01.10.2020

Corona-Notfallplan: Richtig vorbereiten und so den Minimalbetrieb aufrechterhalten

Gar nicht so einfach für Betriebe, angesichts der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus einen Mittelweg zwischen Panik und absoluter Sorglosigkeit zu finden. Klar, nicht alle Mitarbeiter müssen zum Corona-Serien-Test, sobald der erste hustet, aber die Mitarbeiter achselzuckend dem Infektionsrisiko auszusetzen ist sicher auch nicht richtig. Wie also können Betriebe vernünftig auf die aktuelle Situation reagieren und so Schaden von ihren Mitarbeitern und sich selbst abwenden?

Schild: Geschlossen. Das Coronavirs kann ganze Betriebe einfach lahmlegen.

Mitarbeiter so gut es eben geht vor dem Coronavirus zu schützen ist wirtschaftliche Notwendigkeit sowie moralische und arbeitsschutzrechtliche Pflicht. Wenn so viele Mitarbeiter ausfallen, dass die eigene Produktion oder Dienstleistung in Mitleidenschaft gezogen wird, wird es schnell wirtschaftlich schwierig. Darüber hinaus hat der Arbeitgeber nach § 618 BGB eine allgemeine Fürsorgepflicht. Dazu gehört, dass er Arbeitnehmer vor einer Ansteckung hinreichend schützt.

Maßnahmen z.B. enstprechend der SARS-CoV-2 Arbeitsschutzregel ad hoc umzusetzen mag besser sein als nichts. Wirksamer ist es jedoch, Sie betten Ihre Maßnahmen in eine betriebliche Notfall-Planung ein. Warum?

Minimalbetrieb aufrechterhalten durch durchdachten Corona-Notfallplan

Ein betrieblicher Notfallplan legt Kernprozesse fest, die ohne Unterbrechung weiterlaufen müssen, auch wenn viele Mitarbeiter fehlen oder der Rohstoffnachschub ins Stocken gerät. Er ist das Ergebnis durchdachter Ziele, Strategien und Kommunikation, nicht von überhasteten Entscheidungen. Deshalb minimiert er recht wirksam wirtschaftliche Belastungen für Unternehmen und schützt gleichzeitig die Gesundheit von Arbeitnehmern.

Wenn Sie an Ihrer betrieblichen Notfallplanung arbeiten, sollten Sie sich am „Handbuch für betriebliche Pandemieplanung“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe orientieren. Zwar explizit für eine mögliche Influenzapandemie geschaffen, finden sich dort auch für die aktuelle Situation viele sinnvolle Vorschläge.

Fertiger mehrstufiger Muster-Pandemieplan im Checklisten-System

In Notfallwissen Infektionsschutz – Praxishilfen für Arbeitsschützer finden Sie neben anderen arbeitsschutzrelevanten Infos auch einen mehrstufigen Muster-Notfallplan, der Ihnen erlaubt, Ihre Maßnahmen flexibel an der jeweiligen Pandemielage auszurichten.

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Auswirkungen auf Ihr Unternehmen

Ein erster wichtiger Schritt besteht darin, dass Sie die möglichen Auswirkungen einer zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus auf das Unternehmen prüfen.

Auf der Basis dieser Informationen klären Sie dann:

  • Welche Geschäftsprozesse sind essenziell und welche Auswirkungen hätte ihr Ausfall auf das Unternehmen?
  • Bestehen besondere Vorgaben, wie z.B. gesetzliche Verpflichtungen oder Rechtsverordnungen zur Aufrechterhaltung von Geschäftsprozessen?
  • Bestehen besondere vertragliche Verpflichtungen gegenüber Kunden oder gegenüber der Allgemeinheit, bestimmte Produkte herzustellen oder Leistungen zu erbringen?
  • Welche wirtschaftlichen Folgen hätte der Ausfall von Geschäftsprozessen für das Unternehmen?

Wichtige Bestandteile Ihres Plans

Betriebliche und personelle Planung

  • Benennen Sie (einen) Verantwortliche(n) für die Planung und die Vorbereitungsmaßnahmen für eine Pandemie.
  • Legen Sie ein Führungskonzept für eine Pandemie fest.
  • Bestimmen Sie die Kernfunktionen Ihres Betriebs sowie die Bereiche, deren Betrieb vorübergehend eingestellt werden kann.
  • Legen Sie Schlüsselpersonen für diese Kernfunktionen fest inkl. entsprechender Vertretungsregelungen. Gegebenenfalls müssen Sie die Versorgung und Betreuung der aktiven Mitarbeiter planen-
  • Treffen Sie Maßnahmen, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, z.B. Vereinzelung, Schichtregelung, Einrichten von Heimarbeitsplätzen.
  • Treffen Sie Absprachen mit Geschäftskunden und Lieferanten.
  • Bauen Sie Kontakt zu Einrichtungen außerhalb des Betriebs auf.
  • Treffen Sie Vorsorge für Mitarbeiter im Ausland.
  • Planen Sie auch die Rückkehr zur Normalität (nach der Pandemie).

Beschaffung von Hilfsmitteln

Legen Sie fest, welche Hilfsmittel Sie in welcher Anzahl brauchen, z.B:

  • persönliche Schutzausrüstung (Atemschutzmasken, Handschuhe, Schutzkleidung)
  • Reinigungs- und Desinfektionsmittel
  • Arzneimittel

Informationspolitik

  • Klären Sie, was Sie im Fall der Fälle Mitarbeitern, Kunden und Öffentlichkeit sagen.
  • Sie sollten Mitarbeiter zu hygienischem Verhalten unterweisen und anleiten.
  • Klären Sie, wie Sie Informationen an Mitarbeiter weitergeben (z.B. E-Mail, Intranet, Aushänge, über private Handynummern).
  • Eigentlich selbstverständlich: Halten Sie sich über die aktuelle Situation auf dem Laufenden, z.B. indem Sie die Informationen des Robert-Koch-Instituts verfolgen.

Ggf.: vorbereitende medizinische Planung

  • Planen Sie Aufgaben, Umfang und Spezifikation des medizinischen Personals.
  • Verpflichten Sie medizinisches Personal.
  • Legen Sie die besonderen Arbeitsabläufe in der Pandemiephase fest.
  • Kümmern Sie sich um besondere Schutzmaßnahmen für das medizinische Personal.

Legen Sie bei jeder vorgesehenen Maßnahme außerdem fest, ab welchem Zeitpunkt bzw. bei welchen Rahmenbedingungen Sie auf diese zurückgreifen möchten.

Rückkehr zur Normalität

Auch die Rückkehr zur Normalität müssen Sie planen. Die Beschäftigten müssen informiert werden, wann und in welchen Schritten der Betrieb wieder aufgenommen wird. Lieferanten und Kunden müssen erfahren, wann die Produktion bzw. die Dienstleistungen wieder zur Verfügung stehen. Die Erfahrungen der vergangenen Pandemie müssen in der Notfall- und Katastrophenplanung des Betriebs berücksichtigt werden.

Fazit

Ein betrieblicher Notfallplan bettet einzelne Maßnahmen in eine umfassende Strategie ein, die Mitarbeiter schützt und Unternehmen gleichzeitig ermöglicht, grundlegenden Funktionen oder Produktionen aufrechtzuerhalten.

Das Vorgehen, das das Bundesamt hier vorschlägt, ist flexibel genug, um unterschiedlichen Arbeitsbedingungen gerecht zu werden: An einem Büroarbeitsplatz mit ausreichend gelüfteten Einzelbüros existiert natürlich ein anderes Ansteckungsrisiko als in einer medizinischen Einrichtung, in der Arbeitnehmer häufig mit Erkrankten in Berührung kommen.

Autor: WEKA Redaktion