17.02.2021

7 Tipps, wie Mitarbeiter im Homeoffice gesund bleiben

Viele Arbeitnehmer arbeiten gerade von zu Hause aus. Das Homeoffice hat seine Vorteile – aber auch seine Tücken und führt schnell zu ungesunden Routinen, zu wenig Bewegung oder unregelmäßige Pausen- und Arbeitszeiten. Lesen Sie deshalb heute, wie Sie im, trotz und mit Homeoffice gesund bleiben und gut arbeiten.

Junger Mann leidet an Nackenschmerzen: Nicht nur im Homeoffice kann fehlende Ergonomie und Bewegung die Gesundheit beeinträchtigen.

Homeoffice hat seine unbestreitbaren Stärken und Vorteile: Der Zeit- und Nervenaufwand für den Weg zur und von der Arbeit entfällt komplett, Arbeitszeit und Arbeitspensum können oft viel freier und selbstverantwortlicher eingeteilt werden. Und trotzdem: Oft vertragen sich Homeoffice und Gesundheit gar nicht gut.

Ein Hauptgrund dafür (und ein Geburtsfehler beim Homeoffice in der Corona-Pandemie) ist: Das Arbeiten von zu Hause aus wurde vor einem Jahr oft überstürzt und sehr improvisiert eingeführt – in der hoffnungsfrohen Annahme, es handele sich dabei nur um eine schnell vorübergehende Übergangslösung.

Inzwischen wissen wir es alle besser und es wird deshalb – wo noch nicht geschehen – höchste Zeit, das Homeoffice professionell zu gestalten. Denn sonst können ernsthafte Probleme mit der Gesundheit der Beschäftigten auftreten. Als Arbeitsschützer motivieren und sensibilisieren Sie Mitarbeiter für bestimmte Verhaltensweisen, gleichzeitig sollten Sie Strukturen im Unternehmen im Blick behalten, die Mitarbeitern dabei helfen, ihre Gesundheit zu schützen.

Homeoffice-Gesundheits-Regel 1: Der Tag braucht Struktur!

Fehlende Tagesstruktur im Homeoffice gefährdet die Gesundheit und das Wohlbefinden

Im Homeoffice müssen Mitarbeiter ihren Tag auf einmal selbst strukturieren. Oft verkommt das zu einer Gratwanderung zwischen Selbstausbeutung und Aufschieben. Eine ständige Vermischung von Privatleben und Arbeit führt auf Dauer zu Erschöpfungsgefühlen, Unrast und Schlaflosigkeit.

So gewinnt der Arbeitstag im Homeoffice eine feste Struktur

Dagegen hilft eine klare Trennung der Bereiche und eine eisern durchgehaltene zeitliche Struktur von Tag und Woche:

  • Wochentag ist Wochentag und Wochenende ist Wochenende. Punkt.
  • Wecker stellen, Morgentoilette, sich anziehen: Das sollte immer am Anfang jeden Arbeitstags stehen.
  • Ein Arbeitsplan hilft dabei, den Tag zu strukturieren.
  • Für jeden Tag wird eine feste Arbeitszeit definiert, z.B. von 8 bis 17 Uhr.
  • Grundsätzlich sollte eine frühe Arbeitszeit vereinbart werden, damit der Tag nicht „ausfranst“ und nach Arbeitsende genügend Zeit für eine aktive Erholung bleibt.
  • Zur Tagesstruktur gehören feste Mahlzeiten, die am besten den Gewohnheiten vor der Zeit im Homeoffice entsprechen.
  • Wird ausnahmsweise noch am späteren Abend gearbeitet, soll dennoch zum regulären Feierabend eine längere Pause eingelegt werden, um den Rhythmus zu halten und die Ausnahme der Abendarbeit zu betonen.
  • Wenn Mitarbeiter nebenbei Kinder betreuen müssen, sollten sie dennoch versuchen, sich feste 30-Minutenblöcke für ungestörtes Arbeiten zu reservieren. Mit größeren Kindern können die Arbeits- und Spielzeiten durchaus abgesprochen werden.

Homeoffice-Gesundheits-Regel 2: Pausen sind ein unbedingtes Muss!

Warum sind Pausen im Homeoffice so wichtig?

Die Gefahr der entgrenzten Arbeitszeit ist im Homeoffice besonders groß. Pausen werden nicht genommen oder die Zeit mit häuslichen Aufgaben gefüllt. Aber: Ohne Pausen ist Arbeit generell und Homeoffice im Speziellen äußerst ungesund! Sowohl das emotionale Wohlbefinden als auch die langfristige physische Gesundheit nehmen dadurch Schaden.

Sensibilisieren Sie Mitarbeiter für richtige, erholsame Pausen

Betonen Sie die Bedeutung von Pausen und geben Sie den Tipp, Pausen genauso wie einen Termin zeitlich genau festzulegen und ebenso verbindlich auch einzuhalten. Um wirklich richtig zu entspannen, sollten die Beschäftigten zu den Pausen ihren Arbeitsplatz verlassen.

Lesen Sie hier mehr über die schwierige, aber wichtige Frage, wie Mitarbeiter ihre Pausen im Homeoffice so gestalten können, dass diese auch wirklich erholsam sind.

Hinweis: Suchtgefährdung

Ein ganz massives Gesundheitsproblem kann die Arbeitsform „Homeoffice“ bei all jenen Mitarbeitern mit sich bringen, die suchtgefährdet sind. Denn durch die weniger strukturierten Tagesabläufe im Homeoffice und den Wegfall der sozialen Kontrolle sieht (und riecht) es ja niemand, wenn ein Mitarbeiter beispielsweise schon tagsüber und während der Arbeitszeit Alkohol trinkt. Und am Telefon und bei Zoom muss jemand schon sehr stark lallen, bis das wirklich auffällt.

Geben Sie deshalb allen Beschäftigten im Homeoffice den Tipp, ihren Konsum an Alkohol und Nikotin zu protokollieren und für sich selbst Regeln zur Eigenkontrolle aufzustellen. Für Alkohol könnte etwa die Regel gelten, dass frühestens ab 20 Uhr und an mindestens zwei Tagen in der Woche gar kein Alkohol getrunken wird.

Homeoffice-Gesundheits-Regel 3: Nicht nur im Homeoffice ist guter Schlaf wichtig für die Gesundheit

Bewährte Tipps fürs gutes Ein- und Durchschlafen sind:

  • Zwischen Arbeit und Nachtruhe soll eine ruhige, unbedingt nichtberufliche Aktivität liegen, um nicht von der Arbeit ins Bett und vom Bett in die Arbeit zu fallen.
  • Empfohlen sind mindestens sieben Stunden Schlaf.
  • Auch bei kalter Witterung gilt: vor dem Einschlafen gut lüften oder sogar bei offenem Fenster schlafen.
  • Bereits nachmittags sollen Kaffee, Tee und andere koffeinhaltige Getränke nur noch sehr zurückhaltend oder gar nicht mehr konsumiert werden.
  • Rituale helfen, gut einzuschlafen. Also ein Buch lesen, Übungen wie progressive Muskelentspannung durchführen oder zum Einschlafen ruhige Musik hören.

Homeoffice-Gesundheits-Regel 4: Mehr Bewegung, bitte!

Schon vor der Pandemie bewegten sich viele Beschäftigte zu wenig. Das verstärkt sich mit dem Homeoffice oft noch. Sensibilisieren Sie Mitarbeiter deshalb für einfache Maßnahmen, die guttun, ohne gleich viel Investition zu benötigen.

  • Möglich wäre es z.B., mindestens einmal in der Stunde im Homeoffice aufzustehen und ein paar Schritte zu gehen.
  • Wenn sie in Online-Konferenzen noch auf Teilnehmer warten, können Mitarbeiter sanft Waden, Nacken oder Schultern dehnen und bewegen.
  • Hilfreich kann ein Schrittzähler als Smartphone-App sein. In der Regel empfehlen Studien heute zwischen 6.000 und 8.000 Schritte pro Tag um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich zu senken. Um Mitarbeiter nicht zu entmutigen: Schlagen Sie vor, dass diese die Schrittlängen, die sie bisher geleistet haben, zu messen und sich dann kleine, erreichbare Ziele zu setzen (z. B. jede Woche 200 Schritte mehr als in der Woche zuvor).

Homeoffice-Gesundheits-Regel 5: Arbeitsplatz ohne Ergonomie geht gar nicht

Falsch ausgestattete Arbeitsplätze im Homeoffice gefährden die Gesundheit

Wer seinen Körper häufig falsch belastet, weil er versucht, an Couch oder Küchentisch zu arbeiten, kämpft schnell mit Schmerzen, Verspannungen, Entzündungen. Eine ergonomische Ausstattung des Heimarbeitsplatzes ist also essentiell.

Haben Arbeitnehmer im Homeoffice Telearbeitsplätze, entspricht die Ausstattung mit Stuhl, Tastatur, Bildschirm und Co. üblicherweise  der von betrieblichen Büroarbeitsplätzen – und Arbeitnehmer sind ergonomisch auf der sicheren Seite. Anders ist das bei mobiler Arbeit. Denn nur für Telearbeitsplätze gilt die Arbeitsstättenverordnung, die in Anhang 6 hohe Anforderungen an Bildschirmarbeitsplätze stellt. Mehr über diesen Unterschied und die jeweiligen Pflichten des Arbeitgebers lesen Sie hier.

Mindestausstattung des Arbeitsplatzes im Homeoffice

Für längeres, konzentriertes Arbeiten empfiehlt die DGUV mindestens:

  • externe Eingabegeräte (Maus und Tastatur), externer Bildschirm mit mindestens 15‘‘
  • Bürodrehstuhl und fester Tisch mit einer Arbeitsfläche von mindestens 200 x 800 mm
  • Tageslicht oder Sichtverbindung nach draußen
  • eine gute Beleuchtung im Allgemeinen
  • Bildschirme und den Schreibtisch seitlich zum Fenster positionieren, um Blendungen bzw. Spiegelungen zu reduzieren

Am besten ist es natürlich, wenn Mitarbeiter ein Büro Ihr Eigen nennen mit einer Tür, die sie schließen können. Ist das nicht möglich, sollten sie sich eine Arbeitsecke einrichten und versuchen, diese zum übrigen Zimmer etwas abzutrennen, z.B. durch Vorhänge, Pflanzen oder Raumtrenner.

Homeoffice-Gesundheits-Regel 6: Gegen den Snackhunger ankommen

Bei vielen Beschäftigten wird im Homeoffice schnell der Kühlschrank zum besten Freund. Es wird den ganzen Tag immer wieder genascht, oft Schokolade, Kuchen oder Gummibärchen. Gesund ist das oft nicht.

Was kann hier helfen?

  • Beschäftigte könnten sich eine Pausenbox packen und über den Tag hinweg dann nur das essen, was in der Pausenbox ist.
  • Hilfreich ist auch ein Essensplan. Wenn sich der Magen außerplanmäßig mit großem Hunger meldet, kann ihn oft ein Glas Wasser oder Tee beschwichtigen.
  • Gute Alternativen zu Schokolade und Co: Nüsse, getrocknete Früchte oder Obst.
  • Um ausreichend zu trinken, sollten sich Beschäftigte eine eine große Karaffe oder Flasche Wasser auf den Tisch stellen. Die erinnert regelmäßig daran, dass sie noch leer getrunken werden muss.

Homeoffice-Gesundheits-Regel 7: Soziale Isolation ist Gift für die Gesundheit

Oft das Arbeiten zu Hause im Homeoffice dazu, dass firmeninterne Informationen schneller verloren gehen. Der größte Faktor ist jedoch der fehlende menschliche Austausch mit den Kollegen. Die Folgen: Einsamkeit, soziale Isolation, sogar Depressionen. Sie sollten alles daran setzen, es dazu gar nicht erst kommen zu lassen und Mitarbeitern immer die Möglichkeit bieten, miteinander fernab des reinen Wissensaustauschs zu kommunizieren, z.B. so: 

  • Mit Maßnahmen wie einem regelmäßigen Jour fixe per Telefon- oder Videokonferenz erfahren alle, woran die Kollegen arbeiten, und haben auch die Möglichkeit, ihre eigenen Themen darzustellen.
  • Weitere einfache Möglichkeiten sind Chaträume und Blogs, in die alle ihre Themen und Anliegen einbringen bzw. darauf reagieren können.
  • Sie können Mitarbeiter dazu ermutigen, ihre Pausen gemeinsam per Videotalk zu verbringen.
  • Wenn Sie bisher auch schon Betriebssport angeboten haben (z.B. Yoga am Arbeitsplatz o.Ä.), übertragen Sie diese Möglichkeiten auf die Situation des Homeoffice. Viele zertifizierte Dienstleister bieten ihre Angebote mittlerweile auch digital über das Internet an. Wird dies von vielen Mitarbeitern angenommen, wirkt sich dies sowohl über das Gruppenerlebnis als auch über die sportliche Tätigkeit positiv auf die psychische Stabilität der Mitarbeiter aus.

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Autoren: Markus Horn , Martin Buttenmüller (Martin Buttenmüller ist Autor und Chefredakteur des Fachmagazins Arbeitsschutz-Profi AKTUELL)