22.01.2018

VSG 1.2: Änderungen bei der sicherheitstechnischen Betreuung

Die Vorschrift für Sicherheit und Gesundheitsschutz (VSG) 1.2 hat sich geändert – und damit auch die Regeln der arbeitsmedizinischen und sicherheitstechnischen Betreuung für Unternehmen in der Land- und Forstwirtschaft sowie im Gartenbau. Das bringen die neuen Vorgaben mit sich:

Nach der VSG 1.2 müssen alle landwirtschaftlichen Unternehmen in ihren Betrieben eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung gewährleisten. Sie stellen dafür entweder Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit ein (sogenannte Regelbetreuung), oder sie treten damit an externe Dienstleister heran. Eine dritte Möglichkeit eröffnet sich Unternehmen mit wenigen Angestellten: Sie können sich für eine Betreuung nach dem LUV-Modell entscheiden. Damit verpflichten sie sich, sich selbst zum Arbeits- und Gesundheitsschutz fortbilden. Die Unternehmer betreuen sich dann also im Endeffekt selbst. Das LUV-Modell belastet die Unternehmenskasse also am wenigsten.

Die VSG 1.2 hält auch fest, welches Unternehmen sich für welches dieser Betreuungsmodelle entscheiden kann und welche Pflichten jeweils damit verbunden sind. Diese Vorgaben haben sich nun zum 1. Januar 2018 zum Teil verschärft. Änderungen gab es in den folgenden Bereichen:

1) Neue Obergrenze für LUV-Modell

Unternehmer dürfen sich nur noch dann selbst um die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung kümmern, wenn sie nicht mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigen. Bisher betrug die Grenze in der Land- und Forstwirtschaft 15 Beschäftigte, 40 waren es im Gartenbau.

2) Ermittlung der Anzahl der Beschäftigten

Geändert hat sich ferner die Art und Weise, wie sich die Mitarbeiterzahl im Betrieb berechnet. Es gilt: Der Mittelwert der im Unternehmen je Kalenderjahr Beschäftigten wird mit einem Korrekturfaktor multipliziert.

  • Für Vollzeitkräfte mit 1,0,
  • für Teilzeitkräfte bis zu 30 Wochenstunden mit 0,75 und
  • für Teilzeitkräfte bis zu 20 Wochenstunden mit 0,5.

Anders als bisher zählen nun auch Familienmitglieder mit Arbeitsvertrag dazu.

3) Neue Fristen für Lehrgänge

Wie bisher verpflichtet das LUV-Modell zum Besuch eines Grundlehrgangs, von Aufbaulehrgängen und von Fortbildungsveranstaltungen.

Neu ist, dass Unternehmer nur ein Jahr Zeit haben, um den Grundlehrgang abzuschließen. Die Zeit läuft, sobald sie feststellen, dass eine sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung in ihrem Betrieb notwendig ist. Nach dem Grundlehrgang müssen sie dann innerhalb von vier Jahren den Aufbaulehrgang absolvieren. Wie gehabt sind sie auch dazu verpflichtet, regelmäßig mindestens alle fünf Jahre an Fortbildungen teilzunehmen.

4) Beratungsbedarf in der Regelbetreuung nach VSG 1.2

Des Weiteren unterscheidet die VSG 1.2 in Zukunft zwischen einer Grund- und einer betriebsspezifischen Betreuung.

Für die Grundbetreuung gilt: Je höher das Unfall- und Gesundheitsrisiko der Mitarbeiter, desto größer der Bedarf der Unternehmen, sich hier beraten zu lassen. Dabei ordnet die VSG  Unternehmen künftig einer von drei Betreuungsgruppen zu.

  • Betreuungsgruppe I – hohes Risiko: z.B. Forstbetriebe oder Unternehmen, die Rinder halten
  • Betreuungsgruppe II – mittleres Risiko: Bewirtschafttung landwirtschaftlicher und gärtnerischer Flächen
  • Betreuungsgruppe III – geringes Risiko: Verbände oder Gewerkschaften

5) LUV-Modell: Wer Fernlehrgänge besuchen darf

Sich im Fernlehrgang schulen lassen dürfen künftig lediglich Unternehmer, die den Betreuungsgruppen II und III angehören.

Die Vorschriften für Sicherheit und Gesundheitsschutz (VSG) sind die Unfallverhütungsvorschriften der Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft. Sie gelten für alle in der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau versicherten Unternehmen. Die geänderte VSG 1.2 im Originaltext finden Sie hier.

Autor: WEKA Fachredaktion