzision der Vorfertigung aus. Die Arbeitsvorbereitung, die Werkplanung mit der Maschinenansteuerung muss als Planungsleistung auch in einem frühen Projektstadium berücksichtigt werden. Das macht die HOAI heute noch nicht.

Die bekannten starren Leistungstiefen der HOAI Phasen machen daher keinen Sinn. Auch das normalerweise gestufte Vorgehen im herkömmlichen Planungsablauf z.B. WP1, WP2, WP3 in der LP 5 ist daher nicht zielführend. Zudem verändert sich die Phasenlogik aufgrund der Ausschreibung für die Vorfertigung.

WEKA: Was meinen Sie damit?

Dominik Philipp: Die Planungsleistung der Maschinenansteuerung muss in den BIM Modellen mitberücksichtigt werden. Damit erhält die anbietende ausführende Firma mit der Ausschreibung eine Planung, die in den Werkstätten direkt produziert werden kann.

 

WEKA: Herr Vielhauer, was bedeutet dies für die Technische Ausrüstung?

Martin Vielhauer: Die TGA muss sich auf die veränderte Abfolge und Planungstiefe einstellen. Dabei sind die HOAI-Leistungsinhalte nur noch bedingt hilfreich.

WEKA: Zum Beispiel?

Martin Vielhauer: Soll mit den hohen Vorfertigungsgraden unserer österreichischen Nachbarn gearbeitet werden, muss die TGA an vielen Bereichen das Niveau einer Werk- und Montageplanung erreichen. Im Holzbau kann schlecht „nachgestemmt“ werden.

WEKA: Welche Vor- und Nachteile hat diese Veränderung der Planungsmethodik beim Holzbau?

Martin Vielhauer: Aufgrund der Vorfertigung nimmt die Montagegeschwindigkeit auf der Baustelle zu und die Störungsrisiken ab. Des Weiteren vermindert es die Leistungen der Objektüberwachung. Dies ermöglicht der hohe Detaillierungs- und Festlegungsgrad.

Je intensiver diese Vorteile jedoch genutzt werden sollen, gehen die Änderungsmöglichkeit in späten Phasen zurück. Auch das klassische HOAI-e)-Problem des Leistungsbildes Gebäude und TGA wird damit vermieden (Fortschreibung der AFU während Objektausführung). Auch erfordert das Vorgehen eine hohe Entscheidungskompetenz des Auftraggebers. Frei nach dem bekannten Credo – Erst Planen dann Bauen.

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WEKA: Herr Philipp, verändert dieser Ablauf das Zusammenspiel zwischen Architektur, TGA und Tragwerksplanung?

Dominik Philipp: Ja. Unser Erfahrung nach haben sich kooperativen Team-Konzepte als erfolgreich erwiesen. Wir haben diese zudem mit SCRUM und Lean-Construction-Methoden kombiniert.

WEKA: Wie gestalten sich diese Team-Konzepte genau?

Dominik Philipp: Wir arbeiten im Gegensatz zu herkömmlich ablaufenden Planungsphasen, sehr intensiv zusammen. Dabei werden bei den sogenannten „Sprints“ Themen in örtlichen Teams Planungsthemen mit den gesamten Planungsteam entwickelt. Aufgrund der Detaillierungstiefe werden unsere Projekte in BIM abgewickelt.

 

WEKA: Herr Vielhauer, wie wirkt sich dies auf den Leistungskatalog aus?

Martin Vielhauer: Zunächst macht es bei solchen, auf Kooperation ausgelegten Abwicklungsmodellen Sinn, die Vertragswerke der Planungspartner daran anzupassen. Des Weiteren müssen auf Basis des AIA bzw. BAP die Planungs-Abwicklung und die spezifischen Leistungsinhalte adaptiert werden. Ein Kopieren der HOAI-Grundleistung ist nicht zielführend.

WEKA: Wie sehen Sie dabei die Entwicklung des Honorars?

Durch den vorgezogenen und teilweisen erweiterten Detailierungsgrad kommt es zu einer Aufwandsverschiebung – einem sogenannten „Front-Loading“ in frühen Planungsphasen. Hier muss der Aufwand für jedes Fachgewerk und Anlagengruppe genau überprüft werden. Aufgrund der Vorfertigung können dann Aufwände und damit auch Honorare in der Phase der Objektüberwachung reduziert werden.

Vielen Dank, Herr Philipp und Herr Vielhauer, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten!

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Autor: WEKA Redaktion